Tourismus
: Urlaub unterm Regen- statt Sonnenschirm

In uckermärkischen Reisebüros hoffen gestrandete Urlauber auf Hilfe. Für die Saison 2020 gibt es dennoch schon viele Buchungs-Anfragen.
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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Expertin für Urlaub: Susanne Wolff vom TUI-Reisebüro Zwerg in Angermünde hat gerade druckfrische neue Kataloge von Thomas Cook erhalten. Die kommen nun ins Altpapier.

Daniela Windolff

Eigentlich würde sie jetzt unter dem Sonnenschirm in Kroatien liegen. Statt dessen spaziert sie unterm Regenschirm durch graues deutsches Herbstwetter. Brigitte Kempe aus Angermünde ist eine von über 240 000 Betroffenen der Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook. Ihre gebuchte Reise wurde wenige Tage vor dem Abflug abgesagt. Bei Susanne Wolff im TUI-Reisebüro Zwerg sucht sie Rat. „Zum Glück wollte ich nur alleine fliegen. So sind jetzt nur 800 Euro futsch“, sagt Brigitte Kempe. Reiseexpertin Susanne Wolff hat dramatischere Fälle: „Wir haben Familien, die mehrere Tausend Euro bezahlten, dafür drei Jahre sparen mussten und jetzt in den Ferien zu Hause sitzen.“ Ägypten, Mallorca, Türkei waren die häufigsten Ziele. „Es tut mir wirklich leid und ich kann auch die Wut und Trauer verstehen. Doch wir sind von der Insolvenz auch völlig überrascht worden und bekommen keinerlei Informationen, die Telefonleitungen sind gekappt.“

Knallharter Wettbewerb

Trotzdem versucht sie betroffenen Kunden zu helfen, sie zu beraten und beim Geltendmachen von Rückforderungen und Versicherungsleistungen zu unterstützen. Doch angesichts des großen Umfangs der Summen und der Zahl der Gläubiger könne das Monate dauern. Den verpfuschten Urlaubstraum kann den Betroffenen ohnehin niemand erstatten.

Wird Reisen zunehmend zum Risiko? Susanne Wolff beobachtet mit Sorge den knallharten Verdrängungswettbewerb am Markt. Nach den Pleiten der Fluglinien Air Berlin und Germania erlebt sie nun zum ersten Mal, dass mit Thomas Cook einer der großen Reiseveranstalter in die Knie geht und mit ihm auch Neckermann-Reisen und Öger-Tours. Alle drei haben in dieser Woche nun auch sämtliche Reisen bis zum Jahresende abgesagt.

„Für die Tourismus-Branche ist das ein herber Imageverlust“, meint Susanne Wolff. Der Preisdruck und  die Konkurrenz der Online-Portale, dazu immer wieder Krisen und Gefahren in beliebten Reisegebieten, verändern den Markt, von dem auch die Reisebüros mit ihren Geschäftsstellen vor Ort betroffen sind.

Auch Gudrun Kirchner, die seit 25 Jahren ein Reisebüro in Schwedt betreibt, hat in diesen Tagen alle Hände voll zu tun, um vor allem ihren im Ausland gestrandeten Thomas-Cook-Urlaubern zu helfen. „Ich habe sofort versucht, mit ihnen Kontakt aufzunehmen und zu halten, sie zu beraten und mit dem Veranstalter und den Hotels zu vermitteln, damit die Kunden nicht doppelt bezahlen müssen oder rausgeworfen werden“, erzählt Gudrun Kirchner. Ein Service, den Betroffene trotz des Ärgers plötzlich besonders zu schätzen wissen, hat Gudrun Kirchner erfahren. „Im Reisebüro kümmert sich jemand persönlich, auch wenn wir nur Dienstleister sind und momentan auch keinerlei Informationen und Möglichkeiten haben.“

Trotz der aktuellen Turbulenzen gibt es für die neue Saison 2020 schon erste Buchungsanfragen. „Die Kunden sind zögerlicher, fragen mehr, und das Buchungsverhalten wird sich bei Eigenanreisen verändern, weil die durch das neue Pauschalreiserecht noch unsicherer sind“, so Gudrun Kirchner.

Das bestätigt auch Dirk Köhler vom Angermünder Reisebüro am Markt. Persönliche Beratung und Erfahrungen am Markt schätzen auch seine Stammkunden. „Beliebt sind wieder Türkei und Griechenland, nach wie vor Spanien und Kreuzfahrten, weil Flugreisen zunehmend unkalkulierbarer werden“, sagt Dirk Köhler.

Auf eine Schiffsreise auf der Elbe wollte auch Brigitte Kempe nach dem verpatzten Kroatienurlaub umsatteln. Doch die wurde nun ebenfalls abgesagt: Wegen Niedrigwasser! Wenigstens bekommt sie hier ihr Geld zurück. Nun fährt sie mit dem Zug nach Prag.