30 Jahre Sewoba: Keine extra Party – gefeiert wird trotzdem

Vor 30 Jahren wurde die Sewoba (Wohnungsbaugesellschaft Seelow) gegründet. Obwohl es zum Geburtstag keine extra Party gibt, können Mieter und Mitarbeiter trotzdem gemeinsam feiern.
Katja GehringDie Glückwünsche möchte Hans Peter Thierfeld gern persönlich überbringen. Seine Mitarbeiterin aus dem Mahnwesen hat Geburtstag. Sie gehört zu den 19 Angestellten, die „mit Liebe fürs Detail jeden Morgen zur Arbeit kommen und nicht immer pünktlich Feierabend machen können“, sagt der Geschäftsführer der Sewoba. Und auf dem Weg ins Obergeschoss erwähnt er Kerstin Jakobi, die seit 1986 im Unternehmen arbeitet – mittlerweile im Sekretariat.
„Entscheidend bei einem solchen Jubiläum ist immer, dass die Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen“, findet Thierfeld. Es gebe viele, die schon Jahrzehnte dabei sind. „Und das ist nicht immer ein leichtes Unterfangen“, weiß der Geschäftsführer. Im Bestand der Sewoba befinden sich fast 3000 Wohnungen in über 40 Orten, darunter natürlich Seelow, aber auch Golzow und Frankfurt (Oder). Nicht nur, dass die Wohnungsverwalter deshalb „ordentlich Strecke machen müssen“. Die Tätigkeit bei der Sewoba erfordere auch ein hohes Maß an Motivation und eigenständigem Arbeiten. „Und das können sie alle“, versichert Thierfeld. „Ich bin richtig stolz.“
25-jähriges Jubiläum im Kulturhaus begangen
Die Sewoba GmbH ging 1994 aus dem im Jahr 1958 gegründeten „VEB (K) Gebäudeverwaltung Seelow“ hervor. 1970 wurde der Betrieb in „VEB Gebäudewirtschaft Seelow“ und 1990 in eine GmbH umgewandelt. 1998 folgte als erster Meilenstein nach Neugründung die Errichtung des Wohnparks „Rotkäppchen“ in der Bertolt-Brecht-Straße, 2017 dann die Fertigstellung des Bauvorhabens Frankfurter Straße 22. Zwischen 2016 und 2019 ist das historische Kaufhaus im Herzen der Kreisstadt zum Wohn- und Gewerbeobjekt umgebaut worden – bevor das 25-jährige Jubiläum groß im Kulturhaus gefeiert wurde.
Damals erhielt jeder Mitarbeiter ein kleines Goldstück als Geschenk. „Obwohl sie alle gar nicht mit Gold aufzuwiegen sind“, lobt Hans Peter Thierfeld, der seit 16. August 2010 die Geschicke des Unternehmens leitet. Zum 30. Geburtstag wird es keine große Party geben. „Aber wir feiern trotzdem“, kündigt er im Gespräch an. Wie schon in den Vorjahren werde die Sewoba das Stadtfest in Seelow, das vom 6. bis 8. September am Kulturhaus veranstaltet wird, als Sponsorin unterstützen. „Somit wird es zum größten Mieterfest Ostbrandenburgs“, kündigt der Geschäftsführer mit einem Augenzwinkern an. Immerhin seien rund 65 Prozent aller Wohnungen in der Kreisstadt Sewoba-Wohnungen, wie er als Erklärung gleich hinterher schiebt. Mit einem Stand oder anderen Aktionen werde das Unternehmen sich allerdings nicht einbringen. „Auch unsere Mitarbeiter wollen feiern“, lautet Thierfelds Begründung.
Corona und Krieg – Mitarbeiter sollen mal abschalten können
„Bei allen Sorgen im Alltag müssen sie auch mal abschalten können“, findet der Sewoba-Chef. Das gelte für Mieter, aber auch für seine Mitarbeiter. Gerade die vergangenen Jahre hätten sie sehr in Anspruch genommen, betont Thierfeld und verweist auf den Krieg, den Russland gegen die Ukraine führt. Die Sewoba hatte schon ziemlich schnell nach den ersten Angriffen Geflüchtete in Wohnraum vermittelt. „Beim Blick in die Augen der Geflüchteten sehen meine Mitarbeiter die Erschütterung und Not“, beschreibt Thierfeld das Elend, das dem Sewoba-Team regelmäßig begegnet. „Das ist nichts, was nur in der Schublade liegt.“
Auch die Corona-Zeit sei nicht leicht gewesen. Es musste überlegt werden, wie mit der Arbeit umzugehen ist. Schließlich wurden zwei Teams gebildet, die abwechselnd vor Ort waren. Alle Mitarbeiter erhielten Laptops. „Mit denen haben sie während der Pandemie und auch jetzt noch, wenn es passt, im Homeoffice gearbeitet“, so Thierfeld. „Wir haben diese Herausforderung gut gestemmt.“ So gut, dass während der Pandemie verschiedene Projekte auf den Weg gebracht werden konnten. Dazu gehören der Balkonanbau in der Diedersdorfer Straße, Abriss der alten und Bau der neuen Gebäude in der Breite Straße, Parkplatzgestaltungen im Weideweg und in der Erich-Weinert-Straße sowie verschiedene Wohnumfeldgestaltungen.
Aus dem Vorzimmer erinnert Kerstin Jakobi ihren Chef an seinen Termin um 11 Uhr. „Das ist eine schöne Sache“, findet Hans Peter Thierfeld. Sein Weg führt ihn gleich zu Cornelia Krauter, die einen Preis im diesjährigen Balkonwettbewerb gewonnen hat. Nachdem ein Blumenstrauß und der 15-Euro-City-Gutschein überreicht sind, erkundigt sich der Sewoba-Geschäftsführer nach der Zufriedenheit mit der Wohnung. „Ich wohne sehr gerne hier“, bekundet die Mieterin, die vor zwei Jahren aus Lietzen nach Seelow gezogen ist. Nur das Bad bereite ihr Probleme.

