Wohltätigkeit: Garderobe aus dem Container
T–Shirts, Hosen, und Babysachen gibt es heutzutage schon zum Spottpreis beim Lebensmitteldiscounter. Doch selbst drei oder vier Euro für ein Bekleidungsstück sind für manchen selbst in unserem reichen Land zu teuer. Für Leute mit kleinem Budget gibt es die Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes Uckermark–Ost.
Nach der Wende stieg mit der Arbeitslosigkeit auch der Bedarf an Unterstützung. Wie andere Wohltätigkeitsorganisationen beteiligte sich das DRK an der Kleidersammlung, anfangs in einem Container auf dem ehemaligen Gelände des Kreisbetriebs für Landtechnik und dann kurzzeitig in der Prenzlauer Straße. Seit 1991 kümmerte sich vor allem Rosi Schulz darum, das gut erhaltene Sachen für wenig Geld neue Besitzer fanden. Seit mehr als 20 Jahren dient eine alte Garage auf dem Hof des DRK als Kleiderkammer. Zwar ist die Arbeitslosigkeit mittlerweile zurückgegangen, aber der Bedarf ist geblieben. „Wir haben täglich 20 bis 30 Kunden“, sagt Evelyn Hoffmeister, Dienststellenleiterin des DRK in Angermünde.
Volle Windeln im Kleidersack
Vier Kleidercontainer des DRK stehen derzeit noch im Angermünder Stadtgebiet. Diese werden regelmäßig entleert und der Inhalt zur Kleiderkammer gebracht. Die Sachen werden von zwei Frauen gesichtet und sortiert. Berit Niedrich macht das ehrenamtlich und Silvia Wolter als Ein–Euro–Job. Es macht ihnen Spaß, erzählen sie. „Vor allen das Betreuen und Beraten der Leute, die auf der Suche nach Sachen sind“, sagt Silvia Wolter. Weniger Freude macht ihnen das, was sie zwischen der Bekleidung in den Säcken finden wie volle Babywindeln oder Reste von Dönern. „Manche Leute verwechseln den Altkleidercontainer mit dem Abfallbehälter“, sagt Evelyn Hoffmeister. Auch ganze Säcke mit Tapetenresten wurden darin schon entsorgt.
Die Sachen sollten in einem sauberen, tragbaren Zustand sein. Manchmal, so erzählen die Frauen, sind auch nagelneue Sachen dabei, an denen noch das Preisschild hängt, mitunter auch sehr hochwertige Dinge. Jeweils nach der Saison sortiert kommen sie dann ins Sortiment. Gebraucht wird an Bekleidung alles, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Gegen eine kleine Spende wechseln sie den Besitzer. Die Bedürftigkeit muss man nachweisen. Meist geschieht das einmal im Jahr mit dem Hartz–IV–Bescheid oder dem Sozialpass, denn 70 Prozent sind Stammgäste, darunter sind auch Asylbewerber.
Bettdecken sehr gefragt
Auch Haushaltswaren wie Kaffee– und Essservices werden in der Kleiderkammer angenommen. Für Möbel reicht allerdings der Platz nicht aus. Auch große elektrische Hausgeräte werden nicht genommen, weil sie nicht fachmännisch geprüft werden können. „Wir nehmen höchstens kleinere und dann auf Eigenverantwortung“, so Evelyn Hoffmeister. Dagegen gibt es eine große Nachfrage bei Bettdecken und Kopfkissen. Manchmal wird auch etwas Sperriges vermittelt. Ein junger Mann sucht gerade zwei gut erhaltene Matratzen, 200 mal 90 Zentimeter für die erste eigene Wohnung.
Kleiderspenden können auch persönlich zur Kleiderkammer gebracht werden. Sie ist dienstags und donnerstags von 9 bis 11 und 13 bis 15 Uhr geöffnet. Der Eingang befindet sich an der Stadtmauer–Seite.

