Ratten in Schwedt: Stadt verstärkt Kampf gegen die Plage – wie Sie helfen können

Eine Ratte versteckt sich im Gebüsch – die Stadt Schwedt kämpft gegen die Nagetiere. Was können die Menschen selbst tun?
Jens Kalaene/dpaDie Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein leises Rascheln in der Dunkelheit, ein huschender Schatten am Straßenrand – Ratten haben sich in den vergangenen Monaten zur Herausforderung für die Stadt Schwedt entwickelt. Während die klassischen Fundtiere wie Hunde und Katzen weiterhin das Bild der Ordnungsbehörde prägen, rücken die Nager zunehmend ins Zentrum der Aufmerksamkeit.
„Die Zahl der gemeldeten Fälle im Bereich Tiere stieg von 133 auf 158, und ein beachtlicher Teil davon betrifft Rattensichtungen“, erklärt der Beigeordnete Silvio Moritz in seinem Bericht über die öffentliche Ordnung und Sicherheit in der Stadt Schwedt/Oder auf der jüngsten Stadtverordnetenversammlung.
Ratten in Schwedt trotzen den Sofortmaßnahmen
Im letzten Jahr gingen demnach bei der Stadtverwaltung vermehrt Beschwerden über Ratten an verschiedenen Orten ein. Die ungebetenen Gäste wurden unter anderem in der Edgar-André-Straße, auf dem Parkplatz des Vereinshauses Kosmonaut, in der Vierradener Straße/Brückenstraße und auch auf dem Platz der Befreiung gesichtet.
Sofortige Maßnahmen folgten: In Zusammenarbeit mit einer Fachfirma und dem Gesundheitsamt des Landkreises Uckermark wurden gezielte Bekämpfungen durchgeführt. Präventive Maßnahmen wie die tägliche Leerung der Abfallkörbe auf dem Platz der Befreiung sollten das Problem eindämmen.
Doch die Ratten zeigten sich widerstandsfähig. Nur kurze Zeit später erreichten die Stadtverwaltung erneut Berichte über neue Rattensichtungen. Der Grund sei nicht nur die natürliche Anpassungsfähigkeit der Tiere, sondern auch ihre Fähigkeit, bei Bedrohung ihre Population gezielt zu erhöhen. „Die Fachfirma, die mit der Bekämpfung beauftragt wurde, stellte klar: Ein völliges Verschwinden der Ratten aus dem Stadtbild ist illusorisch. Vielmehr müsse eine nachhaltige Eindämmung angestrebt werden“, betont Moritz.
Ratten in Schwedt: Bekämpfung erfolgt nur punktuell
Um dieses Ziel zu erreichen, plant die Stadtverwaltung nun ein umfassendes Treffen mit verschiedenen Akteuren, darunter die Wohnungsgesellschaften und die ZOWA sowie sachkundige Personen. Gemeinsam soll eine Strategie zur Kontrolle der Rattenpopulation entwickelt werden, die das gesamte Stadtgebiet umfasst. Derzeit erfolge die Bekämpfung nur punktuell an den Stellen, wo es bereits Bürgerhinweise gab, erklärt Heike Voigt, Leiterin des Fachbereiches Ordnung und Brandschutz.

Mit der Aktion „Gänseblümchen - Für ein sauberes Schwedt“ platzierte die Stadt Schwedt auch Schilder am Bollwerk. Futter für Gänse und Schwäne locken auch Ratten an. Passanten sollen so sensibilisiert werden.
Oliver Voigt„Den vorbeugenden Maßnahmen kommt bei der Bekämpfung von Nagetieren eine besondere Bedeutung zu. Ratten kommen nur dort vor, wo es ein ausreichendes Nahrungsangebot und Nistmöglichkeiten für sie gibt. Werden ihnen diese Lebensgrundlagen von vornherein entzogen, kann eine dauerhafte Ansiedlung verhindert werden“, so Heike Voigt. Durch die regelmäßige Leerung der Abfallkörbe und die Reinigung der öffentlichen (Grün-)Anlagen versucht die Stadt, das vorhandene Nahrungsangebot zu reduzieren.
