Corona
: Schuldenberater Seelow berät zur Soforthilfe

David Krienke von der Diakonie Seelow mahnt, Schulden nicht anwachsen zu lassen. Sein Team berät auch zu aktuellen Soforthilfen.
Von
Anett Zimmermann
Seelow
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David Krienke von der Schuldnerberatung der Diakonie Seelow mahnt, Schulden nicht anwachsen zu lassen. Sein Team berät in diesen Tagen auch zu aktuellen Corona-Soforthilfen.Im Videogespräch unterhielt sich David Krienke, Leiter der Schuldner- und Insolvenzberatung des Diakonischen Werks Oderland-Spree, von Wriezen aus mit der MOZ-Redakteurin in Seelow.

Anett Zimmermann/MOZ

„Aufgrund der Kontaktbeschränkungen zurzeit vor allem telefonisch.“ E-Mail oder Videokonferenz seien ebenfalls möglich, aber nicht jeder Betroffene verfüge über die notwendige Ausstattung. Und selbst wenn, so sind technische Probleme nicht ausgeschlossen. So greift er an diesem Vormittag von Wriezen aus dann doch zum Telefon, nachdem die Internetverbindung zusammengebrochen ist. Weitere Beratungsstellen gibt es in Seelow, Bad Freienwalde, Strausberg und Fürstenwalde.

Erste Anfragen habe es inzwischen auch zu den Soforthilfeprogrammen von Land und Bund jetzt in der Corona-Krise gegeben, berichtet der 42-Jährige und hebt die meist guten Informationen dazu sowie die vereinfachte Antragstellung als positiv hervor. Nachdenklich stimme ihn jedoch, dass mögliche Konsequenzen und Ausschlussgründe meist weniger deutlich gemacht werden.

Schuldenaufwuchs verhindern

„Die Schuldner wiegen sich in einer gewissen Sicherheit“, hat der gelernte Bankkaufmann festgestellt. Finanziellen Verpflichtungen für Miete, Strom und andere Nebenkosten, Versicherungen und Raten für Kredite werde zum Teil nicht mehr nachgekommen, mitunter sogar neue Schulden gemacht. „Dabei sieht das Gesetz in den meisten Fällen nur eine Stundung vor“, gibt er zu bedenken. Außerdem dürften Zahlungen nicht einfach eingestellt werden. „Es sollte immer erst das Gespräch mit dem Vertragspartner beziehungsweise Gläubiger gesucht werden.“

Problem sei mitunter, dass das Verhältnis bereits gestört ist. Zum Beispiel zwischen Mieter und Vermieter. „Uns ist es wichtig, eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden“, erklärt David Krienke die Vorgehensweise und gibt zu bedenken, dass auch die Vermieter auf Einnahmen angewiesen sind.

Das gelte für die Großen wie die Kleinen, wobei Letztere aus seiner Sicht aktuell nicht ausreichend berücksichtigt werden. „Da tragen Mieteinnahmen ja oft zum Lebensunterhalt oder Abtragen eines Kredits bei. Bleiben sie aus, führt das bei ihnen noch schneller zu Problemen als bei einem größeren Anbieter."Auch sei der Schutz vor einer Wohnungskündigung bis 30. Juni nur gegeben, wenn die Zahlungsschwierigkeiten wirklich Folge der Corona-Krise sind. „Also wenn das Kurzarbeitergeld nicht reicht oder ein Selbständiger keine Einkünfte hat“, so Krienke. „Die meisten Vertragspartner lassen mit sich reden“, weiß er aus Erfahrung. Am besten sei es natürlich, das Gespräch rechtzeitig zu suchen.

Bei den Soforthilfeprogrammen für Selbstständige sieht der gelernte Bankkaufmann und Betriebswirt, der seit 15 Jahren in der Schuldnerberatung tätig ist, noch andere Probleme. So seien unter anderem Stichtage zu beachten. „Bestand da zum Beispiel bereits eine offene Forderung des Finanzamtes, gilt dies als Ausschlussgrund.“ Auch sei nicht jedem Antragsteller klar, dass die Soforthilfe dazu dienen muss, die Betriebstätigkeit zu erhalten. „Da geht es also nicht um die Absicherung des Lebensunterhalts.“ Prüfen müsse man da stattdessen, ob gegebenenfalls andere Möglichkeiten über das Jobcenter bestehen.

Team arbeitet interdisziplinär

Dass er einmal in der Schuldner- und Insolvenzberatung eines sozialen Trägers wie der Diakonie tätig sein würde, hätte er einst nicht gedacht. „Ich kannte dieses Angebot nicht einmal, aber ich berate gern dem Bedarf entsprechend und habe auf eine Stellenausschreibung reagiert“, erzählt David Krienke, der seit zehn Jahren an der Spitze des achtköpfigen Teams steht. „Wir arbeiten interdisziplinär und bringen unterschiedliche Erfahrungen mit.“

So sei er dankbar, dass auch Ältere dabei sind, die „die Irrungen und Wirrungen der 1990er-Jahre mitgemacht haben“. Dieses Wissen sei mitunter sehr wertvoll. „Auch jetzt stehen wir vor neuen Herausforderungen, wird vieles nicht mehr so sein wie vor dem Coronavirus.“

Nicht unterschätzen dürfe man zudem, dass finanzieller Druck oft Folgen für die Psyche und Gesundheit hat. Vor allem Selbstständige und Erwerbstätige hätten einen hohen Antrieb, Dinge selbst zu regeln. „Dazu kann ich nur ermutigen“, sagt David Krienke. „Wer Rat benötigt, ob er auf dem richtigen Weg ist, kann sich gern an uns wenden.“

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

Beratungsstelle in Seelow

Kontakt: Feldstraße 3e, 15306 Seelow, Tel. 03346 8969-24, Fax 03346 8969-34, E-Mail schuldnerberatung@diakonie-ols.de.

Das Team um David Krienke hat 2019 insgesamt 2924 Beratungsgespräche  geführt.

Informationen auch zu weiteren Beratungsangeboten im Internet unter www.diakonie-ols.de.