100 Jahre Buschdorf
: Dorf bei Seelow feiert großes Fest am Backofen

Lange wurde das 100-jährige Jubiläum von Buschdorf bei Seelow vorbereitet. Das Fest vereint Dorfleben, Traditionen und Krisen im Oderbruch.
Von
Katja Gehring
Buschdorf
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Karin Finsel, Ortsvorsteherin von Buschdorf und Michael Oelsch, Vize-Bürgermeister von Zechin

Feiern bei Seelow: Ortsvorsteherin Karin Finsel und Zechins Vize-Bürgermeister Michael Oelsch laden zum 100-jährigen Jubiläum von Buschdorf. Fast ein Jahr lang wurde das Fest vorbereitet.

Katja Gehring
  • Buschdorf bei Seelow feiert 100 Jahre – Feststart am Samstag, 1. August, 13 Uhr.
  • Festkomitee bereitete fast ein Jahr vor und zeigt Ausstellung „100 Jahre Buschdorf“.
  • Programm: Theaterstück, Blasmusik, Linedance, Feuerwehr, Spiele, Disco und Lasershow.
  • Ort verbindet Jubiläum mit Backofenfest; Korbmachermuseum und Backofen sind geöffnet.
  • Gäste aus Helperknapp bringen Waffeln mit, Eintritt: Erwachsene 4 Euro, Kinder ab 7 Jahren 1,50 Euro.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Fast ein Jahr lang wurden die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Buschdorf, einem Ortsteil der Gemeinde Zechin bei Seelow, vorbereitet. Die Bildung eines Festkomitees war nur der Anfang. Die zehn Mitglieder kümmerten sich darum, Geschichte aufzuarbeiten, Bilder zu finden und eine Ausstellung vorzubereiten. Große Banner an vielen Zäunen im Dorf weisen seit Wochen auf das Jubiläum hin.

Mittlerweile zählt das Dorf 150 Einwohner. Die Korbmacherwerkstatt, der Dorfbackofen und die Backscheune zählen zu den Besuchermagneten des Orts, der einmal im Jahr zum Backofenfest aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Die Party am Samstag, 1. August, die Bürgermeister Dirk Lexow um 13 Uhr auf dem Festplatz eröffnet, soll noch größer werden als sonst.

„Das 100-jährige Bestehen Buschdorfs in der Gemeinde Zechin ist weit mehr als ein historisches Jubiläum“, betont Tino Krebs, Amtsdirektor von Golzow, zu dem Buschdorf gehört. Es sei ein Anlass, auf eine bewegte Geschichte zurückzublicken und gleichzeitig den Menschen zu danken, die das Dorf über Generationen hinweg geprägt und lebendig gehalten haben. „Buschdorf steht beispielhaft für den Zusammenhalt im ländlichen Raum, für gelebte Traditionen und für ein außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement.“

Friedrich II. lockte Familien nach Buschdorf bei Seelow

Buschdorf bildete sich 1926 aus den drei Spinnerdörfern Baiersberg, Gerickensberg und Lehmannshöfel. Nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) war Brandenburg-Preußen wirtschaftlich stark geschwächt.

König Friedrich II. wollte die Wirtschaftskrise durch eine positive Handelsbilanz, hohe Zölle und die Entwicklung von Manufakturen überwinden. Im 18. Jahrhundert galt besonders die Textilproduktion als entscheidender Faktor für die wirtschaftliche Stärke eines Landes. 1774 stand auf illegale Ausfuhr von Wolle die Todesstrafe.

Den Wollfabriken fehlte es an Spinnerinnen und Spinnern. Fast alle anderen technologischen Prozesse der Tuchherstellung, wie Weben, Färben und Appretieren, waren in größeren Werkstätten vereinigt – Spinnen nicht. Mit der Errichtung von Heimarbeiterkolonien wollte der Staat das Problem lösen.

Friedrich II. lockte Familien mit ein wenig Land an. Sie sollten vorrangig für das Berliner Lagerhaus Wolle spinnen und im Sommer auf den Domänen Friedrichsaue und Wollup arbeiten. Dabei wurde die neue Heimat sehr farbenprächtig angepriesen, wobei verbindliche Zusicherungen jedoch vermieden wurden. Dass 1767 der Befehl zu Abgaben und Frondiensten erlassen wurde, traf die Spinner völlig unerwartet. Weil sie sich widersetzten, ist zu militärischen Mitteln gegriffen worden. Es folgten Deichbrüche und Überschwemmungen (1770, 1780, 1783 und 1785), die Spinner konnten die Lasten irgendwann nicht mehr tragen. Im Jahr 1805 endete das Kapitel der Wollspinnerei im Oderbruch.

