Es gibt Dörfer im Oderbruch, da ist über vier Jahre kein Kind geboren, wie Friedrichsaue. Mancherorts fallen ganze Jahrgänge aus wie in Bleyen an der Warthemündung oder Hathenow bei Lebus. Mitunter können Zugezogene die Lücken auffüllen. Doch allein schon an den Bezeichnungen der Spielgemeinschaften im Nachwuchsfußball sieht man, wie viele Dörfer nötig sind, um überhaupt eine Mannschaft zusammenzubekommen.

Selten Kinder am Spielplatz anzutreffen

Für die Familie von Angeline Piesche war das nicht überraschend. „Wir hatten uns ja zuvor schon in Altbleyen umgeschaut, bevor wir 2020 dorthin gezogen waren. Unser Sohn war ein Jahr zuvor noch in Rüdersdorf auf die Welt gekommen.“
„In Altbleyen gibt es ja auch keinen Spielplatz und auf der Sport- und Spielanlage in Neubleyen, wo es nun ein neues Klettergerüst gibt, sieht man auch selten Kinder“, sagt die Mitarbeiterin des Tourismusverbandes Seenland Oder-Spree. In Kontakt mit anderen Eltern gleichaltriger Kinder zu kommen, die Kinder miteinander spielen lassen – das brauche schon eine gute Organisation und macht mehr Aufwand, als in der Stadt.

Gute Angebote in der Kreisstadt Seelow

Schon bei der Bewältigung des Alltags könnte man da, wo vielleicht die Großeltern oder Verwandte in der Nähe wohnen, Unterstützung erfahren. „Es ist so, dass unsere Mütter schon Rentnerinnen sind, sodass sie aus Berlin und Bad Doberan auch mal zu uns kommen und uns unterstützen“, erzählt Angeline Piesche. Sie ist froh, dass sie mit der Integrations-Kita „Schwalbennest“ der Lebenshilfe in Golzow auch eine Einrichtung gefunden hat, in der sie ihren Sohn gut aufgehoben weiß. Vor allem aber nutzen die jungen Eltern die Angebote des CVJM in Seelow.
Dort gibt es das Familienzentrum „Das Nest“, in dem es regelmäßig Elterntreffs gibt, bei denen man Kontakte knüpfen kann. In Manschnow und Seelow gibt es zudem Familiensportnachmittage, die sie auch gern besuchen. „Schön wäre es allerdings, wenn wir in der Nähe, zum Beispiel in Golzow, auch so einen Elterntreff hätten“, sagt sie in Hinblick auf das Gemeindezentrum und den „Dorfladen-plus“ im Ort der Kinder von Golzow.

Corona hat die Situation erschwert

Erschwerend kam für die junge zugezogene Familie natürlich die Corona-Pandemie hinzu. Üblicherweise lernt man sich bei verschiedenen Veranstaltungen in der Region näher kennen. Doch das gab es ja fast zwei Jahre lang nicht. Um so mehr habe man Zuneigung der Nachbarn im kleinen Dorf schätzen gelernt, die sich immer freuen, wenn wieder ein Kinderlachen ertönt und man mit Roller und Dreirad auf der Dorfstraße unterwegs ist. Damit sind die Bleyener nicht verwöhnt, wie ein Blick in die Statistik zeigt: Zwei Kinder sind in den vergangenen fünf Jahren dort auf die Welt gekommen. Wer in so einem Dorf aufwächst, hat es vor allem mit Erwachsenen zu tun.

Elterncafé in Vorbereitung

Im Bober-Haus Letschin hat Johanna Birkwald ihr Büro bezogen. Sie ist dort seit dem 1. März für den großen Bereich Seelow-Land und Letschin als Familienberaterin in Aktion. Für diese Aufgabe bringt sie langjährige Erfahrungen aus der Erwachsenenbildung mit. Sie hatte für einen Bildungsträger im Berliner Projekt „Kietz-Küchen“ gearbeitet, bei dem es auch darum ging, Müttern mit Migrationshintergrund eine Berufsbildung zu ermöglichen. Im Oderland nun bietet sie „aufsuchende Familienberatung“ an. Und die ist kostenlos für die Familien, weil sie kommunal finanziert wird.
Aufsuchende Familienberatung: Johanna Birkwald ist seit 1. März für den großen Bereich der Gemeinde Letschin und das Amt Seelow-Land Ansprechpartnerin für Familien und deren Alltagssorgen.
Aufsuchende Familienberatung: Johanna Birkwald ist seit 1. März für den großen Bereich der Gemeinde Letschin und das Amt Seelow-Land Ansprechpartnerin für Familien und deren Alltagssorgen.
© Foto: Ulf Grieger
Das heißt, sie wartet nicht darauf, dass sich Familien mit ihren Problemen an sie wenden (Tel. 0152 02050748 bzw. Mail: birkwald@letschin.de), sondern ist bemüht, selbst in den Dörfern zwischen Gieshof-Zelliner Loose und Falkenhagen auch vorbeugend und niederschwellig zu beraten. Das Spektrum reicht von überforderten Eltern über die Unterstützung beim Etablieren von Krabbelgruppen junger Eltern bis hin zu den speziellen Sorgen von Pendler-Familien in kleinen Dörfern. Sie sieht ebenso wie Angeline Piesche eine gute Unterstützung in Schaffen von Treffs für junge Eltern. Deshalb plane sie auch, zunächst im Boberhaus und dann da, wo es sich gut eignet, Elterncafés einzurichten. „Es ist ganz wichtig, dass Eltern auch darauf achten, Zeit für sich zu haben. Sonst kommt es leicht zur Überforderung“, rät sie.
Wie können Familien in Brandenburg Gehör finden? Dazu starten wir auf MOZ.de eine große Umfrage zur Familienfreundlichkeit.
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