Verstoß gegen Fütterungsverbot kostet bis zu 1.000 Euro
Die Bürger der Stadt sind ebenfalls gefragt. Durch korrekte Entsorgung von Müll und die Einhaltung von Sauberkeitsregeln können sie aktiv zur Lösung des Problems beitragen. Die Stadtverwaltung wird weiter verstärkt auf Öffentlichkeitsarbeit setzen, um das Bewusstsein der Bürger zu schärfen und sie in den Kampf gegen die Nager einzubinden. Dabei geht es nicht nur um das beliebte Gänse-, Enten- und Schwanfüttern am Kanalufer.
Wie jeder Einzelne einen Beitrag leisten kann:
● Keine organischen Abfälle oder Essensreste über die Toilette entsorgen.
● Abfälle nur in dafür vorgesehene Abfallbehälter werfen.
● Abfallbehälter stets fest verschlossen und das Umfeld sauber halten.
● Komposthaufen nach Möglichkeit so verschließen, dass ein Eindringen durch Ratten nicht möglich ist.
● Speisereste und tierische Abfälle nicht auf dem Kompost entsorgen.
● Die Fütterung wildlebender Tieren, sowie von Haustieren im Freien vermeiden, denn von nicht aufgenommenen Krümeln und Resten profitieren die Ratten.
● Nahrungs- und Futtermittel nicht offen lagern. Keine Lebensmittelreste achtlos wegwerfen, sondern die dafür vorgesehenen Müllbehälter benutzen.
● Offene Stellen am Gebäude, z.B. Lüftungsöffnungen in Bodennähe, durch Gitter o.ä. verschließen.
Die Art und Weise der Uferbefestigung sorgt dafür, dass Brot und anderes Futter immer wieder ungewollt in den Ritzen landet, unerreichbar für die Wasservögel, dafür aber dankbare Nahrungsquelle für ungebetene Tiere wie Ratten und Mäuse. Das Fütterungsverbot ist seit 2018 sogar unter § 4 in der Stadtordnung verankert. Dort heißt es: „Herrenlose Tiere, außer Singvögel im Winter, dürfen auf Straßen und in öffentlichen Anlagen nicht gefüttert werden. Als Füttern gilt auch das Auslegen und Anbieten von Futter.“
„Die Missachtung dieser Vorschriften kann als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu 1.000 Euro geahndet werden. Die Einhaltung der Stadtordnung wird durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Stadtordnungsdienstes überwacht“, betont Heike Voigt.
Die Stadtordnung enthält zudem allgemeinverbindliche Regeln, wonach jede Verunreinigung der Straßen und öffentlichen Anlagen untersagt ist und Verunreinigungen durch den Verursacher unverzüglich zu beseitigen sind.
Kleiner Rattenbefall kann innerhalb kurzer Zeit ausbreiten
Ratten finden sich längst nicht nur in der Kanalisation oder auf Mülldeponien. Bahnhöfe, landwirtschaftliche und Lebensmittel verarbeitende Betrieben oder eben auch auf Spiel- und Freizeitflächen, wo Menschen gerne Essensreste liegenlassen. Und dann ist da noch der Umstand mit der Vermehrung.
Ein Rattenweibchen kann bis zu sechsmal im Jahr Nachwuchs bekommen, mit durchschnittlich acht Jungtieren pro Wurf, die bereits nach zwei Monaten geschlechtsreif sind. Dadurch kann sich ein kleiner Rattenbefall schnell ausbreiten, warnt das Umweltbundesamt (UBA). Es ist wichtig, typische Anzeichen eines Befalls zu erkennen und Sichtungen der zuständigen Behörde zu melden.


