Kathrin Mölneck, Leiterin der Außenstelle Frankfurt (Oder)/Cottbus des Verbands der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen (BBU), kennt das Kaufhaus in Seelow noch von früher. Zu DDR-Zeiten sei sie zum Einkaufen schon mal von der Bezirksstadt Frankfurt in die Kreisstadt Seelow gefahren, weil sich das Angebot in den Kaufhäusern doch sehr unterschied, berichtete sie jetzt bei der Übergabe des Qualitätssiegels „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ ihres Verbandes an das Projekt „Altes Kaufhaus Seelow“.
Sechsmal im Jahr werde es verliehen, sagte sie – an Objekte, auf die aus Sicht der Jury aufmerksam gemacht werden sollte. Es ist die insgesamt 115. Verleihung dieses Gütezeichen, allerdings die erste für ein in Seelow umgesetztes Vorhaben.

Großer Bahnhof für die Verleihung

Entsprechend groß war die Freude und der Bahnhof am Donnerstagnachmittag drumherum: Neben Jörg Schröder, Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der Seelower Wohnungsbaugesellschaft (Sewoba), sowie Sewoba-Geschäftsführer Hans Peter Thierfeld waren unter anderem auch Rainer Genilke, Staatssekretär aus dem Potsdamer Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung, Wolfgang Heinze (Linke), Stadtverordnetenvorsteher und Mitglied des Sewoba-Aufsichtsrats, die Landtagsabgeordneten Bettina Fortunato (Linke) und Kristy Augustin (CDU), sowie Vertreter des in der Kreisstadt ansässigen Planungsbüros pro³ und Matthias Brauner, seit Juli Leiter der BBU-Landesgeschäftsstelle Potsdam, zur Verleihung auf den Hof des 1959 errichteten Gebäudes gekommen.

Beispiel für gelungene Zusammenarbeit

Es sei schon immer orts- beziehungsweise stadtbildprägend gewesen, sagte Kathrin Mölneck und bezeichnete es als Wahrzeichen von Seelow. Sie habe miterleben müssen, wie es zunehmend seinen Glanz verlor und in einen Dornröschenschlaf versank. Umso mehr sei sie nun in höchstem Maße davon angetan, was der Stadt, der Sewoba, dem Planungsbüro, dem Denkmalschutz und allen anderen am Bau Beteiligten gelungen ist. Das „Alte Kaufhaus Seelow“ sei ein hervorragendes Beispiel für eine gelungene Zusammenarbeit, letztlich auch mit dem Landtag und der Landesregierung.

Vorhaben war nur mit Fördermitteln zu stemmen

Schließlich flossen 5,3 Millionen Euro in das Sanierungsvorhaben des seit 2008 geschlossenen und danach ungenutzten Kaufhauses. Knapp die Hälfte wurde über Fördermittel finanziert. Etwa 1,5 Millionen Euro kamen aus dem Städtebauförderprogramm „Aktive Stadtzentren“ – je ein Drittel von Bund, Land und Kommune – sowie 932.000 Euro aus einem Darlehen der ILB-Wohnraumförderung. Mehr als 1,94 Millionen Euro hat die Sewoba als Ergänzungsdarlehen aufgenommen. 880.000 Euro hat das Unternehmen als Eigenkapital eingebracht.
Im Dezember 2018 und damit kurz vor dem 25-jährigen Jubiläum der Sewoba war das „Alte Kaufhaus Seelow“ nach 19 Monaten Bauzeit seiner neuen Bestimmung mit bezahlbaren und barrierefreien Wohn- und Geschäftsräumen, darunter Arztpraxen, übergeben worden. Bürgermeister Jörg Schröder wollte den Worten von Kathrin Mölneck nichts hinzufügen, nur einen Satz korrigiert wissen. Der prophezeite demografische Wandel sei ausgeblieben, erklärte er und fügte hinzu: „Wir müssen jetzt die fünfte Kita bauen.“ Mit Blick auf die Entwicklung im Umland und auch auf Tesla in Grünheide sei ihm nicht bange.

Es gibt einen Film und sogar ein eigenes Lied

Matthias Brauner ließ nicht unerwähnt, dass das „Alte Kaufhaus“ eine eigene Facebook-Seite, ja sogar ein eigenes Lied
habe und einen Film, der von Schülern gedreht worden sei. Rainer Genilke betonte, dass er gern bei den Verleihungen dabei ist und sich bereits zu Jahresbeginn mit dem Bürgermeister über das Projekt ausgetauscht habe. „Ich wollte es wirklich mal sehen“, sagte der Staatssekretär, verwies auf die Sparkasse als guten Partner im Haus und machte auf die besonderen Herausforderungen für die Innenstädte gerade in der jetzigen Zeit aufmerksam. Nicht alles könne jedoch digital erledigt werden. Insgesamt 14,1 Millionen Euro an Städtebaumitteln seien bisher für die Region von Lebus bis Letschin inklusive der Ämter Seelow-Land und Neuhardenberg zur Verfügung gestellt worden.

Auszeichnung für innovative Projekte

Die Jury des Qualitätssiegels entscheide sich immer für sehr ausgefallene, innovative Projekte, die oft als zu teuer und zu schwierig bezeichnet wurden. „Das macht das Ergebnis am Ende noch größer“, erklärte Rainer Genilke mit Blick auf das „Alte Kaufhaus“. „Besser kann man es nicht machen.“
Sewoba-Chef Hans Peter Thierfeld zeigte sich sichtlich stolz über die Auszeichnung. Das Unternehmen sei in Seelow und 40 weiteren Orten in der Region tätig. „Es gibt für uns drei wichtige Themen: Wohnen, wohnen, wohnen – und das mit guter Qualität.“ Ausdrücklich dankte auch er allen Beteiligten an dem Projekt, vor allem der Stadt und ihren Gremien für das politische Engagement, das Vorpreschen und den Mut, das Ganze anzupacken.