„Unser Dorf hat Zukunft“: Cem Özdemir überreicht Urkunde – Neutrebbin ist nun ein Silberdorf

Neutrebbin war mit seiner Teilnahme am 27. Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ erfolgreich. Dafür gab es eine Urkunde, eine Plakette und Geld.
BMEL/Photothek Media Lab/Thomas TrutschelSo schnell wird Werner Mielenz, ehrenamtlicher Bürgermeister von Neutrebbin, die große Festveranstaltung am Rande der Internationalen Grünen Woche in Berlin wohl nicht vergessen. 1600 Gäste wurden vom Bundeslandwirtschaftsministerium dazu eingeladen. Sie alle erlebten mit, wie der Ort aus dem Oderbruch mit der Silbermedaille für die Teilnahme am 27. Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ geehrt und somit zum Silberdorf wurde.
22 Dörfer hatten es nach Wettbewerben auf Kreis- und Landesebene im Jahr 2023 in die Endrunde geschafft und nun eine Auszeichnung erhalten. Allein die Neutrebbiner reisten mit einer 90-köpfigen Delegation an – in zwei Bussen. „Das mussten wir zwar selbst organisieren und bezahlen“, erzählt Mielenz. „Aber das war uns die Sache wert.“ Der Bürgermeister habe auch niemanden betteln müssen, mit nach Berlin zu kommen. „Alle fanden gut, dass wir so weit gekommen sind.“

Werner Mielenz, Bürgermeister von Neutrebbin, führt die Delegation aus dem Oderbruch-Dorf an.
BMEL/Photothek Media Lab/Thomas TrutschelStärken von Neutrebbin herausgearbeitet
In den zwei Bussen saßen Menschen, die maßgeblich zu dem guten Abschneiden bei „Unser Dorf hat Zukunft“ beigetragen hatten. Überhaupt habe der Wettbewerb im Dorf viel bewirkt. „Er hat Spuren hinterlassen“, so Mielenz im Gespräch. „Die Leute haben aufgelistet bekommen, wie viele Vereine und Aktivitäten Neutrebbin zu bieten hat.“
Mindestens genauso wichtig wie das Identifizieren der Bewohner mit ihrem Ort sei es, Neutrebbin auch außerhalb bekannt zu machen. „Dafür war die Teilnahme am Wettbewerb gut“, findet der Bürgermeister. Man konnte Stärken herausarbeiten und diese dann der Öffentlichkeit präsentieren.
Jeder Minister soll das Dorf kennen
„Wenn ein Dorf attraktiv ist, muss man das zeigen“, ist Mielenz überzeugt. Es gehe darum, um Zuzug zu werben, der wiederum wichtig für Kita, Schule, die Wirtschaft und das Dorfleben an sich sei. „Das geht nur, wenn wir unseren Bekanntheitsgrad erhöhen“, betont der Neutrebbiner Bürgermeister. „Im Kreis und im Land und jetzt auch bundesweit.“
Werner Mielenz erinnert im Gespräch noch einmal an den Satz, den er während der letzten Monate oft gesagt hat: „Wenn der Wettbewerb durch ist, muss jeder Minister wissen, wo Neutrebbin liegt.“ Dabei gehe es natürlich auch um Geld, räumt er ein. Nicht jede notwendige Investition im Dorf könne die Gemeinde selbst aufbringen. „Wir sind auf Fördermittel angewiesen.“ Und dafür spiele es durchaus eine Rolle, wie attraktiv ein Ort ist; ob es sich lohnt zu investieren. „Mit der Silbermedaille sind wir nun öffentlich anerkannt als Dorf mit Zukunft“, sagt Werner Mielenz stolz.
Glückwünsche aus der MOL-Kreisverwaltung
„Das haben sich die Neutrebbiner verdient“, sagt Christin Schütz aus dem MOL-Landwirtschaftsamt auf Anfrage. „Sie versuchen immer, die wenige Dinge, die noch nicht perfekt sind, zu perfektionieren.“ Im Namen der Kreisverwaltung gratuliert sie „herzlich zur Ehrung mit der Silbermedaille“. Schließlich schaffe Neutrebbin eine solide Basis für das Leben und Arbeiten im Ort und beeindrucke mit einer Vielzahl sozialer Aktivitäten und Einrichtungen für alle Generationen. Glückwünsche kommen auch aus Podelzig, das 2022 selbst am Dorfwettbewerb teilnahm. Bürgermeister Thomas Mix: „Wir sind stolz und freuen uns, dass Neutrebbin, eine Gemeinde aus dem Herzen des Oderbruchs, die Silbermedaille gewonnen hat. Das ist ein hervorragendes Ergebnis und zeigt, wie lebenswert es ist, im Oderbruch zu leben.“
„Die Menschen vor Ort haben sich ganz unterschiedlich den Herausforderungen in ihren Gemeinschaften gestellt und ihre Vorstellungen von einem attraktiven Dorfleben verwirklicht“, so Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir. Entscheidend sei: Wer sich mit Herzblut und guten Ideen einsetzt, leiste einen wichtigen Beitrag für lebenswerte und zukunftsfähige ländliche Regionen. „Alle teilnehmenden Dörfer haben ein Beispiel dafür gegeben, wie viel sich mit Engagement und pragmatischen Konzepten erreichen lässt“, würdigt der Minister. „Weiter so!“

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir überreichte die Urkunde an Werner Mielenz und seine Mitstreiter aus Neutrebbin.
BMEL/Photothek Media Lab/Thomas Trutschel10.000 Euro sollen öffentlich wirksam eingesetzt werden
Eine Plakette, die auf den Erfolg hinweist, soll demnächst am Gemeindehaus angebracht werden. Eine Urkunde ist den Neutrebbinern vom Bundeslandwirtschaftsminister überreicht worden. „Ich fand es wirklich gut, dass er das persönlich gemacht hat“, erzählt Werner Mielenz so beeindruckt, dass er fast vergisst, etwas Wichtiges zu erwähnen: „10.000 Euro bekommen wir auch.“ Das Geld werde auf jeden Fall öffentlich wirksam direkt in Neutrebbin eingesetzt. Wofür, sei noch nicht besprochen worden.
Auch ob Neutrebbin sich in 2024 wieder dem Dorfwettbewerb stellt, ist noch nicht klar. „Geht es nach mir, würden wir mal eine Runde aussetzen“, so Werner Mielenz. Neutrebbin nimmt bereits seit 1994 sehr erfolgreich am Dorfwettbewerb teil und gehörte allein auf Kreisebene achtmal zu den Bestplatzierten. Der Bürgermeister wolle nicht vorgreifen, plädiere aber schon dafür, nun andere Gemeinden aus Märkisch-Oderland zum Zuge kommen zu lassen. Er sagt: „Mit der Auszeichnung im Bundeswettbewerb haben wir doch alles erreicht, was man erreichen kann.“



