Bis 2019 war das Leben von Nadine Mollitor noch ganz normal. Ursprünglich kommt sie aus Petershagen-Eggersdorf, doch längst lebt sie mit ihrer Ehefrau Daniela in Küstrin-Kietz. 2019 haben sie geheiratet, erfreuen sich daheim an ihren fünf Hunden. Nadine Mollitor war Redakteurin, arbeitete beim Fernsehen, zuletzt als Marketing-Managerin im Vertrieb. Sie war viel unterwegs. „Ich war immer müde. Habe das mit Energy-Drinks überspielt und bin umgefallen“, erklärte sie MOZ.de.
Sie landete in der Notaufnahme, kam ins Krankenhaus. Die Diagnose riss ihr wortwörtlich die Füße unterm Boden weg. Tetraparese. Das ist eine inkomplette Lähmung der Skelettmuskulatur aller vier Extremitäten. „Ich habe einen Gen-Defekt im Rückenmark, die Nerven lösen die Querschnittslähmung aus. Das sorgt dafür, dass ich mich irgendwann gar nicht mehr bewegen kann.“ Die Krankheit sei eindämmbar, nicht heilbar. Außerdem hat sie 86 Prozent männlicher statt weiblicher Hormone, braucht Medikamente. „Und zu guter Letzt habe ich auch noch das HAIR-AN-Syndrom, das ist eine sehr seltene Insulinresistenz, verbunden mit vielen Schmerzen“, berichtet die 35-Jährige.

Seit diesem Jahr im Rollstuhl

All dies habe dazu geführt, dass sie sich über die Jahre kaum noch bewegen konnte. Seit Anfang 2022 sitzt sie im Rollstuhl. „Ich kann nur noch fünf Meter laufen, auch nicht mehr arbeiten“, gibt sie zu. Es fehle das Gefühl in den Armen und Beinen, „alles kribbelt.“ Im unteren Rücken spüre sie gar nichts mehr. Zwölf Tabletten nimmt sie am Tag, hat Pflegegrad 4 und benötigt ständig Hilfe.
Doch Nadine Mollitor lässt sich nicht unterkriegen. Seit Feststellung ihrer Erkrankungen klagt sie gegen das Landesamt für Versorgung und die Deutsche Rentenkasse, um an ein neues Auto zu kommen. Bislang haben sie einen alten BMW, Baujahr 2003. „Das Auto rostet an allen Stellen, verliert schon Teile“, erzählen die Frauen. In den Kofferraum passe der Rollstuhl nur auseinandergebaut. „Das ist immer ein riesiger Aufwand.“

Gebraucht wird ein neues, behindertengerechtes Auto

Nadine Mollitor will aber weiter mobil bleiben, braucht ein neues, behindertengerecht umgebautes Fahrzeug. „Das ist mehr als wichtig, auch um zu Ärzten zu kommen.“ Das Auto braucht einen Notfallknopf, Fahrassistenz, muss den Rolli selbst in den Kofferraum verladen. Mindestens ein Bus-Typ. Machbar wäre das in einem großen Peugeot. „Ich könnte das Auto per Handschaltung selbst fahren“, schwärmt sie. Das Auto mitsamt Umbau kostet aber 22.000 Euro. „Der Peugeot steht in Lüdenscheid bei einer Firma, die auf Umbau sogar spezialisiert ist. Sie würden das Auto auch herbringen“, erklärt Nadine Mollitor.
Doch manchmal hilft der Zufall. Im privaten Umfeld wohnt der Leiter der Berliner Marketingfirma Mediatec. Und er kennt Nadines Geschichte, wollte helfen. Längst wurde online ein Spendenaufruf gestartet. Da waren am Mittwoch (24. August), Stand 16 Uhr, schon 1875 Euro zusammen gekommen. Und Mediatec veranstaltet am Sonnabend das „FamilyFunDay Benefiz“ zugunsten von Nadine Mollitor und anderer Betroffener von seltenen Erkrankungen am Baggersee von Gusow bei Seelow.
Willkommen am Strandbad: Ein großes Wandbild schmückt den Eingangsbereich.
Willkommen am Strandbad: Ein großes Wandbild schmückt den Eingangsbereich.
© Foto: Cornelia Link-Adam

Doch warum am Gusower Strandbad?

