Schloss Criewen
: Die Geschichte eines Herrenhauses im Nationalpark Unteres Odertal

Schloss Criewen: Das beliebte Ausflugsziel im idyllischen Nationalpark Unteres Odertal bei Schwedt wartet mit barocker Architektur, einem Lenné-Park und vielseitiger Nutzung auf.
Von
Oliver Voigt
Schwedt
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Die Südostfassade mit Haupteingang bestimmt das Bild, das Besucher im Schlosspark Criewen zu Beginn ihrer Tour sehen.

Oliver Voigt

Noch in der heutigen Zeit leben Könige in Schlössern. In der Uckermark jedoch nicht. Dennoch kann sich der Landkreis einer hohen Dichte der einstigen Residenzbauten erfreuen. Doch nicht jedes Schloss wird automatisch als solches erkannt. Wann ist ein Schloss überhaupt ein Schloss? Was viele längst wissen: Es kommt nicht auf die Größe an. Laut Wikipedia ist ein Schloss ein Gebäude oder Gebäudekomplex, das bzw. der im Auftrag des Landesherrn oder anderer Mitglieder des Adels errichtet wurde und dem Gebrauch durch Adelige diente, etwa als Residenz.

Es bezieht diese Bezeichnung unabhängig von der Größe oder der künstlerischen Gestaltung seiner Fassade. Damit ist die Irritation, die mit dem Herrenhaus oder Schloss Criewen einhergeht, schon einmal erklärtermaßen aufgelöst. Das Herrenhaus von „Schloss Criewen“ war Teil einer ehemaligen Gutsanlage, die auch einen Wirtschaftshof, den Lenné-Park sowie das Gärtner– und Gerätehaus der Gutsgärtnerei umfasste.

Der am Westflügel angrenzende Rundturm diente als Lesesaal, während nebenan die Bibliothek untergebracht war.

Oliver Voigt

Das Hauptgebäude besteht aus drei Flügeln — einem höheren Mitteltrakt und zwei niedrigeren Seitenflügeln, die sich in gleicher Ausrichtung befinden. Der Mitteltrakt wurde 1746 erbaut und weist eine barocke Grundrisslösung im Inneren auf. Die Keller des Hauses sind mit Tonnengewölben überdeckt. Zu dieser Zeit war das Anwesen im Besitz des Kammergerichtspräsidenten Carl Ludwig von Rebeur.

Neuer Besitzer gibt Neubau in Auftrag

Nachdem 1816 das Gut an die Familie von Arnim übergegangen war, ließ Otto Franz von Arnim–Criewen nur vier Jahre später auf den Grundmauern des Mitteltrakts ein neues Herrenhaus errichten.

Der barocke Mitteltrakt ist ein schlichter, zweistöckiger Putzbau mit einem hohen Mansarddach und sogenannter Fledermausgauben. Ein markantes Merkmal ist der hinausragende Balkon, der auf vier säulenartigen Stützen ruhend zum harmonischen Gesamteindruck beiträgt. Unterhalb des Balkons führt eine Freitreppe mit vier Stufen zum Haupteingang mit einer zweiflügligen Eingangstür. Die Gliederung der Fassaden zur Parkseite ähnelt der zum Innenhof.

Einige kunstvolle Holztäfelungen im Roten Salon im Erdgeschoss blieben erhalten.

Oliver Voigt

Schloss Criewen bekommt einen eigenen Park

Nur zwei Jahre später, im Jahr 1822, erhielt der Landschaftsarchitekt Peter Joseph Lenné den Auftrag, den Criewener Landschaftspark anzulegen. Im Park befinden sich sowohl das Schloss als auch die heute verputzte Feldsteinkirche aus dem 13. Jh., die sich damals nicht an dieser Stelle, sondern noch mitten im Dorf befand. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Herrenhaus durch die Hinzufügung der beiden Seitenflügel unter Bernd von Arnim–Criewen erweitert.

Der von Lenné angelegte Schlosspark lädt zum Spazieren und Verweilen, ein Rundkurs führt zur Kirche.

Oliver Voigt

Das traurige Schicksal anderer historischer Residenzbauten, im Zweiten Weltkrieg zerbombt zu werden, blieb dem Schloss Criewen erspart. Zum Kriegsende zerstört eine zwischen den Säulen am Portal einschlagende Granate zwar das wertvolle Familienporzellan, die in den Kellerräumen einquartierten deutschen Soldaten und ein ebenfalls dort eingerichtetes provisorisches Lazarett blieben verschont.

Berufsschule mit Internat zu DDR–Zeiten

Nach 1945 wurde die Gutsanlage im Rahmen der Bodenreform enteignet und das Land unter Klein– und Neubauern aufgeteilt. Ein Volkseigenes Gut entstand. Von 1945 bis 1949 war das Schloss von Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten bewohnt. Danach diente es bis 1975 als Berufsschule mit Internat und Verwaltung für das Volkseigene Gut. Während dieser Zeit wurden die Fassaden der „Ausbildungsstätte für sozialistische Landwirtschaft“ mit einfachem Putz versehen.

Von 1997 bis 2002 wurde das Herrenhaus sowie andere Teile der Gutsanlage umgebaut und saniert. Heute dient der Mitteltrakt als Haupthaus dem Verein „Freunde des deutsch–polnischen Europa–Nationalparks Unteres Odertal e.V.“, der Nationalparkstiftung Unteres Odertal und der Brandenburgischen Akademie „Schloss Criewen“ als Sitz gleichberechtigter Partner.

Der Grüne Salon eignet sich als Tagungsraum oder als Festsaal.

Oliver Voigt

Heute sind das Schloss Criewen und die umgebende Parkanlage ein beliebtes Ausflugsziel. In einer traumhaft ruhigen Lage direkt im Nationalpark Unteres Odertal dient es als Startpunkt zahlreicher Exkursionen. Es wird aber auch häufig als Ort für standesamtliche Trauungen genutzt. Der einstige Festsaal fungiert regelmäßig als Trausaal und bietet Platz für 70 Gäste, und nach Absprache können auch die Räumlichkeiten des Schlosses für die anschließende Feiern genutzt werden. Die historischen Säle des Schlosses werden zudem für Veranstaltungen und Konferenzen genutzt.

Der Festsaal im Obergeschoss des einstigen Herrenhauses wird heute regelmäßig für Trauungen genutzt.

Oliver Voigt
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