Wetter in Angermünde
: Später Sommer, früher Winter – Klima und Wetterextreme

Später Sommer, früher Winter. Seit über 100 Jahren werden in der Wetterwarte Angermünde alle Wetterdaten gesammelt, ausgewertet und verglichen, auch für das Klima-Institut Potsdam. Ist der Klimawandel sichtbar?
Von
Michael-Peter Jachmann
Angermünde
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  • Pilzzeit in der Uckermark: Die Pilze kamen 2023 verspätet, weil der September viel zu warm und trocken war. Im nassen Oktober wurden Sammler aber fündig.

    Pilzzeit in der Uckermark: Die Pilze kamen 2023 verspätet, weil der September viel zu warm und trocken war. Im nassen Oktober wurden Sammler aber fündig.

    Michael Peter Jachmann
  • Winter in der Uckermark: Schon Ende November 2023 lag eine dicke Schneedecke.

    Winter in der Uckermark: Schon Ende November 2023 lag eine dicke Schneedecke.

    Michael-Peter Jachmann
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Wann beginnt eigentlich der Winter? Da gibt es viele Antworten: Kalendarisch beginnt er am 22. Dezember, Meteorologen bezeichnen den 1. Dezember als Winteranfang, aus statistischen Gründen. Und dann gibt es den dritten Anfang einer Jahreszeit, nämlich den, den sich die Natur aussucht.

Der Winter 2023 schickte sich in diesem Jahr schon fast einen Monat vor seinem offiziellen Beginn an, die Regentschaft zu übernehmen. In der dritten Novemberdekade wurde es immer kälter, bis dann der 30. November 2023 das volle Winterprogramm lieferte mit Schnee, Dauerfrost und auch viel Sonne.

November 2023 insgesamt zu warm

Lange Zeit wirkte das Novemberwetter 2023 zwar etwas langweilig und war viel zu warm. In den ersten beiden Dekaden lag der Höchstwert an 13 Tagen über 10 Grad Celsius, mit dem Spitzenwert von 13,2 Grad Celsius am 2. November. So ergab sich an den ersten zehn Novembertagen ein Gesamtmittel von 8,9 Grad Celsius. Wäre das endgültig gewesen, hätte die Temperatur von Januar bis November 11,5 Grad Celsius betragen, deutlich über normal. Weil es aber immer wieder regnete, wirkte der November wenig gemütlich.

Früher Wintereinbruch mit Dauerfrost

Doch in der letzten Dekade kündigte sich schon der Winter an. Zum Monatsende hin wurde es richtig winterlich. Ab dem 25. November 2023 wurden die Nächte spürbar frostig bei unter minus drei Grad Celsius. Am Tage überwand das Thermometer nur noch ab und zu knapp die Frostgrenze. Der 30. November 2023 war der erste Eistag seit Januar. Damals gab es überhaupt nur zwei Eistage.

Der 30. November war 2023 der erste Tag des Jahres mit strengem Frost. Der wird erreicht, wenn das Thermometer weniger als minus 10 Grad Celsius anzeigt. Exakt gemessen wurden in Angermünde sogar minus 12,2 Grad. Und dazu schneite es, pünltlich vor dem 1. Advent!

Schnee zum 1. Advent

Eine fünf Zentimeter dicke Neuschneedecke breitete sich aus. Der 30. November allein bot fast mehr Winter, als der Januar und Februar 2023 zusammen. Die Frosttage in der dritten Dekade drückten das Temperatur-Monatsmittel zwar noch, aber am Ende war der November mit 5,3 °C dennoch zu warm im Vergleich zum langjährigen Mittel 1961 bis 1990 (4,1 °C).

Als sich zur dritten Novemberdekade kontinentale Kaltluft in Deutschland ausbreitete, zeigte sich die Sonne an fast allen Tagen. Damit ergab sich am Monatsende auch noch ein Sonnenplus gegenüber dem langjährigen Mittel von 1961 bis 1990 von gut acht Stunden. Die Sonne schien im November 57,9 Stunden statt 49,5.

Ungewöhnlich viel Sonnenschein

Dem sehr regenreichen Oktober 2023 folgte ein ebenfalls reichlich nasser November. Es fielen insgesamt rund zehn Liter mehr als sonst im November laut dem langjährigen Mittel. Der 11. November 2023 trug mit 11,1 Litern je Quadratmeter am meisten zu diesem positiven Ergebnis bei.

Da die Verdunstung zu dieser Jahreszeit recht gering ausfällt, haben Oktober- und der Novemberregen viel Zeit, um tief ins Erdreich vorzudringen. Der Oktober 2023 war der regenreichste Monat mit über 90 Litern je Quadratmeter.

Wettermessung seit 125 Jahren

1899 begann die Regenmessung in Angermünde. Seit 125 Jahren also werden die Menge und die Art der Niederschläge hier erfasst. Bei 125 Monatssummen für den Oktober ragt der 2023er deutlich heraus. Erst drei Mal gab es noch mehr Regen. Nur die Oktober von 1917 mit 93,7 Liter, 2009 mit 95,6 l und 1974 mit 99,5l übertreffen 2023. Vom „Goldenen Oktober“ war in diesem Jahr also nicht die Rede. Und dennoch: Die Zeichen der Klimaerwärmung konnte auch er nicht verbergen. Nach dem langjährigen Mittel von 1961 bis 1990 ist der Oktober eigentlich der trockenste Monat des Jahres mit im Schnitt 33,3 Liter je Quadratmeter.

Regenplus im August und Oktober 2023

Aber 2023 nimmt er – sogar mit deutlichem Vorsprung – die Spitzenreiterposition ein. Es folgen der August 2023 mit 78,6 liter und der März mit 77 Liter. So hat der Oktober auch die Jahressumme kräftig in die Höhe getrieben. Es wird nach den trockenen Jahren zuvor wohl ein normal nasses Jahr, vielleicht sogar mit einem leichten Regenplus.

Der regenreichste Tag 2023 war bisher der 24. Oktober (22,9 Liter je qm), gefolgt vom 6. August (22 Liter).

Auch der Oktober war zu warm

Wenn es soviel regnet, macht sich die Sonne rar. Der Oktober erreichte nur 71 Prozent der durchschnittlichen Sonnenstunden, unterboten nur vom Januar (53 Prozent).

Zwar zeigte sich der Oktober recht trübe und ziemlich regnerisch, doch im Vergleich zum langjährigen Mittel des international üblichen Vergleichszeitraums 1961 bis 1990 übertraf er das normale Temperaturmittel von 9 Grad Celsius recht deutlich. Es gab sogar noch einen Sommertag: Die Angermünder Wetterstation registrierte am 3. Oktober 2023 einen Tageshöchstwert von 25,3 °C. Und es gab nur einen Tag, an dem schon Frost gemessen wurde, in der Nacht vom 17. zum 18. Oktober. Zu kühl war 2023 kein einziger Monat. Ein Zeichen für die Klimaerwärmung.

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