Seit Montag gehen sie daran, den Menschen wieder ein Stück Normalität zurückzugeben. Die Auftragsbücher sind bis Anfang Juni bei den meisten voll.
"Ich habe den Salon ja erst seit Anfang des Jahres", sagt Andrea Höhne in Gusow. Den Start in die Selbstständigkeit hatte sie sich auch anders vorgestellt. Aber mit Unterstützung der ganzen Familie sei es ihr gelungen, die Corona-Krise bis jetzt zu bewältigen. "Seit Bekanntwerden der Lockerung auch für uns standen die Telefone nicht mehr stell", erzählt sie. "Unsere Kunden sind sehr verständnisvoll. Auch wenn es darum geht, die Formulare auszufüllen", bedankt sich Andrea Höhne. Aber mit Vor- und Nachbereitung dauere jeder Termin viel länger als sonst und somit könnten auch nicht so viele Kunden bedient werden. Der Umstand, dass sie keine Fußpflege anbieten darf, stoße auf Unverständnis. "Viele Ältere warten schon sehnsüchtig darauf, dass dies wieder möglich ist." Aus Seelow hat sich Seniorenbeiratsvorsitzende Gisela Reich schon bei der Landesregierung gemeldet, um Alarm zu schlagen. "Fußpflege ist ein ganz wichtiges Thema bei den Senioren", betont sie. Und versichert, da nicht locker zu lassen.

Kunden sind verständnisvoll

"Die Kunden sind froh, dass wir wieder für sie da sind", berichtet Linda Dewitz im Salon Schwefel in Neutrebbin. "Alle sind glücklich." Die Frau, die sich gerade die Haare färben lässt, nickt. Sie freut sich vor allem, dass sie vom Salon aus angerufen worden ist und man ihr einen neuen Termin angeboten hat. Ausgefallen sei nur einer. "Bei meiner Haarlänge war das kein Problem und wahrscheinlich hätte ich noch länger aushalten können", meint die Frau und fügt hinzu: "Wieder einen ordentlichen Schnitt zu haben, fühlt sich aber einfach gut an." Damit tue man etwas für sich selbst. Zwischendurch hat es an der Tür geklingelt. Es ist der nächste Kunde, dem Linda Dewitz während der Einwirkzeit dann den Kurzhaarschnitt wieder in Form bringen wird.
"Mal schauen, wie es weiter geht", sagt sie und findet, dass das Arbeiten unter Mund-Nasen-Schutz anstrengend bis unangenehm ist. Die Masken der Kunden werden am Hinterkopf mit einer Haarnadel zusammengehalten, damit sie nicht verrutschen. Die Bitte um eine Zeitschrift muss Linda Dewitz allerdings ablehnen. "Stimmt ja", reagiert ihre Kundin und füllt stattdessen erst einmal den "Beauty-Check" aus, in dem die Daten der Kunden sicherheitshalber festhalten werden sollen. Damit im Falle eines Covid-19-Falls Kontakte nachverfolgt werden können.

Termine im Schichtbetrieb

Im Letschiner Salon von Hanka Günther wird im Schichtsystem gearbeitet. Von 7 bis 20.30 Uhr sind die Meisterin und ihre drei Angestellten seit Montag im Einsatz. Der Salon wurde umgestellt. Der Wartebereich verschwand. Dafür haben Ehemann Peter Günther und der Ortwiger Tischlermeister Andreas Knoop die nötigen Infektionsschutzwände an der Kasse und am Waschplatz gebaut. "Unsere Kunden zeigen viel Verständnis und kommen meist auch schon mit den Mund-Nasen-Schutz. Aber wir haben hier auch welche vorrätig", sagte Hanka Günther. Sie selbst hat sich eine mit Motiv ihrer Lieblingsband gekauft, der Kelly Family.
Bei Birgit Kallee in Seelow freut sich Susan Wenzel nach sechs Wochen Kurzarbeit zurück zu sein. Eine Kollegin ist bereits im Feierabend. Wer zu früh zum Termin kommt, muss schon mal vor der Tür warten. Tags zuvor seien zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes da gewesen, erzählt die Chefin: "Es gab keine Beanstandungen." Angerufen habe man vor dem Start die Stammkunden und vor allem die Älteren, die einmal in der Woche kommen. "In 14 Tagen wird es bestimmt auch wieder etwas ruhiger."