Wölfe in Brandenburg: Wolf tötet Schafe in Herde bei Angermünde – das fordert der Landwirt

Schäfer Jens Kath aus Angermünde muss immer wieder Verluste in seiner Schafherde durch Wölfe hinnehmen. Geld als Entschädigung alleine hilft ihm nicht.
Daniela Windolff- Wölfe töten regelmäßig Schafe in Angermünde, Schäfer Jens Kath ist betroffen.
- Neun Angriffe im Jahr 2024, 25 tote und viele verletzte Schafe.
- Schutzmaßnahmen wie Elektrozäune und Hunde sind ineffektiv.
- Entschädigungen dauern lange, Bürokratie belastet.
- Schäfer fordert praxisnahe Lösungen und bessere Unterstützung durch Behörden.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Blutüberströmt, mit aufgerissenen Bäuchen und heraushängenden Eingeweiden, so fand Schäfer Jens Kath beim morgendlichen Kontrollgang Mutterschafe und Lämmer auf der Weide vor. Einige lebten noch und litten qualvoll. Es sind Spuren eines nächtlichen Wolfsangriffs, der mittlerweile Neunte in diesem Jahr. Dieses Mal schlugen die Raubtiere gleich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zu.
Die Bilanz der Attacken 2024 bisher: 25 tote Schafe, mindestens ein Dutzend schwer verletzte Tiere, die der Schäfer erlösen musste, dazu mindestens ebenso viele verschollene Tiere, die in Panik aus der Umzäunung ausgebrochen waren und in alle Richtungen liefen. Das führte im Frühjahr sogar zu einem Großalarm mit Polizei und Hubschrauber, weil eine ausgebrochene Schafherde auch auf die nahegelegenen Bahngleise in Wilmersdorf sowie in Richtung Autobahn A 11 floh.
Polizeihubschrauber sucht Schafherde in Angermünde
Nicht auszudenken, was da hätte passieren und auch Menschenleben in Gefahr bringen könnte. Auch diese Angst verfolgt Schäfer Jens Kath ständig.
Die genauen Daten der beiden jüngsten Angriffe vom 4. und 5. November 2024 kann Jens Kath noch gar nicht genau beziffern, denn die Suche nach den versprengten Gruppen der Herde dauert, ebenso die Sichtung von verletzten Tieren, wenn sie nicht so offensichtlich und grausam zugerichtet wurden, wie die drei Schafe mit aufgerissenen Bäuchen, die den anderen Tieren sich quälend hinterherhinken.
Schäferei bei Angermünde wird immer wieder von Wölfen heimgesucht
Etwas abseits weisen Heerscharen von Kolkraben den Weg zu einem Kadaver. Hier hatte der Wolf ebenfalls den Bauch aufgerissen und das Tier angefressen. Es war ein Zuchttier. Am Tag zuvor hatten Wölfe drei Lämmer getötet.
Das Bedenkliche sei, dass die Wölfe nicht nur jagen und töten, um zu fressen, sondern in den Herden regelrechte Massaker anrichten, berichtet Jens Kath. Dementsprechend hoch sind jedes Mal die Verluste.
Rund um Steinhöfel bei Angermünde, in der Jens Kath Schäfer in 5. Generation ist und die Lehrschäferei Friedrichsfelde auch als Ausbildungsbetrieb führt, lebt nachweislich ein Rudel, bei dem auch Welpen gesichtet wurden. Wolfsmonitoring, Fotofallen und nicht zuletzt die deutliche Zunahme von Angriffen auf Nutztiere bestätigen eine wachsende Wolfspopulation in dieser Region zwischen Angermünde und Templin.
Immer mehr Wölfe zwischen Angermünde und Schwedt
Schäfer Jens Kath hat dementsprechend aufgerüstet mit Schutzmaßnahmen, wie Elektrozäunen und Herdenschutzhunden. Doch die Wölfe schreckt das offensichtlich immer weniger. Sie überspringen mühelos auch 1,20 Meter hohe Zäune.
Sind sie einmal im Gatter, wo die Herde nicht sofort flüchten kann und in Panik gerät, führt der Jagd- und Beutetrieb zu einem regelrechten Blutrausch und er tötet auch ohne zu fressen. Die Folgen sind für Jens Kath inzwischen verheerend.
