Wespen in Schwedt: Wer ist bei Nestern am Haus zuständig?

Ein kleines Wespennest ist unter einem Dachvorsprung zu sehen. Oft sind die Nester spätestens im Herbst von selbst verlassen.
Patrick Pleul/dpa- Wespen- und Hornissennester dürfen nicht selbst entfernt werden; beide stehen unter Schutz.
- Imker Bertram Webert aus Schwedt führt Umsiedlungen durch; hat Fachkundenachweis.
- Insektenschutz gesetzlich verankert; Umsiedlungen nur mit Genehmigung des Landkreises.
- Bei Gefährdung professionelle Hilfe nötig; Feuerwehr kann in Notfällen alarmiert werden.
- Nester oft im Herbst verlassen; Tiere erfüllen wichtige Rolle im Ökosystem.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein Wespennest oder Hornissennest am Haus, auf dem Balkon oder im Garten sorgt bei vielen Menschen für Unbehagen – besonders dann, wenn kleine Kinder, Allergiker oder Haustiere in der Nähe sind. Doch was ist in einem solchen Fall zu tun, und wer ist überhaupt zuständig?
Grundsätzlich gilt: Wespennester und vor allem Hornissennester dürfen nicht einfach selbst entfernt oder zerstört werden. Beide Tiere stehen unter Schutz – Hornissen sogar unter besonderem Artenschutz. Daher ist es wichtig, besonnen zu handeln und die gesetzlichen Vorgaben zu beachten.
Im ersten Schritt empfiehlt es sich, Ruhe zu bewahren und das Verhalten der Tiere zu beobachten, rät Bertram Webert, der in seiner Freizeit als Imker und Naturschutzhelfer in der Uckermark arbeitet. Der Schwedter wurde selbst vor mehr als 20 Jahren durch einen Bienenschwarm in seinem Schornstein auf die Imkerei aufmerksam und widmet sich seither diesem Hobby.
Wespen und Hornissen stellen keine unmittelbare Gefahr dar
Über das Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf erwarb Webert später spezielle Kenntnisse im Umgang mit Wespen, Hornissen und Hummeln. Seit mehr als zehn Jahren besitzt er den Fachkundenachweis, der ihn berechtigt, Umsiedlungen im Auftrag des Landkreises durchzuführen.
„In vielen Fällen gehen von Wespen und Hornissen keine unmittelbaren Gefahren aus, solange sie nicht provoziert werden“, so Webert. Die Insekten sind keine Plage, sondern erfüllen eine wichtige Rolle im Ökosystem: Sie fressen Schädlinge und tragen zur Bestäubung von Pflanzen bei. Oft sind die Nester spätestens im Herbst von selbst verlassen.

Wussten Sie, dass die Hornisse auch eine Wespe ist? Sie gilt als die größte Vertreterin der Art und als friedfertiger als viele ihrer Verwandten.
Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpaDer Schutz aller wildlebenden Insekten ist in Deutschland gesetzlich verankert, was die Arbeit in diesem Bereich herausfordernd macht. „Hornissen genießen den höchsten Schutzstatus, weswegen Umsiedlungen nur mit Genehmigung des Landkreises erfolgen dürfen. Bei Wespen ist die Situation ähnlich, allerdings sind sie weniger streng geschützt“, so Webert. Dennoch gilt: Maßnahmen gegen Wespen sollten nur erfolgen, wenn eine konkrete Gefahr für Menschen besteht.
Wildbienen bauen Nester im Boden
Die Nester bauen die verschiedenen Arten vorzugsweise in Hecken, Büschen oder in unbebauten Flächen, was eine frühzeitige Erkennung erschwert. Besonders im Frühjahr und Frühsommer sind viele Wildbienenarten unterwegs, die oft mit Wespen verwechselt werden, da sie ähnliche Nester im Boden bauen.
Webert betont, wie wichtig es ist, die Tiere richtig zu identifizieren. Viele Menschen glauben, es sei eine Wespe, doch es könnte sich um Wildbienen oder andere Insekten handeln, die keine Gefahr darstellen. Für den Laien ist die Unterscheidung oft schwierig, und falsche Annahmen führen häufig zu unnötigen Eingriffen oder Konflikten.
