Erneuerbare Energien: Gemeinde Vierlinden lehnt Windradbau bei Görlsdorf ab

Winderräder bei Sonnenuntergang: eine solche Kulisse wollen nur wenige Gemeinden in Sichtweite haben. Der Gemeinderat von Vierlinden hat jetzt mehrheitlich gegen einen Windpark bei Görlsdorf gestimmt.
McPHOTO/R. WaldkirchAngesetzt worden war die Sondersitzung, weil die Zeit eilt, erklärte Bürgermeister Constantin Schütze bei der erneuten Zusammenkunft nach einer Woche im Gemeindehaus von Diedersdorf. Die Abgeordneten waren bis auf Hans-Georg von der Marwitz vollzählig erschienen, im Zuschauerraum saßen ein Dutzend Gäste – meist Vertreter der Windkraft-Investorenfirmen und Mitglieder der Ortsbeiräte von Worin und Görlsdorf.
In Sorge um „Windpark Hufen“
Dass man sich nicht schon in der ersten Juli-Sitzung zu einer Entscheidung über den Bau der sieben Anlagen hatte durchringen können, lag daran, dass plötzlich neben den Investoren UKA Cottbus GmbH und eno-energy als dritter „Mitspieler“ die MLK Grundstücksverwaltungs Odervorland GmbH ihre Stellungnahme zum B-Plan für das Windeignungsgebiet 30 „Seelow-Vierlinden“ abgegeben hatte. Davon verunsichert, vertagten die Gemeindevertreter den Beschluss, um sich Hilfe vom Bauamt zu holen. Diese lag nun in der Sondersitzung den Abgeordneten als Infoblatt vor.
Rücksprache hielt die Verwaltung mit dem Planungsbüro Umweltplan Stralsund GmbH, das sich schon um das bisherige Erstellen des B-Plans „Windpark-Hufen“ als gemeinsames Projekt der Gemeinde mit den beiden Investorenfirmen im Windeignungsgebiet kümmert. Sie fassten zusammen, dass die Gemeinde mit dem B-Plan eine bauleitplanerische Steuerung anstrebt, um mit Regelungen im Windpark zehn 250 Meter hohe Windräder zuzulassen. Deren Anordnung und Anzahl wird durch die erforderlichen Abstände zwischen den Anlagen geregelt – aus Gründen der Standsicherheit und um Turbulenzen sowie Verschattungen zu vermeiden. Zugleich werden laut Planungsbüro die Siedlungsabstände berücksichtigt, auch der Verlauf der B 167, der Ortsumgehung Gusow-Platkow. Das Straßenbauvorhaben steht im Bundesverkehrswegeplan 2030 mit vordringlichem Bedarf, weshalb 100 Meter Freifläche beidseitig zur Trasse in der Planung berücksichtigt wurde.
Nach Rücksprache der Regionalen Planungsgemeinschaft Oderland-Spree und dem Planungsbüro empfahl die Amtsverwaltung die beim Landesamt gestellten Bauanträge der beiden Investoren-Firmen für die sieben Windräder aufgrund der bestehenden Veränderungssperre und des laufenden Bauleitverfahrens trotzdem abzulehnen, bis eine Planreife zum B-Plan herbeigeführt wurde.
Dem kam die Gemeindevertretung mehrheitlich nach – stimmte mit drei Ja-, sechs Nein-Stimmen und einer Enthaltung gegen den Windradbau. Zuvor gab es eine rege Debatte in der Sitzung. Dass die Gemeinde mit beiden Investoren am B-Plan festhalte, wurde dabei ebenso klar wie das Ansinnen der Ortsbeiräte von Worin und Görlsdorf mit seinen unmittelbar betroffenen Anwohnern. „Wir sind dafür dem B-Plan zuzustimmen, um geordnete Verhältnisse zu haben. Lieber zehn hohe Windräder als noch mehr kleinere“, kam von Görlsdorfs Ortsvorsteher Andreas Schlicht. Gegen das ganze Projekt war Klaus-Dieter Felsmann. „Es ist doch der Wille der Bundesregierung, nicht unserer. Es ist somit eine Entscheidung zwischen schlimm und noch schlimmer“, so der Woriner Abgeordnete.
Dritter Bewerber mit wenig Platz
Das Ablehnen der sieben Anlagen bringt den beiden Investoren nun Verzögerungen. Am B-Plan halten sie unabhängig davon fest. Dass die Firma MLK das Projekt gefährden könne, wurde negiert. Dafür seien deren Flächen mit drei Prozent zu klein. „Es wird Zeit, dass hier endlich mal die zehn Standorte der Windräder zementiert, sprich festgelegt werden“, sagte auch Besucher Henrik Wendorff als Eigentümer und Flächenbewirtschafter bei Worin. Das Planverfahren sollte zu Ende gebracht werden, damit Landwirte auch Sicherheit bekämen für ihre Feldwege. Dafür ist die Gemeinde auf dem Weg. Die Auslage des B-Plan-Vorentwurfs ist beendet. Nun folgen die Abwägungen. Laut Bauamt gab es wenige Hinweise von Bürgern.
Windpark-Pläneim Gemeindegebiet
In der Gemeinde Vierlinden sind zwei Windeignungsgebiete ausgewiesen worden – das WEG 30 "Seelow-Vierlinden" und das WEG 39 "Friedersdorf-West". Das 39er-Areal betrifft Dolgelin, Friedersdorf und Diedersdorf und strahlt bis in die Nachbargemeinde Lindendorf hinein – dort sollen 15 Mühlen entstehen. Das Gebiet 30 betrifft Görlsdorf, Worin und Seelow, grenzt an den bestehenden Windpark an und soll zehn neue Windräder beinhalten. Schon 2016 hatte Vierlinden beschlossen, auf Gemeindekosten auf beide Gebiete B-Pläne zu legen, um auf das baurechtliche Geschehen Einfluss nehmen zu können. ⇥co
