Die Interessengemeinschaft Ostbahn wird wieder zum Leben erweckt. Darauf haben sich am Montagnachmittag Hauptverwaltungsbeamte sowie ehrenamtliche Bürgermeister der Anrainer-Kommunen der Ostbahn verständigt. Bereits seit dem vergangenen Jahr wurde der Ruf laut, wieder eine Lobbygemeinschaft für die wichtigste Zugverbindung des Landkreises zu schaffen.
2003 hatte sich die Interessengemeinschaft Ostbahn (IGOB) gegründet. Federführend war der Frankfurter Karl-Heinz Boßan. Sieben Jahre hatte die IGOB Bestand. "Sie war allerdings nur ein loser Zusammenschluss", erinnert der Beigeordnete des Landkreises, Rainer Schinkel (SPD). Ziel war es einst gewesen, die IGOB in ein EVTZ zu führen. Die Abkürzung steht für einen "Europäischen Verbund für die territoriale Zusammenarbeit". Mit Blick auf dieses Vorhaben wurde die IGOB Ende 2013 aufgelöst. Allerdings standen die Akteure bezüglich des EVTZ da erst am Anfang. Es sollte sich zeigen, dass ein bilateraler Verbund mit zu vielen Formfragen behaftet ist und letztlich die Finanzierung eines solchen Konstruktes durch die Anrainer-Kommunen nicht umsetzbar gewesen wäre. "Es wird jedoch gerade jetzt im Zuge der Klimadiskussion immer wichtiger, bezüglich der Entwicklung des Schienenverkehrs mit einer Stimme zu agieren", sieht es Schinkel. Die Kommunen hatten dem Kreis im Juni die Aufgabe gestellt, die Gründung eines Vereins vorzubereiten. Dessen große Aufgaben sind bereits in der "Seelower Erklärung" vom 3. Dezember 2018 mit mehr als 60 Unterzeichnern beschrieben. Es geht vor allem um die Elektrifizierung der Strecke und den zweigleisigen Ausbau. Entscheidungen dazu liegen beim Bund, beim Land und bei der Deutschen Bahn. Die Entwicklung der Ostbahn wurde nicht in den aktuellen Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. "Wir hoffen, dass es da in den nächsten Jahren Nachbesserungen gibt", sagte Schinkel. Denn ohne die entsprechende Infrastruktur blieben alle Appelle der Politik für einen Umstieg auf Bus und Bahn nur Phrasen.
Im Fokus stehen deshalb auch kurzfristige Lösungen – wie etwa die geplante Verdichtung des Taktes der Regionalbahn 26 bis Müncheberg oder der S-Bahn bis Fredersdorf. Sinn mache der Verein nur, wenn sich die Mehrheit der Anrainer-Kommune anschließt, unterstreicht Schinkel. Danach sieht es derzeit aus. Aus allen Bereichen, einschließlich der Kreisstadt Seelow, nahmen Vertreter an der Runde teil.
Polnische Seite wird einbezogen
Die Vertreter der Kreisverwaltung legten den Entwurf einer Satzung vor. In allen Kommunen des Ostbahn-Korridors soll das Vorhaben in den nächsten Wochen beraten werden. Ziel ist es, dass bis zum Jahresende Grundsatzbeschlüsse zur Bildung des Vereins gefasst werden. Detailfragen, wie die Beitragsordnung, werden noch geklärt. Schinkel will im Kreistag eine Vorlage einbringen, mit der die Mitgliedschaft des Landkreises im Verein beschlossen werden soll. In den Fachausschüssen werde die Thematik besprochen, versichert er.
Der Verein soll vorerst ausschließlich unter deutscher Beteiligung agieren. Was nicht heiße, dass man den Nachbarn außen vor lasse, versicherte der Beigeordnete. "Die polnische Seite ist über das Ansinnen informiert", sagte er. Als Vorsitzender der Euroregion Viadrina hat Schinkel ohnehin den ständigen Kontakt zu den Akteuren im Nachbarland.