Stattfinden wird alles am Strandbad und Camping Oderbruch. Das Areal hat Nadine Mollitors Bruder Jörg mit seiner Frau Julia in Corona-Zeiten erst übernommen. Nadine ist Gründungsmitglied vom Verein, hat mit Daniela auf dem Areal angepackt, auch trotz Einschränkung. „Wir sind halt ein Familienbetrieb.“ Auf dem Areal gebe es genügend Platz, daher sei die Location ideal. Und gut 30 Helfer packen mit an. Das Benefiz geht von 10 bis 18 Uhr. Zufahrt ist über den Derfflinger Weg, Abfahrt über den Plattenweg. Auf Eintritt zum Benefiz wird verzichtet, dafür wird um Spenden gebeten.
Reden halten werden anfangs die Bundestagsabgeordnete und Schirmherrin Simona Koß (SPD), aber auch Petra Stadler und Thomas Drewing von der Seelower Stadtverwaltung sowie Frank Kraft als Gemeinde-Bürgermeister von Gusow-Platkow. „Wir haben viel Unterstützung erfahren“, sagt Nadine Mollitor auch dankbar über die Verwaltung von Seelow-Land. Dessen Amtsdirektor Steffen Lübbe kommt ebenfalls.

Das Programm ist abwechslungsreich

Freuen können sich Besucher auf Vorführungen durch die Bundespolizei und das DRK. Auch die Seelower Feuerwehr macht Technikschau. Reinhard Wunderlich aus Gusow bietet Trabi-Fahrten an, das PostFässchen aus der Kreisstadt ist mit Bowle und Bubble-Tea dabei. Der Imbiss vom Strandbad hat geöffnet, allein 400 Bratwürste sponsert die Eberswalder Wurstfabrik und der Dorfclub stellt Sitzbänke bereit, die Seelower Stadt sogar noch Zelte. Maik Gesche aus Quappendorf macht Kanu-Verleih und Bogenschießen.
Für Familien bietet die BIG-Krankenkasse die „Big Family Games“ – mit so lustigen Stationen wie Schuh-Weitwurf. 120 Urkunden sind vorbereitet, für die TOP-3 gibt es auch Medaillen, kündigen Mollitors an. Außerdem gebe es Gulasch-Kanone mit Kartofffelsuppe (auch vegetarisch), Zuckerwatte, Bierwagen und Musik. „Anna Hilbert und Pia Rauch treten auf der Bühne mit ihren Bands und Popsongs auf, zudem DJ Tom.“
Viel Platz: Im Waser und am Strand vom Gusower Baggersee gibt es am Sonnabend unterschiedlichste Angebote für den guten Zweck.
Viel Platz: Im Waser und am Strand vom Gusower Baggersee gibt es am Sonnabend unterschiedlichste Angebote für den guten Zweck.
© Foto: Cornelia Link-Adam

Tombola mit 200 Preisen – sogar Online-Coaching durch Lars Riedel ist dabei

Ein Anlaufpunkt wird sicherlich die Tombola sein. Über 200 Preise gibt es, keine Nieten. Fünf Euro kostet das Los, dafür gibt es Tickets und Kleidung von Vereinen wie Hertha, Union und Eisbären Berlin sowie Eintrittkarten zu Veranstaltungen, Konzerten, für Hotels und Wellness-Anlagen in der Umgebung zu gewinnen. „Ein Online-Motivationsvortrag mit Lars Riedel im Wert von 3900 Euro ist auch dabei“, sagt Nadine Mollitor stolz. Sie hat ihre alten Kontakte bei der Sponsoren-Suche gekonnt genutzt. Alle Preise werden vor Ort verlost. Der gesamte Erlös geht in den Spendentopf der Benefizveranstaltung.

Auch Forschung und Stiftung sollen profitieren

Natürlich wird auch über seltene Krankheiten informiert. Nadine Mollitor will aufklären, ist mit eigenem Stand und Buch dabei. Wichtig ist ihr, dass aber auch die Forschung für Nervenkrankheiten weiter unterstützt wird. Daher wird alles an Geld, was über die 22.000 Euro für das Auto eingenommen wird, zu gleichen Teilen an die klinische Forschungsgruppe die „Sektion Klinische Neurogenetik“ des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung in Tübingen sowie die „ZNS – Hannelore Kohl Stiftung für Unfallverletzte mit Schäden des Zentralen Nervensystems“ gehen.