Weltglückstag bei Angermünder Paar: „Flitterwochen feiern wir später“

Seit 50 Jahren gemeinsam glücklich: Irmgard und Klaus-Dieter Galow feiern heute am Welttag des Glücks goldene Hochzeit. Ein Album voll gemeinsamer Erinnerungen liegt vor ihnen aufgeschlagen.
Daniela Windolff„Alle dachten, wir wären Geschwister, weil wir so jung und unzertrennlich waren“, erinnert sich Klaus-Dieter Galow. So begann im Frühling 1966 eine Liebesromanze, die bis heute fortdauert. Irmgard und Klaus-Dieter Galow feiern heute ihre Goldene Hochzeit. Dass es ausgerechnet der Welttag des Glücks ist, den die UN-Hauptversammlung hatte, lässt die beiden nur schmunzeln. „Wir haben 365 Tage im Jahr Glückstag, seit 50 Jahren!“
Dabei bedrohte eine schwere Krankheit vor vier Jahren ihre gemeinsame Zukunft. Bei Irmgard wurde 2016 Darmkrebs diagnostiziert. Ängste, Sorgen, schlaflose Nächte, Operationen, quälende Chemo .... Fast glaubten sie nicht mehr, dass sie ihre Goldene Hochzeit noch erleben dürfen.
Doch sie haben es gemeinsam überstanden und den Krebs und die Angst besiegt. „Nicht aufgeben, das ist das Geheimnis unserer Liebe“, sagt Klaus-Dieter Galow bestimmt. „Aneinander glauben und sich vertrauen“, ergänzt Irmgard ganz selbstverständlich. Klingt so einfach. „Ist es auch!“, sind beide überzeugt, „wenn man sich immer anvertraut und über alle Probleme offen spricht. Dann übersteht die Liebe auch mal ein Gewitter. Einer war immer für den anderen da.“ Ihr erstes gemeinsames Zuhause war ein Zimmer zur Untermiete in Angermünde. Am 20. März 1970 heirateten sie, gerade mal 19 Jahre alt. Die Trauung musste spontan improvisiert im Pfarrhaus stattfinden, weil man vergessen hatte, die Marienkirche aufzuschließen.
Die Flitterwochen fielen aus, weil Klaus-Dieter zur Armee eingezogen wurde. Nach ein paar persönlichen Vorsprachen bei der Wohnungsvergabe erhielt das junge Paar 1971 endlich eine eigene Wohnung, zwei Zimmer, Hinterhof, Außenklo. Als Eisenbahner und Fahrdienstleiter trat er in die Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft der Reichsbahn ein, leistete viele Aufbaustunden und konnte 1981 mit seiner kleinen Familie, die 1974 mit einem Sohn komplett wurde, endlich die fernbeheizte Neubauwohnung in der Gustav-Bruhn-Straße beziehen.
Spaziergänge händchenhaltend
Nach Qualifizierungen und Fernstudium zum Diplom-Betriebswirt übernahm er schließlich am 1. Mai 1981 die Geschäftsführung der AWG Reichsbahn und arbeitete auch nach der Wende bis zur Pensionierung 2016 im Vorstand als Vorstandsvorsitzender der nunmehrigen Wohnungsgenossenschaft Uckermark weiter. Ehefrau Irmgard arbeitete viele Jahre als Köchin im Haus Uckermark und nach der Wende in der Altenpflege der Volkssolidarität.
„Unser Leben war immer sehr ausgefüllt durch Arbeit, Familie und 1997 auch den arbeitsreichen Hausumbau eines alten, ziemlich runtergekommenen Eigenheims in der Pestalozzistraße – trotzdem haben wir uns Zeit zu zweit genommen, fahren gemeinsam in Urlaub und gehen immer noch händchenhaltend spazieren“, sagt Irmgard Galow und blickt ihren Mann zärtlich an. „Wir haben uns gesucht und gefunden. Ich habe den besten Mann der Welt!“
Der drückt ihre Hand und meint nur verschmitzt: „Ich kann immer noch nicht von ihr lassen. Das hat sich seit dem Gartenzaun kein bisschen geändert.“
Ihre Goldene Hochzeitsfeier, auf die sich beide so sehr freuten, fällt Corona zum Opfer. Erst sagten reihenweise Gäste ab, inzwischen musste auch das Hotel Weiß zwangsweise die Familienfeier stornieren. Und auch die nachgeholten Flitterwochen im April auf Usedom fallen aus. Irmgard und Klaus-Dieter Galow versuchen es gelassen zu nehmen: „Hauptsache wir haben uns und bleiben gesund. Dann müssen wir eben bis zur Diamantenen Hochzeit durchhalten!“
