Gute Nachrichten für die PCK-Raffinerie: Das erste Öl, das über den Hafen Danzig per Tank-Schiff geliefert worden ist, trifft bereits in den kommenden Tagen in Schwedt ein. Das bestätigte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums auf Anfrage von MOZ.de. Mit diesem Schritt erhält die Produktion zusätzliche Sicherheit und auch der Druschba-Pipeline kommt nach wenigen Tagen Stillstand wieder Bedeutung zu.
Zur Jahreswende war das letzte Öl durch die Druschba-Pipeline geflossen, das in Sibirien gefördert worden ist. Denn mit der sprichwörtlichen „Freundschaft“ zu Russland – Druschba ist russisch und bedeutet Freundschaft – ist es derzeit nicht zum Besten gestellt, seitdem Truppen des Kremls einen brutalen Angriffskrieg in der Ukraine führen und Deutschland mit seinen westlichen Verbündeten zu den Unterstützern Kiews zählt.

Seit Januar 2023 läuft Versorgung nur über Rostock

Seit Januar wird die PCK-Raffinerie daher nur über eine kleine Pipeline mit Rohstoffen versorgt, die vom Hafen in Rostock nach Schwedt verläuft. Aufgrund der geringeren Menge, die durch die Röhre transportiert werden kann, läuft die Produktion von Treibstoffen und anderen Produkten in den Anlagen von PCK zurzeit nur mit halber Kraft.
Die Geschäftsführung des PCK hatte zuletzt darauf gesetzt, eine zweite Pipeline vom Hafen Rostock zur Raffinerie zu bauen. Nun ist die Entscheidung gefallen, dass es diese Lösung nicht geben wird. Es sei lediglich geplant, die vorhandene Leitung, die aus dem Jahr 1969 stammt, zu modernisieren, um den Durchfluss zu erhöhen und mehr Sicherheit zu gewährleisten. Das meldete am Mittwochnachmittag das Bundeswirtschaftsministerium.

Ralf Schairer hatte bis zuletzt für das Projekt geworben

PCK-Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsleitung Ralf Schairer hatte bis zuletzt für die zweite Leitung geworben. So wollte auch tauglich für den Transport von Wasserstoff gemacht werden, um später auch Produkte der „grünen“ Raffinerie durchleiten zu können.
Einige Produkte können derzeit gar nicht hergestellt werden. So ist zum Beispiel die Bitumen-Anlage außer Betrieb, hatte jüngst PCK-Geschäftsführer Harry Gnorksi bestätigt. PCK verfügt über zwei große Produktionsstränge. Wegen der geringen Auslastung ist eine Anlage davon zurzeit heruntergefahren, aber an dieser kleineren Produktionslinie hängt am Ende die Produktion von Bitumen.

Raffinerie läuft aktuell stabil

Laut Wirtschaftsministerium läuft die Raffinerie mit den aktuell gelieferten Mengen stabil. Sie versorge das Liefergebiet und ihre Abnehmer, sagt Ministeriumssprecherin Susanne Ungrad. Allerdings liegt die Auslastung aktuell nur bei rund 56 Prozent. Zu der Frage, ob die Lieferung über Danzig bereits zu einer Steigerung der Produktion führt, äußerte sie sich nicht.
Bisher waren die Betreiber der Raffinerie und auch externe Experten stets davon ausgegangen, dass mit einer Lieferung von Öl über Rostock und Danzig aber nur ein Teil der kompletten Auslastung geschaffen werden kann. Unter Volllast könne PCK mit den anvisierten Mengen nicht fahren. Hintergrund ist, dass die Pipeline zwischen Danzig und dem Anschluss an die Druschba nicht genug Kapazitäten habe.

Nur wenige Kapazitäten für PCK in Schwedt

Maximal 70 Prozent Auslastung seien möglich. Denn über Danzig werden vorrangig die polnischen Raffinerien und Leuna im Süden Ostdeutschlands versorgt. Für PCK in Schwedt blieben am Ende nur wenige Kapazitäten des Pipeline-Systems frei. Echte Entlastung oder eben eine volle Auslastung kann es erst geben, wenn sich eine dritte Ölquelle für die Raffinerie auftut.
Doch auch in diesem Punkt gibt es gute Nachrichten aus dem Bundeswirtschaftsministerium: „Die Ausschreibung von zusätzlichem Rohöl aus Kasachstan ist inzwischen beendet. Diese Ölmengen werden, neben denen aus Rostock und Danzig, die PCK absehbar auf eine komfortable Auslastung bringen“, sagt die Sprecherin. Konkrete Zahlen nannte sie allerdings nicht.

Noch kein Liefertermin für Rohöl aus Kasachstan

Unklar ist zurzeit auch, wann das Öl aus Kasachstan in Schwedt eintreffen wird: „Einen exakten Liefertermin kann ich nicht nennen, für Verträge und Lieferungen sind die Anteilseigner zuständig.“ Das Rohöl wird dann wiederum über die Druschba-Pipeline fließen. Da der Rohstoff aus dem Herkunftsland dafür aber über russisches und weißrussisches Gebiet fließt, kann nicht sicher ausgeschlossen werden, dass das Öl am Ende wirklich und dauerhaft in Schwedt ankommt.
Diese Überlegungen gibt es auch Wirtschaftsministerium: „Um möglichst zügig ein unabhängiges nationales Standbein für nicht-russische Rohöllieferungen im Nordosten des Landes zu stärken, finanzieren wir die Modernisierung der Pipeline vom Hafen Rostock zur Raffinerie in Schwedt“, sagt die Sprecherin. Die Verhandlungen mit der EU-Kommission für die entsprechende Genehmigung laufen bereits.
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