Bernhard Brink in Schwedt 2023
: Schlager-Weihnachten in den Uckermärkischen Bühnen

InterviewBernhard Brink hat ein neues Weihnachtsalbum veröffentlicht und kommt als Stargast für sechs Auftritte zum „Bunten Weihnachtsteller“ an die Uckermärkischen Bühnen nach Schwedt.
Von
Boris Kruse
Schwedt / Berlin
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Singt aktuell auch weihnachtliche Lieder: Bernhard Brink, hier fotografiert bei einem sommerlichen Auftritt während des Open Air-Sommerfestivals in Wolfsburg am 1. Juli 2018

Peter Steffen/dpa

Bernhard Brink hat ein neues Weihnachtsalbum veröffentlicht und kommt als Stargast für sechs Auftritte zum „Bunten Weihnachtsteller“ an die Uckermärkischen Bühnen nach Schwedt.

Er ist einer der letzten verbleibenden deutschen Schlager-Dinosaurier, die schon in den 1970er-Jahren Hits hatten: Bernhard Brink hat in einem halben Jahrhundert etliche Evergreens gelandet und ist bis heute ein regelmäßiger Gast in Fernsehshows. Jetzt hat er zum zweiten Mal in seiner Karriere ein Weihnachtsalbum eingesungen. Einige Songs aus „Frohe Weihnachten mit Bernhard Brink“ werden in diesem Advent auch im Theater in Schwedt zu hören sein.

Doch der gebürtige Niedersachse aus Nordhorn hat mehr im Sinn als nur Party-Kracher und kuschelige Romantik-Hits. Das stellte Brink unter anderem im Juni 2022 bei seinem Auftritt im Rahmen der „Schlagernacht des Jahres“ in der Berliner Waldbühne unter Beweis. Zwischen zwei Songs ließ er seinem Unmut über die großen Themen der Zeit freien Lauf. „Dieses Scheiß-Corona“, rief er mit einem erbosten Seitenhieb auf die Pandemie-Politik der Bundesregierung, und zu Putins Überfall auf die Ukraine sagte er: „Und dieses kleine Arschloch in Russland: Den soll beim Kacken der Schlag treffen!“ Großes Gejohle im Publikum. Der rbb hat diese Passagen in seinem Zusammenschnitt der Show allerdings nicht ausgestrahlt.

Herr Brink, wie ist die Song-Auswahl für „Frohe Weihnachten mit Bernhard Brink“ entstanden?

Bernhard Brink: Es war der Wunsch der Plattenfirma, dass ich nach fast 30 Jahren mal wieder ein Weihnachtsalbum rausbringe. Die Zeit, dieses Feld zu beackern, ist natürlich immer ein bisschen begrenzt – etwa sechs, sieben Wochen vor Weihnachten kommt das auf den Markt, und dann muss man sehen, dass man einigermaßen damit klarkommt.

Wir haben das also gemacht und uns dabei auf traditionelle Lieder und einige moderne Klassiker konzentriert. Man kann Weihnachten ja nicht neu erfinden.

Aber man kann natürlich Schwerpunkte setzen. Mir fällt auf, dass das Album zum einen sehr Pop-affin ist, und dass es zum anderen Lieder gibt, die das familiäre Beieinander und die Winterzeit in den Blick rücken. Es sind aber weniger die ganz traditionellen alten christlichen Weihnachtslieder wie „Stille Nacht“. War Ihnen das wichtig?

Nein, diese ganz alten traditionellen Lieder haben wir eher nicht gemacht. Es ist zum Beispiel Chris Reas „Driving Home For Christmas“ in einer deutschen Fassung darauf, Leonard Cohens Version von „Hallelujah“ im englischen Original, und ein Lied, mit dem ich vor knapp 30 Jahren schon einmal einen großen Erfolg hatte, „Wenn es kalt wird“. Es ist eine persönliche Auswahl geworden, aber klar: Jeder, der sonst noch ein Weihnachtsalbum veröffentlicht, hat einige dieser Nummern darauf auch schon gesungen.