Lasershow und Überraschung am Abend

„Wir haben überall versucht, alte Fotos zu finden“, berichtet Buschdorfs Ortsvorsteherin Karin Finsel über die Vorbereitungen der Ausstellung, die am Sonnabend um 14.30 Uhr eröffnet wird. Sie nicht nur die 100-jährige Geschichte, sondern auch Gegenwart und Zukunft. Wer wollte, konnte sich vor seinem Haus fotografieren lassen, um das Heute darzustellen. Und das Morgen greifen Einwohner in selbst geschriebenen Beiträgen auf, in denen sie ihre Vorstellung vom Ort formulieren.

„Wir haben überall versucht, alte Fotos zu finden.“
Karin Finsel
Ortsvorsteherin von Buschdorf

Die Neuauflage eines Theaterstücks aus dem Jahr 2007 verspricht ein weiterer Höhepunkt des Jubiläumsfests zu werden. Es handelt vom Spinnen, von Bettfedern und der Dorfschule. Protagonisten von damals sind auch in diesem Jahr wieder dabei. „Wenn auch teilweise in anderen Rollen“, so Michael Oelsch, stellvertretender Bürgermeister von Zechin und Mitglied im Festkomitee.

Auftritte der „Oderbrucher Blasmusik“ und der Linedance-Gruppe „Sunflowers“ sowie Vorführungen der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Zechin, Hufeisenwerfen, Zielangeln und ein Buschdorf-Quiz mit tollen Preisen runden das Nachmittagsprogramm ab. Ab 18 Uhr steigt die Disco mit einer Überraschung und späterer Lasershow (ca. 21.30 Uhr).

Backofen in Buschdorf, einem Ortsteil der Gemeinde Zechin

Auf der Festwiese: Das Jubiläum wird zusammen mit dem schon traditionellen Backofenfest gefeiert.

Katja Gehring

„Besonders freut mich, dass dieses Jubiläum mit dem traditionellen Backofenfest verbunden wird“, so der Amtsdirektor. Damit würden Geschichte, Kultur und Gemeinschaft auf authentische Weise erlebbar werden.

„Das Korbmachermuseum, der historische Backofen und die Sonderausstellung ‚100 Jahre Buschdorf‘ zeigen eindrucksvoll, wie wichtig es ist, unsere regionale Identität zu bewahren und an kommende Generationen weiterzugeben.“ Finanziert wird das Fest aus Spenden, Sponsoring, dem Etat der Gemeinde Zechin und zu einem großen Teil mit Lotto-Mitteln.

Fest bei Seelow: Waffeln aus Luxemburg, Gegrilltes und Hüte

„Ein besonderes Zeichen setzt zudem der Besuch unserer Freunde aus dem luxemburgischen Helperknapp mit dem Ortsteil Buschdorf“, findet Tino Krebs. Dass nahezu 100 Gäste den weiten Weg auf sich nehmen, unterstreiche die enge Verbundenheit der beiden Gemeinden und den hohen Stellenwert dieser langjährigen Partnerschaft. „Gerade in einer Zeit, in der Europa von gegenseitigem Verständnis und Zusammenhalt lebt, sind solche Begegnungen von unschätzbarem Wert“, so der Amtsdirektor.

Die Luxemburger haben für die Besucher des Jubiläumsfests einen besonderen Gaumenschmaus dabei: landestypische Waffeln. Außerdem gibt es frische Backwaren aus dem großen Ofen, Fischbrötchen, Gegrilltes, Knoblauch-Baguettes, Eis und die verschiedensten Getränke. Auch Händler werden vor Ort sein. Sie bieten Hüte, Holz- und Filzwaren, Liköre, Obst und Gemüse, Fleischprodukte sowie Honig an.

Ein 30 Meter langes Festzelt mit Tischen und Bänken lädt zum Verweilen ein. Wer mit dem Auto anreist, findet Parkplätze hinter der Festwiese und an der Schule. Direkt auf dem Gelände steht ein Toilettenwagen zur Verfügung.

Tino Krebs lädt die Bürger sowie Gäste aus der Region herzlich ein, dieses besondere Jubiläumswochenende zu feiern, und dankt allen Organisatoren, Vereinen, Ehrenamtlichen und Unterstützern für den großen Einsatz bei der Vorbereitung. „Sie leisten einen wichtigen Beitrag dafür, dass Buschdorf auch in Zukunft als lebendige und lebenswerte Ortschaft wahrgenommen wird.“

Erwachsene zahlen 4 Euro Eintritt, Kinder ab 7 Jahren 1,50 Euro.