Wahl in Angermünde 2024: Eine Stimme für die Dörfer in der Stadt ‒ wer hinter der LBG steckt

Dorfmitte von Altkünkendorf mit Kirche und Inforpunkt ‒ einer der 23 Ortsteile von Angermünde. Die Ländliche Bürgergemeinschaft will sich besonders für die Dörfer der Stadt einsetzen.
Daniela WindolffDie Ortsteile wollen nicht mehr nur ein Anhängsel der Stadt Angermünde sein. Selbstbewusst treten sie ins Rampenlicht und machen aktiv Politik für den ländlichen Raum rund um die Stadt. Zur Kommunalwahl 2024 stellt sich erneut die Ländliche Bürgergemeinschaft LBG als freie Wählergruppe auf und will wieder in die Stadtverordnetenversammlung Angermünde und in Ortsbeiräte in den Ortsteilen einziehen.
Seit 2003 ist die damals gegründete LBG die Stimme der Dörfer, um die Interessen der einst eigenständigen Gemeinden in der Stadt zu vertreten, die mit der Gemeindegebietsreform ihre Selbstverwaltung aufgeben mussten. Inzwischen hat sich die LBG verjüngt und stellt sich mit neuen Gesichtern zur Kommunalwahl am 9. Juni 2024 auf.
Neues Bauland und mehr Personal in Kitas
Neben Dieter Grenz, Musiker und Mitbegründer der LBG und von Anfang an Stadtverordneter in Angermünde, kandidieren nun Uwe Horlitz, Selbstständiger aus Crussow, Martin Boenke, Kraftfahrer und Ortsvorsteher aus Wilmersdorf, Petra Hellner, Verwaltungsmitarbeiterin und Ortsvorsteherin in Frauenhagen, Adrian Wenzel, Lagerist aus Schmiedeberg, Jörg Zippel, Unternehmer aus Frauenhagen, Thomas Lausch, Bauleiter aus Kerkow, Christian Schartow, Landwirt aus Biesenbrow, sowie Nico Mercier, Lehrer aus Schmargendorf.
Wofür wollen sie eintreten? Ihrem Kernanliegen bleibt die LBG treu: „Wir wollen das räumliche Zusammenwachsen des ländlichen Raumes mit der Kernstadt fördern und ein stärkeres Gefühl der Verbundenheit der Bürger für Stadt und Land schaffen.“
Durch die Schaffung von zusätzlichem Bauland, gute Kinderbetreuung, zum Beispiel durch personelle Aufstockung in den kommunalen Kitas, die die Stadt fast ausschließlich in Ortsteilen betreibt, zukunftsorientierte Bildungspolitik, eine sichere, wohnortnahe ärztliche Versorgung, bessere Mobilität durch den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs und des Radwegenetzes zwischen Ortsteilen und Kernstadt sollen die Ortsteile für die Einwohner sowie für Rückkehrer und Zuzug vor allem junger Familien attraktiver werden.
Sowohl beim Integrierten Stadtkonzept INSEK als auch beim Radwegekonzept haben sich vor allem die Ortsbeiräte und Bürger aus den Ortsteilen stark engagiert und Vorschläge und Wünsche eingebracht.
Sichere Radwege zwischen Stadt und Land
Auch die Sicherheit steht im Fokus. So will sich die LBG für mehr Präsenz der Polizei auch im ländlichen Raum und für Verkehrsberuhigung von Dorfkernen und Ortsdurchfahrten einsetzen.
Wichtig ist der LBG außerdem die Mitsprache in der Stadtverordnetenversammlung bei der Festsetzung von Steuern und Gebühren, wo sie für die Interessen der Bürger im ländlichen Raum eintreten will, gerade im Hinblick auf die neue Grundstückssteuer. Wohnen auf dem Land muss bezahlbar bleiben.
Weiterhin setzt sich die Ländliche Bürgergemeinschaft „für ausreichende Verfügungsmittel für die Ortsbeiräte, Haushaltstransparenz und auch Transparenz der Entscheidungen der Verwaltung gegenüber den Bürgern ein“, heißt es im Wahlprogramm, mit dem die Wählergemeinschaft nun in die Öffentlichkeit geht.
Förderung von Feuerwehr und Sport
In der Stadtverordnetenversammlung hatte die LBG bereits eine Erhöhung der Verfügungsmittel von 12 auf 15 Euro pro Einwohner erkämpft. Daraus werden nicht nur Dorffeste und Vereine unterstützt, sondern vor allem Investitionen in dörfliche Infrastruktur finanziert, wie Spielplätze, Begegnungsorte oder Buswartehäuschen. Damit die Angermünder Ortsteile nicht zu „Schlafdörfern“ werden, in denen tagsüber allenfalls nur noch die Alten übrigbleiben, setzt sich die LBG für die Förderung von Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe im ländlichen Raum ein. „Sie sind Bestandteil und Rückgrat unserer ländlichen Kulturlandschaft und bestimmen das tägliche Leben auf dem Lande“, so die LBG.
Deshalb solle auch das Ehrenamt weiter gestärkt werden, das den sozialen Zusammenhalt und das gesellschaftliche Leben in den Ortsteilen bestimmt. Dazu gehört die Unterstützung und Wertschätzung der freiwilligen Feuerwehren ebenso, wie der Vereine, vom Dorf- bis zum Sportverein. Seniorenbetreuung und Freizeitangebote für alle Generationen müssen in den Ortsteilen weiter ausgebaut werden. Dafür müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die das ehrenamtliche Engagement vor Ort unterstützt.
Nein zum weiteren Ausbau von Windenergie
Kritisch steht die LBG dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energie im ländlichen Raum um Angermünde gegenüber. Die Hauptlast tragen bisher die Dörfer, in deren Umfeld immer mehr und immer größere Wind- und Solarparks entstehen.
Die LBG sei für den „moderaten Ausbau alternativer Energiequellen im Einklang von Mensch und Natur“, heißt es im Wahlprogramm. Das allerdings auch Grenzen fordert. „Die Uckermark und vor allem der Angermünder Raum hat seinen Beitrag bzgl. der Errichtung erneuerbarer Energien geleistet. Nunmehr muss eine gerechtere Verteilung zur Schaffung von Flächen für erneuerbarer Energie gefunden werden.“ Deshalb sagt die Ländliche Bürgergemeinschaft klar Nein zu weiteren Windrädern in den Ortsteilen.