Hans Peter Thierfeld überreicht Cornelia Krauter Blumen und einen Gutschein. Die Mieterin hatte sich erfolgreich am Balkon-Wettbewerb beteiligt.
Katja GehringDavon überzeugt der Sewoba-Chef sich prompt selbst und verspricht, die Hausverwaltung über den Mangel zu informieren. „Unser oberstes Ziel ist, dass Sie sich wohlfühlen“, gibt er Cornelia Krauter zu verstehen. „Wir tragen soziale Verantwortung. Was wären ohne Mieter?“ Die Sewoba wolle für ein wohliges Zuhause sorgen, wo man nach einem anstrengenden Arbeitstag die Füße hochlegen kann und in jedem Alter gut klarkommt. Stichwort Barrierefreiheit: „Dazu zählen der zusätzliche Türgriff, um sicherer auf den Balkon zu kommen, die Dusche statt der Badewanne und die Zimmer ohne Schwellen genauso wie die Möglichkeit für den Vater, den Kinderwagen abzustellen.“

Cornelia Krauter auf ihrem Balkon. Die Mieterin hatte erfolgreich am diesjährigen Wettbewerb teilgenommen.
Katja GehringGeschäftsführer hat Fragen an Bundeskanzler Scholz
Aber nicht nur. Ihm gehe es auch darum, dass Wohnraum bezahlbar bleibt. Zwar liege die Sewoba-Nettokaltmiete bei durchschnittlich 5,25 Euro. Aber oftmals sei die noch zu hoch. Im neuen Wohngebiet in Seelow Süd entstehen deshalb jetzt Sozialwohnungen, für die ein Wohnberechtigungsschein benötigt wird – wie im ehemaligen Kaufhaus.

Hans Peter Thierfeld (l.) ließ sich nicht nur zusammen mit Olaf Scholz bei dessen Besuch in Seelow fotografieren. Er fragte den Bundeskanzler auch, wie er den Mietern die hohen Energiepreise erklären soll und welche Lösungen zum Gegensteuern es gibt.
Katja GehringSorge bereite dem Sewoba-Chef aber auch die „zweite Miete“, wie er die Betriebskosten nennt. Die würden demnächst höher ausfallen, weil der Preis für Fernwärme stark ansteigen wird. Erst kürzlich hat Thierfeld einen Besuch bei seiner Familie an der Ostsee verschoben, um Bundeskanzler Olaf Scholz, der zu Besuch in Seelow war, damit zu konfrontieren. „Eine Antwort, außer dass ich mich selbst kümmern muss, habe ich nicht erhalten“, bedauert der Geschäftsführer. Er wolle die Mieter damit nicht alleine lassen und befinde sich im Dialog mit den Energie-Anbietern. „Da lassen wir nicht locker“, verspricht Hans Peter Thierfeld. „Wir sind ja keine Immobilien-Haie.“