„Wenn der Wolf ein, zwei Tiere als Nahrung erbeutet, kann ich das verschmerzen, dann ist das Natur. Doch die vielen gerissenen Tiere, das qualvolle Leid, die Verluste und auch die Gefahren durch ausgebrochene Schafe sind mittlerweile nicht mehr zu ertragen und stellen den Sinn meiner Arbeit und die Nachfolge des Familienbetriebes infrage“, sagt Jens Kath frustriert und wütend.
Angermünde: Schäfer sieht seinen Beruf infrage gestellt
Zwar kann er finanzielle Entschädigung beim Landesamt für Umwelt Brandenburg beantragen, doch abgesehen vom bürokratischen Aufwand und der schleppenden Bearbeitungsdauer bis zu einem Jahr, ist dem Landwirt damit nicht geholfen.
Jeden Wolfsriss muss er über die Risshotline melden, damit ein bestellter Rissgutachter kommt. Beim jüngsten Vorfall ging das relativ schnell, denn der Gutachter war schon am Vortag da und ist mittlerweile ein guter Bekannter von Jens Kath.

Ein Rissgutachter untersucht Nutztiere, die offensichtlich durch Wölfe getötet wurden. Bei Schäfer Jens Kath in Friedrichsfelde bei Angermünde ist er regelmäßig.
Daniela WindolffDer Fachmann begutachtet das Rissbild, um zu beurteilen, ob es wirklich ein Wolf war. Er nimmt eine DNA-Probe, die als Nachweis dienen soll, ob und wo dieselben Wölfe immer wieder Zäune überspringen und bei Nutztieren zuschlagen.
Wölfe finden in Brandenburg genug Nahrung durch Wild
Das tun nicht alle Wölfe, die eigentlich Wild jagen, von dem es in Brandenburg auch reichlich gibt. Viele Wölfe hätten jedoch auch durch die ASP-Zäune gelernt, wie man sie überwindet und sind inzwischen dafür konditioniert. Da sind Nutztiergatter für sie ein bequemer gedeckter Tisch.
In bestimmten Ausnahmefällen könnte ein Antrag auf „Vergrämung“ bzw. „Entnahme“ von einzelnen Wölfen beim Land gestellt werden.
Der Rissgutachter dokumentiert Angaben zum Halter, zum getöteten Tier, überprüft die Mindeststandards der Herdenschutzmaßnahmen, wie Höhe der Zäune und Stromstärke. Sämtliche Daten werden an das LfU übermittelt. Das ist Bedingung, um überhaupt Anrecht auf Entschädigung zu bekommen.
Viele kleine Nutztierhalter geben auf
Für das gerissene Mutterschaf wird Jens Kath vielleicht rund 250 Euro bekommen. Bis das Geld bei ihm ankommt, kann es jedoch Monate dauern. Viele, vor allem kleinere Nutztierhalter verzichten, wenn sie nicht ganz die Tierhaltung aufgeben, angesichts des Aufwandes inzwischen auf Entschädigung, was wiederum die Statistik von Wolfsübergriffen verfälscht. Doch Statistiken traut Jens Kath schon lange nicht mehr.
Die tatsächliche Zahl der Wölfe in Brandenburg und der Uckermark schätzt er um ein Mehrfaches höher, als sie offiziell angegeben wird.
Schäfer bleiben auf hohen Kosten und Arbeitsaufwand sitzen
Nachdem der Gutachter seine Arbeit erledigt hat, beginnt Jens Kath die versprengte Herde zu suchen und zusammenzutreiben, eine mühsame Arbeit, die Stunden, ja Tage dauern kann. Wieder sind Tiere dicht an den Bahngleisen gesichtet worden, andere standen auf einem Acker eines benachbarten Landwirtes oder irrten durchs Dorf. Jens Kath muss schnell und umsichtig handeln, damit seine Tiere keinen Schaden anrichten. Dafür müsste seine private Haftpflichtversicherung aufkommen.

Schäfer Jens Kath aus Friedrichsfelde bei Angermünde sucht seine Herde. Die ist nach einem Wolfsangriff in Panik ausgebrochen. Die traumatisierten Tiere wiederzufinden und einzufangen ist mühsam.
