Die Solidarität mit der PCK-Raffinerie in Schwedt ist überwältigend. Doch echte Lösungen für die verfahrene Situation, die mit dem Beginn des Öl-Embargos gegen Russland zum Jahresende eintritt, gibt es bisher wenig – zumindest wenig konkrete. So ist zum Beispiel auch noch völlig unklar, unter wessen Regie ein Umbau des Standortes stattfinden könnte.
Fest steht: Die bisherigen Mehrheitseigentümer der PCK-Raffinerie vom russischen Staatskonzern Rosneft haben wenig Interesse an einem Umbau. Ja, aus wirtschaftlicher Sicht müssen sie das sogar haben. Denn es widerspräche ihrem Geschäftsmodell. Sie liefern den Rohstoff und verdienen dann auch an dessen Verarbeitung und den daraus resultierenden Produkten.

Shell will seine Anteile an der PCK-Raffinerie abstoßen

Der zweite große Gesellschafter der Raffinerie – Shell – hat keinen Hehl daraus gemacht, dass er seine Anteile abstoßen will und bisher nur zurückgerudert ist, um ihrer Verantwortung für den Standort vorübergehend nachzukommen, nachdem die Bundesregierung einer Übernahme der Anteile durch Rosneft eine Absage erteilt hat.
Da könnte die Schützenhilfe aus der unmittelbaren Nachbarschaft gerade recht kommen. Denn das Unternehmen Enertrag hat nun Interesse an einem Einstieg bei der PCK-Raffinerie auf Anfrage von MOZ.de bestätigt. Es gebe erste Gespräche. Zuerst hatte das Handelsblatt über diese Entwicklung berichtet.

Enertrag ist im Gespräch mit Land und Bund

„Wir sind aktuell im Austausch mit der Brandenburger Landesregierung sowie dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, um zu prüfen, ob in Schwedt eine „grüne“ Raffinerie etabliert werden kann und welche Rolle wir dabei spielen können“, schreibt Enertrag-Sprecher Matthias Philippi.
Bevor allzu großer Jubel aufbrandet und die Meldung von einer Rettung der PCK-Raffinerie die Runde macht, dämpft Philippi aber gleich allzu hohe Erwartungen: „Uns ist natürlich bewusst, dass eine Umstellung der gesamten Produktion auf grünen Wasserstoff nicht von heute auf morgen vonstattengehen kann.“

Konventioneller Weiterbetrieb bis 2024 ist eine gute Nachricht

Für die Region in der Uckermark sei es daher ein wichtiges Signal gewesen, dass sich der parlamentarische Staatssekretär Michael Kellner, der sein Bundestagsmandat über die Landesliste der Grünen für die Uckermark ausübt, sich zunächst für einen konventionellen Weiterbetrieb des Unternehmens bis einschließlich 2024 ausgesprochen habe.
Mit Blick auf die politischen Entwicklungen und auch die jüngste Reduzierung der Gas-Lieferungen aus Russland erklärt Philippi: „Gleichzeitig zeigen die jüngsten Entwicklungen aber auch, dass wir schnellstmöglich unabhängig von fossilen Energieimporten werden müssen.“

PCK-Raffinerie im Visier internationaler Politik

Die PCK-Raffinerie ist ins Visier der internationalen Politik geraten, weil dort die „Druschba“-Pipeline endet, die Rohöl aus Sibirien nach Deutschland transportiert. Zum Jahresende sollen diese Lieferungen eingestellt werden, weil die Europäische Union gegen Russland ein Öl-Embargo verhängt hat, um den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine mit Wirtschaftssanktionen zu bestrafen.
Deutschland hat sich in diesem Zuge gemeinsam mit Polen freiwillig bereit erklärt, auch kein Rohöl mehr über Pipeline zu beziehen, obwohl dies ausdrücklich vom EU-Embargo ausgenommen ist. Dass Enertrag den Schulterschluss mit der Raffinerie und den Mitarbeitern in Schwedt sucht, ist aus mehreren Gründen naheliegend.

Enertrag ist in der Uckermark schon umfangreich engagiert

Denn Enertrag betreibt in der Uckermark zahlreiche Windkraftanlagen und produziert in Prenzlau bereits grünen Wasserstoff. Abschließend sagt Philippi: „Wir haben als in Brandenburg verwurzeltes erneuerbares Energieunternehmen gegenüber Bund und Land unsere Bereitschaft bekundet, als Investor zur Sicherung des Standortes und der damit verbundenen Arbeitsplätze beizutragen.“