Ungeziefer: Der Rattenfänger von Schwedt

Schwedts Rattenfänger Jörg Jetzke füllt in dieser gestellten Szene Gift in eine Falle. Das Mittel wirkt langsam, denn Ratten sind clever und schicken einen Vorkoster, der das Essen erst probiert.
Thorsten PifanDer Disney-Film Ratatouille zeigt von Ratten – einem der unbeliebtesten Tiere – die schönsten Seiten: In der Küche eines französischen Restaurants kochen die Nager mit der Küchencrew und begeistern den peniblen Restaurant-Kritiker. Unrealistische an dieser Situation ist, dass die Tiere auch Köche sind. Doch die Möglichkeit, einen Rattenbesuch in der Küche im Lieblingsrestaurant oder sogar in der eigenen Küche zu haben, kann bittere Realität sein – auch hier in Schwedt.
„Eigentlich ist es aber das beste Haustier, das man haben kann“, sagt Jörg Jetzke. Denn trotz ihres schlechten Rufs gelten Ratten auch als sehr reinliche Tiere, die einfach zu halten sind.
Was dagegen tun?
„Meistens schämen sich die Leute uns anzurufen oder wollen nicht die Nachbarn davon wissen lassen, dass wir da sind.“ Dabei kann ein Schädlingsbefall jeden Haushalt treffen. Ob vorsorglich gegen den unerwünschten Besuch gehandelt werden kann, auf diese Frage weiß Jetzke keine 100-prozentige Antwort. Restaurants, Pflegeheime oder das PCK werden regelmäßig auf einen Befall getestet, um diesen – falls vorhanden – früh zuerkennen.
Im Alltag wünscht er sich Bio-Mülltonnen zurück, diese waren für die Tiere nicht so leicht zu öffnen. Empfehlenswert ist es, keine Essensreste wie Kartoffelschalen oder Sonstiges vom Balkon zu werfen. Der Gedanke, dem Igel etwas gutes zu tun, ist irreführend. Denn meist werde nur Ratten ein leichteres Spiel gemacht. Andere Tiere, die dem menschlichem Lebensraum zu nah kommen, sind teilweise gar nicht bedrohlich. Die Silberfische alias „Zuckergäste“ genannt, sind eher Anzeichen für weit aus größere Probleme als das Tier selber. Der Besuch weist zu hohe Feuchtigkeit auf.
Der Trend in der Region liegt derzeit bei vier bis fünf Vorfällen von Ratten, Kakerlaken oder Bettwanzen – täglich. Jetzke sagt, dass eine dauerhafte Beseitigung von Schädlingen kaum möglich ist. Die Bekämpfung geht nur so weit, um große Ausmaße wie vergleichsweise in Paris zu verhindern. „Wenn einmal Ratten da waren, liegt die Möglichkeit nach der Beseitigung bei 90 Prozent, dass die leeren Bauten wieder von anderen Nagern besetzt werden. Oft wird auch erwartet, dass nach dem ersten Besuch alle Schädlinge beseitigt wurden. Die Entfernung von Bettwanzen in einem weit entwickelten Fall, kann jedoch bis zu acht Wochen dauern: „Oftmals ist es der Fall, dass wir erst dann gerufen werden, wenn es schon sehr starke Ausmaße genommen hat“. Vorher wird selbst Hand angelegt mit Giften aus dem örtlichen Baumarkt.
Mischverhältnis entscheidend
Dabei sei das nicht immer der beste Weg. Das Risiko, sich selber und der Umwelt damit zu schaden, seien sehr hoch. Die Mischverhältnisse etwa spielten eine sehr große Rolle und vor allem die Gebrauchshinweise. „Der Beruf, den wir ausüben, wird unterschätzt und die Anwendungen zu oberflächlich gelesen. Lüftungszeiten und das Reinigen der Wohnung nach der Behandlung sind so wichtig zu beachten, was aber viele einfach ignorieren.“
Die Schäden, die entstehen, können bei einem Befall von jeglichen Parasiten teuer werden. So sei es empfehlenswert, lieber frühzeitig einen Profi hinzuziehen. Die Ausbildung zu einem Schädlingsbekämpfer dauert drei Jahre und setzt sich hauptsächlich mit Rechtsnormen, Pflanzenschutz, dem Umgang mit den Giften und andere Gefahrstoffen und den wichtigen Schutzmaßnahmen bezüglich der Gesundheit auseinander.
In der Falle
Ratten sind sehr schwer loszuwerden. Die Fallen, die genutzt werden, sehen relativ harmlos aus. Es sind schwarze Boxen mit zwei Eingängen. In der Box befindet sich das Gift was der Vorkoster, der von der Rattenfamilie vorgeschickt wird, probieren soll. Die Tiere sind so intelligent, dass wenn der Vorkoster kurze Zeit danach stirbt, die komplette Familie gewarnt ist.
So entwickelten Labore Gifte, die nach langer Zeit das Tier innerlich verbluten lassen. Der Giftköder ist ein Blutgerinnungsmittel. Damit sterben die Ratten so schmerzfrei wie es möglich ist. Durch die vergangene Zeitspanne können die Tiere nicht mehr zuordnen, dass der Verursacher der Giftköder war. Wenn jedoch das Gift nicht richtig dosiert wurde, kann die Ratte eine Immunität entwickeln. ⇥mij