Wann haben Sie die Stücke denn aufgenommen – sicher doch nicht in der Weihnachtszeit? Und wie haben Sie sich dabei auf Weihnachten eingestimmt?

Das war einfach. Wir haben das natürlich im Sommer gemacht – da haben wir ein paar Kerzen angezündet und das Ganze quasi ein bisschen nachgestellt.

Ihr erstes Weihnachtsalbum liegt 28 Jahre zurück. Wie haben Sie sich als Musiker seitdem verändert?

Es ist generell alles sehr poppig geworden, sehr modern geworden. Wir haben auch auf dem neuen Album versucht, diesen poppigen Touch, den viele der Lieder schon in den Originalfassungen haben, so zu belassen. Dass wir große Melodien haben, liegt bei Stücken wie „Hallelujah“ auf der Hand – wir haben versucht, sie in den Mittelpunkt zu rücken und am Ende das auszuwählen, was uns gefallen hat.

Am Ort seines Karrierestarts: Bernhard Brink sitzt in den Hansa Studios in Berlin, in denen auch zum Beispiel David Bowie, Depeche Mode und U2 aufgenommen haben. Hier spielte er in den 70er-Jahren vor und unterschrieb dann bei Hansa Records seinen ersten Plattenvertrag.

Jens Kalaene/dpa

Trauern Sie manchmal den Zeiten nach, in denen bei Schlager-Aufnahmesitzungen noch richtige große Bands und Orchester im Studio standen?

Damals wurden ja noch richtig viele Platten verkauft, da durfte alles auch ein bisschen teurer sein, weil man diese Summen wieder einspielen konnte. Heute hat man die Chance dazu fast gar nicht mehr.

Über Spotify erreicht man zwar potenziell ein Millionenpublikum. Man kann dort praktisch alle Titel der Welt hören, aber die Musik hat auch etwas an Wert verloren – für die Autoren, für die Musiker.

Was finden Sie an der heutigen Schlagerszene spannend – fallen Ihnen interessante Newcomer ein?

Ja, es gibt schon viele Interpreten, die engagiert und schwer arbeiten, die Talent haben und versuchen, ihren Weg zu gehen. Gar keine Frage. Zum Beispiel Vincent Gross oder Eric Philippi.

Auch als Moderator erfolgreich: Der frühere Sendungsmoderator Bernhard Brink (l.) zeigt seinem Nachfolger Florian Silbereisen bei der Generalprobe zur Aufzeichnung „Die Schlager des Jahres – Florian Silbereisen präsentiert den Schlagergipfel 2016“ am 11.11.2016 in Suhl (Thüringen) den Daumen. Die Sendung wurde vom Mitteldeutschen Rundfunk in Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk produziert.

Arifoto Ug

Schlager gilt vielen als glatt, stromlinienförmig, wenig widerborstig. Bernhard Brinks Äußerungen hingegen kann man entnehmen, dass ihm daran gelegen ist, der Schlagermusik eine gesellschaftliche Relevanz zu geben. Rückblick in das Jahr 2018: Nach den gewalttätigen Ausschreitungen vom Spätsommer des Jahres in Chemnitz, als bei einem Stadtfest ein Mensch getötet und zwei schwer verletzt wurden, woraufhin rechtsextremistische Gruppierungen zu Demonstrationen aufgerufen hatten, fand dort ein großes Solidaritätskonzert statt. Unter dem Motto „Wir sind mehr“ traten Stars wie K.I.Z., Kraftklub, Marteria und Die Toten Hosen auf, um ein Zeichen gegen rechte Gewalt zu setzen. 65.000 Menschen sahen zu. Bernhard Brink äußerte daraufhin, dass er sich freuen würde, wenn bei solchen Anlässen auch einmal Schlagersänger gefragt werden würden, ob sie nicht auch mitmachen wollten.

Sie reiben sich schon hin und wieder daran, dass der Schlager manchmal in dieser Ecke des Angestaubten und Unhippen steht, oder?

