Corona-Pandemie: Kowalskis feiern ihr Osterfest fern der Heimat

Mit Osterlamm vom Bäcker: Pawel und Malgorzata Kowalski wollten die Feiertage eigentlich wie immer zu Hause in Polen verbringen. Diesmal müssen sie jedoch in Buckow bleiben. Er ist Chirurg am Lutherstift in Seelow.
Anett ZimmermannDie neue Lungenkrankheit werde das Land um zwei Wochen versetzt erreichen. „Also zu Ostern“, sagt der Mediziner und hat große Befürchtungen, weil das Gesundheitssystem im Nachbarland schon in Normalzeiten schwächelt. „Wie soll es dann einer solchen Krise standhalten?“
Schinken erinnert an Heimat
Allerdings habe Polen bereits sehr früh strenge Maßnahmen zur Eindämmung des Virus unternommen. Und die meisten Menschen würden sich daran halten – beim Einkaufen zum Beispiel Handschuhe tragen, was in Deutschland nicht vorgeschrieben sei. Statt wie sonst üblich in Kostrzyn einzukaufen, war der 64-Jährige am Gründonnerstag das erste Mal auf dem Buckower Wochenmarkt. „Ich habe frische Wurst und Fleisch geholt“, sagt er und lobt den Schinken aus der Dolgeliner Landfleischerei, den er bereits zum Frühstück probiert hat. „Der schmeckt so ähnlich wie bei uns zu Hause“, findet er.
Früher habe man den noch selbst gemacht. „In meiner Kindheit war das ein Teil von Ostern“, blickt er zurück und spricht von einem „fünf Kilo schweren Riesending mit Knochen“, das erst geräuchert und danach fünf Stunden gekocht worden sei.
In Polen stehe Ostern noch immer der religiöse Charakter im Vordergrund. „Für mich ist die Auferstehung, das Versprechen Gottes, Ewigkeit zu erlangen, der Kern des Glaubens“, sagt Kowalski. Die Frühmessen am Ostersonntag, wenn es in der Kirche noch dunkel ist, seien für ihn bleibende Erlebnisse. „Poznan ist bekannt für seine Männer- und Knabenchöre. Und der Messias ging immer unter die Haut.“
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Gottesdienste verfolgt er in diesen Tagen im polnischen Fernsehen, denn auch die St.-Michael-Kirche in Müncheberg ist zurzeit geschlossen. Dafür liegt der aktuelle Gemeindebrief und der Ostergruß des Erzbischofs von Berlin auf dem Wohnzimmertisch, den ein Strauß Tulpen schmückt. Mit Eiern geschmückte Zweige seien wohl eher ein deutscher Brauch. „Und unsere Anhänger sind in der Datsche.“
Bunte Ostereier soll es dennoch geben. „Die färben wir natürlich“, erzählt Pawel Kowalski. Der Karfreitag habe bis zur Wende 1989 immer auch eine politische Dimension gehabt. „Da gab es oft Zeichen des Widerstands von Solidarnosc.“ Der Ostersonnabend sei der einzige Tag im Jahr ohne Messe. Trotzdem seien die Kirchen meist gut besucht.
„Familien bringen ihre geschmückten Osterkörbe dorthin, um sie weihen zu lassen.“ Brot, Wurst, Schinken, Salz, auch Obst, zählen Malgorzata und Pawel Kowalski als Inhalt auf. „Natürlich Eier“, sind sie sich einig. Sie nennt sogar „Meerrettich“. Das kennt er zwar nicht, aber es gibt selbst Gegenden in Deutschland und Österreich, wo dieser zu den Osterspeisen gehört. Und beide haben auch deutsche Vorfahren. „Meine Mutter trug noch den Namen Ziegenhagen“, sagt Pawel Kowalski. Alle geweihten Speisen müssten zudem am Sonntag, spätestens Montag, gegessen sein.
„Das große Frühstück in Familie fällt diesmal aber leider aus“, bedauert er. Jeder Teil wollte dazu etwas beitragen.“ Etwa Zurek, eine saure Mehlsuppe, die zum polnischen Osterfest unbedingt dazugehöre. „Auf Basis eines Gemüsefonds mit gekochten Eiern, Weißwurst, Schinken“, erkärt Pawel Kowalski und fragt bei seiner Frau nach, die eine gute Köchin ist. Sie habe alle Abschlüsse, um sich in der Gastronomie selbstständig zu machen, doch diesen Gedanken schon lange aufgegeben. „Seit der Geburt unseres zweiten Kindes ist sie Hausfrau.“ Auch Babka, so erinnert die 58-Jährige, dürfe Ostern nicht fehlen. „Das ist Hefekuchen, ähnlich einem Panettone, dem italienischen Weihnachtskuchen.
Wassergießen mag er nicht
Auf den alten Brauch des Wassergießens am Ostermontag, Smigus Dyngus genannt, verzichtet Pawel Kowalski unterdessen gern. „Dabei werden junge Frauen von den Männern im Dorf mit Wasser besprengt, aber heute wird jeder, der vorbeikommt, zum Teil eimerweise überschüttet, auch in den Städten.“ Und was werden sie nun unternehmen? „Ein bisschen Fahrradfahren, Spaziergänge mit Tenor, unserem Welsh-Terrier“, heißt es. Und dann werden sie natürlich telefonieren, vor allem mit den Kindern und Enkeln. Letztere haben nach dem gemeinsamen Winterurlaub als Dank ein Bild der beiden gezeichnet, das seither an der Küchentür hängt.