Strukturveränderung
: Kirchenfusion in Angermünde

Immer weniger Christen, immer weniger Pastoren: Rund um Angermünde entsteht gerade ein Groß-Pfarrsprengel.
Von
Oliver Schwers
Angermünde
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  • Zentrale Kirchenstelle: Von Angermünde aus starten künftig die Landpfarrer in 20 umliegende Orte. Die Strukturveränderungen innerhalb der evangelischen Kirche sind gerade beschlossen worden.

    Zentrale Kirchenstelle: Von Angermünde aus starten künftig die Landpfarrer in 20 umliegende Orte. Die Strukturveränderungen innerhalb der evangelischen Kirche sind gerade beschlossen worden.

    Oliver Voigt
  • Kirchen-Spendenaktion: Ehrenamt, Vereine und Ruheständler werden tragende Säulen der Kirchenarbeit.

    Kirchen-Spendenaktion: Ehrenamt, Vereine und Ruheständler werden tragende Säulen der Kirchenarbeit.

    Oliver Schwers
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Es geschieht fast zeitgleich: Die katholische Kirche hat gerade eine Groß-Pfarrei Uckermark gegründet, die weit über den eigentlichen Landkreis hinausreicht. Und in der evangelischen Kirche folgen ebenfalls Strukturveränderungen. Mit dem Neujahrsmorgen ist ein Großpfarrsprengel Angermünde entstanden. Der umfasst das Stadtgebiet und weitere 20 umliegende Dörfer. So etwas hat es vermutlich seit der Reformation nicht gegeben. Das neue Gebilde ist das Ergebnis eines monatelangen – wenn nicht gar jahrelangen – Diskussionsprozesses, getrieben vom Mitgliederschwund, von wachsenden Aufgaben und einem Pfarrermangel.

Der neue Pfarrsprengel umfasst die weiterhin selbstständig bleibenden Kirchengemeinden Angermünde, Greiffenberg, Crussow, Schönermark und Biesenbrow. Da gibt es einige Besonderheiten: Biesenbrow hat sich entschlossen, keine Fusion mit anderen Dörfern einzugehen und bleibt ganz allein. Schönermark besteht aus den Orten Mürow, Grünow, Frauenhagen, Welsow und Schönermark. Zu Greiffenberg gehören die bislang schon fusionierten umliegenden Orte.

Ende der Pfarrstelle

Der bisher eigenständige Bereich von Pfarrer Michael Heise in Schönermark ist damit aufgelöst. Die Passower Kirchenglieder haben entschieden, sich künftig in Richtung Schwedt zu orientieren. Damit wird auch die dortige Struktur größer. Pfarrer Heise betreut bis zum voraussichtlichen Ruhestand 2021 seine Gemeinden weiter und wird dann vielleicht auch in Angermünde helfend einspringen.

Aktuell umfasst der Pfarrsprengel Angermünde 2051 Christen. Im Frühjahr will die evangelische Kirche eine Pfarrstelle neu ausschreiben, im Sommer die zweite. Vakanzverwalter Uwe Eisentraut, der nach dem Weggang des Greiffenberger Pfarrers Justus Werdin die Geschäfte in der Region übernommen hat, sieht nach Besetzung der zweiten Stelle seine Aufgabe vor Ort als beendet an. Er will sich auch „höchstwahrscheinlich“ nicht auf einen der Posten bewerben — aus Altersgründen. Eisentraut ist 61 und möchte jüngeren Nachfolgern den Weg ebnen.

Sitz der künftigen Pastoren wird in Angermünde sein. „Geografisch ist dies am günstigsten“, sagt Eisentraut. In den nächsten Tagen und Wochen sollen die Verwaltungen aus den Dörfern samt Kirchenbüchern überführt werden. Damit nimmt die Stadt ähnlich wie im weltlichen Bereich eine zentrale Stellung ein.

Für die Gemeindekirchenräte ist eine neue Geschäftsordnung erarbeitet worden. Die regelt zum Beispiel die Zahl von Veranstaltungen. Angestrebt ist ein Gottesdienst pro Monat und Bereich. „Ein Pfarrer kann die vielen Aufgaben nicht mehr leisten“, sagt der Vakanzverwalter. „Wir haben Dörfer, in denen die Kirchenarbeit funktioniert, und andere, wo nichts ist. Deshalb müssen die dezentralen Aktivitäten vor Ort gestärkt werden. Dagegen läuft solche kirchliche Arbeit wie Christenlehre, Chor, Junge Gemeinde oder Konfirmandenunterricht in größeren Gruppen viel besser.“ Und auch für die Gewinnung von Jungpfarrern eigne sich die jetzige Struktur.

Skepsis an der Basis bleibt

Allerdings bleibt Skepsis. Nicht überall treffen die Veränderungen auf Zustimmung. Vor allem für die Christen rund um Schönermark sind die neuen Strukturen einschneidend. Es sei vor allem die Angst der Dörfer, hinten runter zu fallen, meint Uwe Eisen-­traut. Das kommunale Beispiel schrecke ab. Die Entwicklung, dass Stadtpfarrstellen künftig das flache Land mitversorgen sollen, sei nicht gut, „aber leider notwendig, um die Personalkosten für die auch immer weniger werdenden Hauptamtlichen noch aufbringen zu können“, schreibt Michael Heise in seiner Andacht im gerade erschienenen neuen Gemeindebrief. Ehrenamtliches Engagement und Ruheständler würden nun zu einer tragenden Säule. „Zurückzuschauen auf alte Zeiten hilft jedenfalls auch nicht weiter“, so Pfarrer Heise.

Noch eine Veränderung steht an: Auch die Stelle des Angermünder Kantors wird in diesem Jahr neu ausgeschrieben. Rainer Rafalsky geht in den Ruhestand und verlässt die Uckermark. „Wenn Gott unsere Kirche kräftig durchschüttelt, wird es seinen Sinn haben“, schreibt Pfarrer Heise. „Wo es abwärts gegangen ist, geht es nach Gottes Hilfe auch wieder aufwärts.“