Daniela WindolffZu den schwersten Aufgaben nach den Wolfattacken gehört für den Schäfer, verletzte Tiere aufzugreifen. Meist muss er sie dann selbst von ihrem Leiden erlösen, wenn der Tierarzt nicht mehr viel ausrichten kann, sofern er überhaupt noch einen in der Region findet.
„Während ich für den Weideschuss bei Schlachttieren extra Lehrgänge machen muss, interessiert sich hier plötzlich niemanden mehr dafür“, schüttelt er den Kopf.
Schäfer muss sich auf eigene Kosten um verletzte Tiere kümmern
Und schließlich muss sich der Tierhalter um den Abtransport der Kadaver und den Abdecker kümmern. Zwei volle Arbeitstage gehen nur für die „Nachsorge“ eines Wolfsangriffes drauf. Und alles auf eigene Kosten.
„Der Arbeitsaufwand und die Kosten, die durch Wolfsangriffe zusätzlich entstehen und allein beim Tierhalter hängen bleiben, stehen in keinem Verhältnis zu den Entschädigungsleistungen und alle bisherigen Herdenschutzmaßnahmen sind nicht nur unzureichend, sondern stehen auch in keinem Kosten-Nutzenverhältnis mehr. Es muss grundlegend neu gedacht und endlich mit Praxisverstand gehandelt werden“, fordert Schäfer Jens Kath.
Angermünde: Schäfer betreiben Landschaftspflege
Er hatte seinem Ärger auch in einem Brief an die Uckermark-Landrätin und in verschiedenen Treffen mit Berufskollegen, Naturschützern und Kreisverwaltung Luft gemacht. „Ich fühle mich als Nutztierhalter von der Politik und den Behörden allein gelassen und mit meinen Sorgen nicht gehört. Die Balkongrünen treffen zentral Entscheidungen, ohne überhaupt Kenntnis von der Praxis und den realen Problemen vor Ort zu haben. Wer ist denn der Artenschützer?“, klagt Jens Kath an.

Schäfer aus Leidenschaft seit 4 Generationen: Jens Kath aus Friedrichsfelde bei Angermünde sieht seinen Berufsstand heute in großer Existenznot.
Daniela WindolffSchäfer betreibt Artenschutz vor Ort
Mit seinen Schafen und Wasserbüffeln leistet der Familienbetrieb seit 100 Jahren Landschaftspflege in der Uckermark. „Wir beweiden extensiv und ökologisch wertvolle Biotope, Trockenrasen, wiedervernässte Moore an der Sernitz und Deiche an der Oder. Damit leisten wir mehr, als viele Politiker-Grüne aktiv einen Beitrag zu Artenvielfalt, Hochwasserschutz und zur Wiederherstellung eines natürlichen Gleichgewichtes in der Natur. Und wir produzieren nachhaltig und regional gutes Fleisch für die Ernährung. Doch jetzt steht unsere Existenz und Zukunft in Frage, wenn nicht praktikable Lösungen gemeinsam mit den Landwirten und lokalen Akteuren gesucht werden“, fordert Schäfer Kath.
Wolf und Schafe gehören in die Kulturlandschaft
Eine Lockerung des Schutzstatus für den Wolf, wie es die EU vorschlägt, sei jedoch auch nicht die letzte Weisheit, findet Schäfer Kath. Das bedeute, kein Wolfs-Monitoring mehr, keine Gutachter und damit keine Entschädigung bei Wolfsrissen. Dann stehen die Landwirte wieder ganz allein da.
Und eine freizügige Bejagung berge die Gefahr, dass nicht nur aggressive Wölfe, die immer wieder Nutztiere angreifen, gejagt werden, gibt Jens Kath zu bedenken.
Angermünde: Wie gelingt Naturschutz?
Doch wie kann eine friedliche Koexistenz von Mensch und Wolf gelingen, ohne Existenzen zu bedrohen? Jens Kath wünscht sich Austausch mit Praktikern, Wissenschaftlern, Naturschützern und Politikern auf Augenhöhe, um gemeinsam neue Wege zu gehen, ehe der Wolf wieder zum Bösewicht gebrandmarkt wird oder die Schafhaltung ausstirbt. Beides sollte in der Kulturlandschaft bestehen können.