Wespennest entfernen: Wann professionelle Hilfe notwendig ist
Das Wissen um die jeweiligen Arten, ihr Verhalten und ihre Schutzbedürftigkeit ist daher grundlegend. „Beispielsweise bauen die Mittleren Wespen ballonartige Nester, die in der Natur gut versteckt sind, aber bei unvorsichtiger Heckenarbeit sichtbar werden können.“
Wenn tatsächlich eine Gefährdung besteht – etwa durch ein Nest in unmittelbarer Nähe zum Wohnbereich, in Schulen, Kitas oder wenn Allergiker betroffen sind – sollte professionelle Hilfe hinzugezogen werden. Ansprechpartner in Schwedt und Umgebung ist die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Uckermark, aber auch der Imkerverein Ost-Uckermark e. V. kann schnell vermitteln. Diese Stellen beurteilen, ob eine Umsiedlung oder Entfernung notwendig und zulässig ist. In akuten Notfällen, etwa bei Angriffen oder wenn Menschen unmittelbar bedroht sind, darf auch die Feuerwehr alarmiert werden.
Wespen: Bei Früherkennung ist Umsiedlung eine schonende Alternative
In jedem Fall gilt: Selbst Hand anlegen ist tabu. Fachleute wissen, wie sie mit den Tieren umgehen und können gegebenenfalls eine Genehmigung zur Umsiedlung oder Beseitigung einholen. Denn je nach Fortschritt des Nestbaus kann es auch bereits für eine erfolgreiche Umsiedlung zu spät sein.
Die Umsiedlung erfolgt in der Regel in einem selbstgebauten Kasten mit Einfluglöchern, der, im Wald aufgehängt, zum neuen Zuhause der Hornissen wird. Darin können die Insekten ungestört ihr Nest bauen und ihren Nachwuchs großziehen.
Wer ein Nest entdeckt, sollte Abstand halten, keine hektischen Bewegungen machen und keine Versuche unternehmen, das Nest zu versperren oder zu beschädigen. Mit dem nötigen Respekt und dem richtigen Vorgehen lassen sich gefährliche Situationen meist vermeiden – und die nützlichen Tiere dürfen ihren Platz in der Natur behalten.
Offensichtliche Nester bieten eher die Chance der Früherkennung, weiß Bertram Webert. Doch was, wenn die immer beliebter werdenden Rollladenkästen für den Nestbau auserkoren wurden? „Wir prüfen, wie groß die Population in diesem Fall bereits ist. Lässt sich von einem frühen Stadium ausgehen, können spezielle Bürsten an den Schlitzen angebracht werden, die ein erneutes Eindringen verhindern und die Tiere sich so einen neuen Standort suchen“, so Webert. „In einigen Fällen arrangiert sich auch der Bewohner mit der befristeten Nichtnutzung seiner Rolllade und einem geschlossenen Fenster und ergreift später vorsorgliche Schutzmaßnahmen, die in der Zukunft greifen.“
Bei Hornissen: Ausgrenzung statt Umsiedlung
Bei spät entdeckten Hornissennestern, z. B. in Garagen oder Schuppen, ist auch eine Ausgrenzung möglich. Dafür wird ein spezieller Kasten gebaut, der über das Nest gestülpt wird. Mit einem Schlauchsystem wird das Nest so umgrenzt, dass Hornissen nur noch durch den Schlauch herein und heraus kommen.
Die Häufigkeit von Wespennestern und den damit verbundenen Einsätzen ist durchaus überschaubar, aber dennoch nicht zu unterschätzen. Im Durchschnitt werden Webert etwa zehn Fälle von Wespennestentfernungen oder Beratungen pro Jahr gemeldet. Dabei handelt es sich vor allem um die Spätsommer- und Herbstwespen, wie die gemeine oder deutsche Wespe, die von Juli bis Oktober aktiv sind und durch ihre großen Nester mit oft über 1000 Individuen zunehmend in menschlichen Lebensbereichen auftreten. Hornissen hingegen verursachen häufiger Einsätze – hier liegen die Zahlen deutlich höher, wobei genaue Zahlen variieren.
Niemand sollte sich scheuen, ein entdecktes Nest zu melden. Bertram Webert ist als Ehrenamtler unterwegs und bekommt vom Landkreis lediglich die Fahrkosten erstattet. „Es ist also nicht mit einem beauftragten Schädlingsbekämpfer vergleichbar“, so Webert, der aber bei seinem Besuch gern auf die Möglichkeit einer Spende für den Imkerverein hinweist.