Bernhard Brink: Es gibt eben immer noch Vorurteile gegen uns, auch deswegen werden bei solchen Anlässen immer oft nur Pop- oder Rockkünstler angefragt.

Ich persönlich kann zum Beispiel mit der AfD überhaupt gar nichts anfangen. Wir Schlager-Interpreten könnten auch viele Menschen bewegen, wir haben auch eine Meinung, und die vertreten wir auch – dabei ist es doch vollkommen egal, welche Musikrichtung jemand macht.

Was müsste denn geschehen, damit Ihre Musik auch für diese engagierten Seiten mehr wahrgenommen wird?

Ach, das ist vor allem abhängig von den Machern und Verantwortlichen und wenn die Schlager nicht so toll finden, dann bedienen sie dieses Genre nicht.

50 Karrierejahre haben Sie mit ihrer vorherigen Veröffentlichung gefeiert. Was denken Sie, wie geht es für Sie weiter?

Ich bin in einem Alter, in dem man nicht weiß, wie es weitergeht. Mir geht es gut, ich spiele viel Tennis und nehme auch gerade schon wieder ein neues Album auf. Daran ist ein großer Kreis an Songwritern beteiligt, das sind sehr unterschiedliche Leute. Und es ist dabei etwas passiert, was ich zuvor nie für möglich gehalten hätte: Eines dieser Komponistenteams hat sich an einem Nachmittag hingesetzt und wie auf Kommando einen wirklich starken Song mit Hitpotenzial geschrieben. Einen echten Knaller, der erfolgreich werden kann. Das war ein tolles Erlebnis. Ich bin also sehr optimistisch.

Seit mehr als 40 Jahren ein Paar: Bernhard Brink und seine Frau Ute. Die beiden leben in Berlin.

Jens Kalaene/dpa

Wie feiern Sie persönlich Weihnachten?

Früher war Futtern bei Muttern angesagt, in Nordhorn. Die ist aber schon seit einigen Jahren tot. Meine Schwester und deren Kindeskinder sind zwar noch da, aber da fahre ich inzwischen eher mal so hin, das muss jetzt nicht mehr an Weihnachten sein. Um der dunklen Jahreszeit zu entgehen, fliegen wir in die Sonne. Und dann geht es am 19. Januar schon wieder los mit einer Tournee.

Show: „Bunter Weihnachtsteller mit Stargast Bernhard Brink“, 14.–17.12., 15 Uhr, sowie 15./16.12., 19.30 Uhr, Uckermärkische Bühnen, Berliner Str. 46/48, Schwedt, Kartentel. 03332 538111,

www.theater-schwedt.de;

CD-Tipp: „Frohe Weihnachten mit Bernhard Brink“ (Telamo/Warner)

Coverversionen brachten den Durchbruch

Bernhard Brink wurde 1952 im niedersächsischen Nordhorn geboren und wuchs dort auch auf. Ein Studium der Rechtswissenschaften in West-Berlin schloss er nicht ab, da sich bereits ab den frühen 1970er-Jahren sein Durchbruch als Schlagersänger abzuzeichnen begann. Frühe Hits hatte er mit deutschsprachigen Versionen internationaler Erfolgstitel, zum Beispiel das traditionelle spanische Gitarren-Instrumentalstück „Romance Anónimo“ als Gesangsnummer mit dem Titel „Liebe auf Zeit“, oder auch „She`s In Love With You“ Von Suzi Quatro als „Ich wär` so gern wie du“.

Nach einigen schwierigeren Jahren in Folge der „Neuen deutschen Welle“ zu Beginn der 1980er-Jahre, als die älteren Schlagerstars nicht mehr ganz so gefragt waren, konnte Brink mit neuen Hits ein Comeback feiern. Zu seinen späteren Hits zählt „Ich hab dir nie den Himmel versprochen“. Daneben war er in seiner zweiten Karrierehälfte auch als Moderator in Radio und Fernsehen erfolgreich. Viele Jahre lang moderierte er beispielsweise die Sendung „Die Schlager des Jahres“, bis Florian Silbereisen ihn 2016 ablöste.