Für die meisten der zahlreichen Gäste der Eröffnung der neu gestalteten Heimatstube in Altfriedland war es am Freitagabend eine Überraschung: Neuhardenbergs Bürgermeister Mario Eska und Ortsvorsteher Dieter Arndt nutzten die Gelegenheit, um den langjährigen Vorsitzenden des Vereins „Langes Haus Altfriedland“ mit der Ehrenbürgerwürde auszuzeichnen.
Es ist die vierte Ehrung dieser Art der 2800-Einwohner-Gemeinde, die am Samstag, 10. Juni, ihr 675. Jubiläum feiert. Im Januar 2007 war Fliegerkosmonaut Sigmund Jähn damit geehrt worden, es folgten Christa Starke (Kirche) und der einstige Bürgermeister und Landrat Alfred Lipfert. Die Gemeinde hatte zwar den Beschluss dazu erst Anfang Mai gefasst, wollte aber die Gelegenheit zur Würdigung aus Anlass des 30. Jahrestages der Vereinsgründung in Altfriedland abwarten.
Am Langen Haus in Altfriedland: Bürgermeister Mario Eska und Ortsvorsteher Dieter Arndt ehren Alfred Effert.
Am Langen Haus in Altfriedland: Bürgermeister Mario Eska und Ortsvorsteher Dieter Arndt ehren Alfred Effert.
© Foto: Ulf Grieger

Als Vertriebener neue Heimat gefunden

Alfred Effert ist 1935 in einer deutschböhmischen Familie im tschechischen Jungbuch, dem heutigen Mladé Buky, südlich des Rehorngebirges, im engen Tal der Aupa geboren. Als Zehnjähriger hat er die Vertreibung erlebt, die ihn erst ins zerstörte Magdeburg, dann ins Vogtland geführt hatte. In Halle, wo er das Lehrerstudium absolvierte, lernte er seine Frau kennen. „Wir waren im selben Semester“, erzählt Johanna Effert.
Während sie in Neuhardenberg lehrte, begann Alfred Effert 1956 sein Berufsleben als Kollege von Rudi Vogt in Küstrin-Kietz. Ein Jahr später schon war er an der Neutrebbiner Schule, wo er bis 1992 neben den Fächern Biologie und Chemie vor allem Heimatliebe gelehrt hat.
Die Liebe zu seiner böhmischen Heimat und die zu seiner Nachkriegsheimat, dem Oderbruch und der Märkischen Schweiz, ist bis heute geblieben. Mit der Altfriedländer Wandergruppe war er häufig im Riesengebirge, in die Welt Rübezahls, die für Alfred Effert die schönsten Kindheitserinnerungen birgt.
Generationswechsel eingeläutet: Uli Dahl, Vorsitzender des Vereins "Langes Haus Altfriedland" bei der Eröffnung der neuen Heimatstube "Zwischen den Seen".
Generationswechsel eingeläutet: Uli Dahl, Vorsitzender des Vereins „Langes Haus Altfriedland“ bei der Eröffnung der neuen Heimatstube „Zwischen den Seen“.
© Foto: Ulf Grieger

Vor 30 Jahren Verein „Langes Haus“ gegründet

Gleich nach dem Ruhestandsbeginn 1993 gründete Alfred Effert den Verein Langes Haus, der sich seither um den Erhalt der Naturschönheiten und vor allem um die Vermittlung des Wissens darum verdient gemacht hat. In seiner Dankesrede konnte Alfred Effert mit Genugtuung feststellen, dass der Generationswechsel im Verein gelungen ist.
Langes Haus Altfriedland bei Wriezen: Die Heimatstube an der Grenze zur Märkischen Schweiz ist der 43. Kulturerbeort im Oderbruch. Uli Dahl und Tobias Hartmann enthüllen die Plakette.
Langes Haus Altfriedland bei Wriezen: Die Heimatstube an der Grenze zur Märkischen Schweiz ist der 43. Kulturerbeort im Oderbruch. Uli Dahl und Tobias Hartmann enthüllen die Plakette.
© Foto: Ulf Grieger
Sichtbares Zeichen dafür, dass die zunehmend auch jüngeren Leute um den Vorsitzenden Uli Dahl viel zu bieten haben. Sei es die neue digitalisierte Heimatstube „Zwischen den Seen“, die der frisch gebackene Ehrenbürger mit eröffnen konnte, der Feldbackofen, der Schaugarten oder die Anerkennung als Kulturerbestätte im Oderbruch. Mit der entsprechenden Plakette als nun schon 43. Kulturerbeort der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zeichnete Tobias Hartmann vom Oderbruch-Museum Altranft das Lange Haus aus. Am 2. Juli soll als 44. Ort dann das Molkenhaus Bärwinkel diese Plakette bekommen.
Achtung Aufnahme! So entsteht das Dorfdrama "Wiesenwood" im alten Gutshaus
Filmdreh in Altfriedland
Achtung Aufnahme! So entsteht das Dorfdrama „Wiesenwood“ im alten Gutshaus
Altfriedland
Heimatstube in Altfriedland: Unter dem Motto "Zwischen den Seen" wird die Historie des Ortes an Hand von Geschichten von zwölf markanten Orten vorgestellt.
Heimatstube in Altfriedland: Unter dem Motto „Zwischen den Seen“ wird die Historie des Ortes an Hand von Geschichten von zwölf markanten Orten vorgestellt.
© Foto: Ulf Grieger
Uli Dahl informierte, dass sich sein Verein sich bereits Gedanken über die Teilnahme an den Workshops gemacht hat, die im Rahmen der Kulturerbepflege laufen. Dabei führen junge Oderbrücher Gespräche mit den Zeitzeugen über das Kulturerbe und bereiten das dann digital auf, so wie kürzlich im Schweizerhaus Seelow geschehen. Digital aufbereitet, werden die Geschichten von zwölf markanten Stätten Altfriedlands erzählt, die zugleich unterhaltsame Einblicke in die Dorfgeschichte geben.
Dorfgeschichte digital: Die moderne Technik macht die ohnehin spannende Geschichte von Altfriedland gleich noch mal so gut erlebbar.
Dorfgeschichte digital: Die moderne Technik macht die ohnehin spannende Geschichte von Altfriedland gleich noch mal so gut erlebbar.
© Foto: Ulf Grieger
Die von der Agentur „h neun“ gestaltete Ausstellung nutzt geschickt die Besonderheiten der kleinen Räume. So wurde aus einem ehemaligen Kriechkeller das Schaubild für die Flora und Fauna der wasserreichen Stöbber-Mündung.
Die Heimatstube ist auch am 10. und 11. Juni zu besichtigen. Denn der Verein beteiligt sich an der Aktion „Offene Gärten“. Am Sonntag spielt dort am Sonntag ab 14.30 Uhr die Band „KiwanoKey“.