Uckermark
: Biber im Nationalpark Unteres Odertal fällen hundertjährige Bäume

Biber stehen unter Naturschutz. Im Nationalpark Unteres Odertal fällen sie jedoch dicke Bäume.
Von
Eva-Martina Weyer
Schwedt
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Schaden direkt vor der Nase der Nationalparkverwaltung: Frischer Biberfraß an einem Baum am Ufer der Hohensaaten-Friedrichsthaler- Wasserstraße in Criewen. Dieser Baum im Naturpark Unteres Odertal ist rettungslos verloren. Aber Biber stehen unter Schutz.

Oliver Voigt

Mehrere hundert Tiere

Doch Dirk Treichel versucht zu vermitteln: „Wenn die Leute sagen, so ein schöner Baum und was für ein großer Schaden, dann sage ich: Aus naturschutzfachlicher Sicht gibt es im Nationalpark keine Schäden. Es ist Ausdruck der Ziele des Nationalparks, die naturdynamischen Prozesse zuzulassen.“

In den 1990er-Jahren war ein Biber im Nationalpark noch die absolute Sensation. Jetzt fällt er sogar altehrwürdige Bäume im Lennépark Criewen, quasi direkt vor dem Bürofenster von Dirk Treichel. Längst haben sich im unteren Odertal zwei Biberarten angesiedelt – der Elbe-Biber und der Woronesch-Biber. Die Population wird auf mehrere hundert Tiere geschätzt.

„Wo Wasser ist, das sich in irgendeiner Weise vom Biber nutzen lässt, ist er auch da“, erklärt Dirk Treichel. „Er lebt vom Hohensaatener Trockenpolder bis hoch nach Staffelde. Im Gartzer Schrey staut der Biber Bachläufe auf. Ganze Familienverbände sind dort aktiv.“ Inzwischen ist der Nationalpark zu 100 Prozent von Bibern besiedelt.

Er scheint sich wohl zu fühlen und hat deshalb viel Nachwuchs. Doch die Biber wandern auch aus und erschließen sich Gebiete außerhalb des Nationalparks. Da sind Konflikte vorprogrammiert. Der Nager schafft es spielend, Maisfelder unter Wasser zu setzen und Obstgärten zu vernichten. Im Gartzer Raum kann man davon ein Liedchen singen, aber dazu ist Betroffenen nicht zumute. Sogar der Oder-Neiße-Radweg im Gartzer Schrey, ein touristisches Aushängeschild für den Nationalpark, ist betroffen. Biber haben den Radweg durch ihre landschaftsgestaltende Kraft schon oft überflutet. Dirk Treichel sagt: „Wir haben einen Überlauf gebaut, der das Überfluten des Weges künftig verhindern soll.“

Was ist mit Schäden an den Deichen? „Da wird dann tatsächlich die Schwelle des Erträglichen überschritten. Hochwasserschutz ist ein übergeordnetes Ziel. Wir reden dann wirklich vom Schaden am Deich.“

Immer wieder gibt es Schäden an Einrichtungen des Wasser- und Bodenverbandes Welse. Die Tiere zerstören Böschungen und Durchlässe. „Es ist schwierig, gegen den Biber vorzugehen. In Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde führen wir Vergrämungsmaßnahmen durch“, sagt Verbandsgeschäftsführerin Christina Schmidt. „Aber wenn der Biber geschützt ist, dann gehört er zur naturnahen Entwicklung von Gewässern dazu.“

Ökosystem Flussaue

Aus Sicht der Schwedter Stadtverwaltung halten sich die Schäden durch Biber in Grenzen. Er lege immer mal wieder Bäume um – an der Karl-Teichmann-Straße und in Vierraden an der Welse. Abhilfe versucht die Stadt bereits bei der Baumpflanzung zu schaffen mit „stabilen Einhau-sungen“, wie Carola Duckert von der Stadt- und Ortsteilpflege sagt. „Wenn es nicht schlimmer wird, können wir mit dem Biber leben.“

Schwedt schmückt sich gern mit dem Titel „Nationalparkstadt“. Dirk Treichel erläutert: „In einem Auennationalpark, wo das Wasser ein Hauptmerkmal ist, hat der Biber eine große Bedeutung. Er ist ein Baustein im Ökosystem Flussaue.“ Treichel wirbt dafür, Vertrauen in die Naturentwicklung zu haben. Geduldig zu sein, sei Aufgabe von Nationalparks überhaupt. In Deutschland machen sie 1,8 Prozent der Landfläche aus.

Was hilft wirklich gegen den Biber?

Gegen den Biber kursieren diverse Tipps zu Schutzmaßnahmen. Baumstämme mit einer Drahtmanschette zu ummanteln ist zwar erlaubt, aber aus Sicht von Dirk Treichel nicht Bibersicher.

Treichels Tipp, den er und seine Kollegen schon erfolgreich im Lennépark Criewen angewandt haben: Bäume mit durchsichtiger Latexfarbe bestreichen, die mit Grobkies vermischt wird. Eine Höhe von 1,30 Metern sollte ausreichen. "Das klebt beim Biber wie Sand zwischen den Zähnen", sagt Dirk Treichel.

Weitere Methoden: Spezielle Matten. Problembiber fangen und umsiedeln. Erst, wenn es keine andere Lösung gibt, werden sie getötet.

Für Beratung und Biberschutz zuständig ist die Naturschutzstation Zippelsförde bei Neuruppin. Sie macht die Bestandserfassung für vom Aussterben bedrohte Arten, darunter Biber und Fischotter. Tel. 033933 70816.          emw