Brauchtumspflege: Letschiner lassen es krachen

Feuer! Artilleriehauptmann Karsten Piefke lässt die große Kanone des Vereins böllern.
Ulf Grieger/MOZWenn Preußen 15.30 Uhr sagen, dann meinen sie es auch. Keine Minute Verzögerung gibt es, als am Silvestertag Karsten Piefke, Hauptmann der Letschiner Kanoniere des Militärhistorischen Vereins, die zahlreichen Gäste vor den geladenen Kanonen begrüßt. Über allen hängt die nasse preußische Fahne, die ab 1892 gültig war und vor 100 Jahren ihre Bedeutung verlor. Ein Banner übrigens, das dort an der Küstriner Straße täglich vom Vereinssitz kündet.
Die Zeit, in der sich die Letschiner ihre Rollen suchen, liegt jedoch rund 100 Jahre vor der dieser Fahne. „Wir sind Dreispitze und verstehen uns als Kompanie des Königs Friedrich“, erzählt Karsten Piefke. Ihre Kanone, ein Nachguss einer historischen 51–Millimeter–Vorderlader–Kanone, ist kein Spielzeug. Zweimal im Jahr wird damit sogar scharf, das heißt mit Kugel, geschossen. Um das zu können, haben sich die Kanoniere geschult und die Prüfungen für den Schwarzpulverschein abgelegt. Die Uniformen sind jenen nachempfunden, die die Füsiliere des Prinzen Heinrich im Siebenjährigen Krieg um 1757 trugen.
Das große Rohr überlässt Silvester dem kleineren den Vortritt: Eine schmucke 20–Millimeter–Kanone, die den Handhabungen ihre Besitzers Andreas Klinger getreulich Folge leistet. Dem weiteren „Achtung!“ des Artillerie–Hauptmanns allerdings folgt – nichts. Spontan macht der Spruch die Runde „So schnell schießen die Preußen nicht!“, während Fred Wenzke, Burkhard Grund mit ihre Kollegen auf Fehlersuche gehen. Eine gute Gelegenheit für die Gäste, sich bei Christa Piefke mit Schmalzstullen zu versorgen. Das gemütliche Beisammensein am inzwischen entfachten Lagerfeuer steht im Mittelpunkt der Veranstaltung, die bald auch mit den feuerspeienden Böllerschüssen der großen Kanone gekrönt wird. Die Gäste tauschen sich aus, was sie vom neuen Jahr erwarten. „Es ist ein schönes Treffen hier“, freut sich Detlef Krüger aus Quappendorf.
Der Militärhistorische Verein, das sind aktuell sieben ältere Herren, die sich mit der Historie und der Artillerie beschäftigen. „Wir würden uns freuen, wenn es jüngere Mitsteiter gäbe“, erklärt Karsten Piefke. Man würde auch helfen, die nicht geringen Kosten für Uniform und Ausbildung zu tragen. „Aber das Interesse daran ist nicht groß“, bedauern die Kanoniere. Höhepunkte 2018 waren die Ostdeutschen Meisterschaften in Beelitz und die Norddeutschen in Ueckermünde. Dabei fahren die Kanoniere mit Kind und Kegel ins jeweils viertägige Biwak. Wegen der großen Waldbrandgefahr im vorigen Jahr werden sie 2019 schon im Frühjahr ausgetragen. Später im Kahr lassen die Schießplatzverwaltungen solche Veranstaltungen nicht mehr zu.
