Verbraucher
: Strompreise ziehen deutlich an

Die Stadtwerke Schwedt erhöhen ab 1. Januar die Strompreise um rund sieben Prozent.
Von
Michael Dietrich
Schwedt
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Stromkunden müssen mit Preiserhöhungen rechnen

Kai Remmers/dpa

Eine Kilowattstunde vom Energieversorger Stadtwerke kostet ab 1. Januar 2020 nicht mehr 28 sondern 30 Cent. Auch der monatliche Grundpreis steigt um einen halben Euro auf 7,96 Euro. Für eine Mietwohnung mit Durchschnittsverbrauch von 1500 Kilowattstunden heißt das Mehrkosten von 35 Euro, für ein Eigenheim mit im Schnitt 2500 Kilowattstunden Verbrauch im Jahr fallen 57 Euro mehr an. Die Preise steigen damit um rund sieben Prozent.

So starke Preissteigerungen ist der Schwedter gar nicht mehr gewohnt. 2018 senkten die Stadtwerke nach günstigen Einkäufen sogar ihre Preise. 2019 fiel die Preiserhöhung dann mit ein bis zwei Prozent noch relativ moderat aus. Die Preissteigerung zum nächsten Jahreswechsel flatterte den 18 600 Stromkunden der Stadtwerke am Wochenende ins Haus. Der Energieversorger ist verpflichtet, Preisänderungen sechs Wochen vorher bekanntzugeben.

Preishoch an der Strombörse

Die Stadtwerke begründen den deutlichen Anstieg ihrer Preise mit drei Argumenten. Erstens müssen die Stadtwerke wie alle anderen Stromanbieter seit einiger Zeit deutlich mehr für den Einkauf von Strom bezahlen. Die Preise an der Strombörse hätten sich in den vergangenen Jahren im Durchschnitt um die Hälfte erhöht.

Zweitens erhöhen sich die staatlichen Umlagen, die ebenfalls alle Stromanbieter zu zahlen haben, im kommenden Jahr um mehr als fünf Prozent. Insbesondere nennen die Stadtwerke hierbei die Abgabe für den Ausbau der Erneuerbaren Energien, kurz: EEG–Umlage.

Zusätzlich drücke der vom Gesetzgeber vorgegebene Einbau von digitalen Stromzählern in allen Haushalten auf die Kosten für die Verbraucher. Flächendeckend müssen alle alten Stromzähler mit der rotierenden Scheibe bis zu einem bestimmten Stichtag durch intelligente Messtechnik ersetzt werden, die digital misst und die Daten auch für eine bestimmte Zeit speichern kann. Speziell die höheren Kosten für die Zähler führen dazu, dass die Stadtwerke erstmals nach Jahren auch den für Zählerkosten erhobenen Grundpreis anheben.

Mit der kompletten Umstellung auf grünen Strom seit 2019 habe der Preisanstieg nichts zu tun, so die Stadtwerke.

Geschäftsführer Dirk Sasson erklärte, die Stadtwerke seien gezwungen, die Preise zu erhöhen, um auch in den kommenden Jahren kostendeckend arbeiten zu können. „Mit unseren Förderprogrammen möchten wir unsere Kunden dabei unterstützen, möglichst energieeffizient zu bauen und zu leben. So fördern wir beispielsweise den Kauf sparsamer Haushaltsgeräte oder die Installation von Photovoltaikanlagen für den Eigenverbrauch. So können wir gemeinsam den Schwankungen auf dem Energiemarkt begegnen“, so Dirk Sasson.

Verbraucherschützer monieren seit langem, dass die hohen Netzentgelte für den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Brandenburg die Endverbraucher zusätzlich belasten. Brandenburger zahlen im Vergleich zu einigen westdeutschen Ländern etwa doppelt so viel. Eine Familie mit Eigenheim und 3.500 Kilowatt Stromverbrauch zahlt in Nord–Brandenburg mehr als 400 Euro Netzentgelt, in Bremen dagegen nur 196 Euro. Das ändert der Bund nach einer Initiative von Brandenburg im Bundesrat zwar, aber erst 2023.