Festungsmuseum Küstrin: Tafel für Kronprinz Friedrich zurück in Küstrin

Salut-Schüsse in der Schulstraße der Altstadt von Küstrin: Vor Eifer hat der Hauptmann der Letschiner Kanoniere (Helmut Lucas) glatt den Hut verloren. Die Kronprinzentafel ist zurück in der Friedrich-Stadt.
Ulf Grieger- Die Kronprinzen-Tafel kehrte nach 81 Jahren in die Küstriner Altstadt zurück.
- Feierliche Übergabe der Tafel zum 314. Geburtstag von Friedrich II. in der Schulstraße.
- Horst Herrmann (95) kehrte an seine Kindheitsstätte zurück, wo die Tafel einst hing.
- Übergabe der Oderbruchfahne stärkt deutsch-polnische Zusammenarbeit im Oderbruch.
- Streit um das Tafel-Fragment entbrannte bereits 2011 zwischen Fans und dem Museum.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Vor 81 Jahren war auch die Erinnerungstafel an den Aufenthalt des Kronprinzen Friedrich in der Festungsstadt Küstrin in Schutt und Asche untergegangen. Ein Rest der Tafel erinnert nun wieder daran, wo der spätere Preußenkönig Friedrich II. von 1730 bis 1732 mit seinen Pagen logiert hatte. Die feierliche Übergabe des Tafel-Fragmentes Tafel wurde zum 314. Geburtstag des Alten Fritz im Berliner Tor und in der Schulstraße zelebriert.
Natürlich ging es bei der Feierlichkeit, zu der die Letschiner Kanoniere unter Führung von Helmut Lucas mit Salutschüssen eine besondere Begleitung gegeben hatten, nicht nur um eine Hinweistafel. Das machten Letschins Bürgermeister Michael Böttcher, Kostrzyns Bürgermeister Dr. Andrzej Kunt und der scheidende Museumsdirektor Ryszard Skalba bei ihren Ansprachen deutlich. Die Übergabe markiert auch den erreichten Stand der vertrauensvollen Zusammenarbeit der Region über die Odergrenze hinweg: Das Gemeinsame in Geschichte, Gegenwart und Zukunft steht trotz aller Widersprüche im Küstriner Land und im Oderbruch im Vordergrund.
Mit 95 Jahren an der Stätte der Kindheit
Zur feierlichen Übergabe der Tafel, die 1993 aus dem Schutt der Häuser der Schulstraße geborgen worden war, war auch ein Mann eingeladen, der im Krieg vor 81 Jahren als Kind aus seiner Heimatstadt fliehen musste. Er hatte bis zur Vertreibung seiner Familie dieselbe Adresse, wie der Kronprinz und seine Pagen bei ihrem zwangsweisen Aufenthalt in der Festungsstadt ab 1730. Horst Herrmann, inzwischen 95 Jahre alt, wird immer wieder zum Jugendlichen, wenn er sich an seine Kindheit dort erinnert.
Natürlich wohnte seine Familie nicht mehr in dem Holzhaus, das der Kronprinz zwei Jahre lang zwangsweise bewohnen musste. Das war bei der schweren Zerstörung Küstrins im Siebenjährigen Krieg 1758 durch die russische Artillerie eingeäschert worden. Aber es war eines der Steinhäuser, die danach auf Befehl des preußischen Königs bis 1770 aus Steinen errichtet wurden und die Küstrin zur „Friedrichstadt“ machten. Nebenan stand das 1869 errichtete Gymnasialgebäude.
Auf das „Dritte Reich“ eingeschworen
Elf Jahre alt war Horst Herrmann, als er im Kietzer Tor der Küstriner Altstadt zum Mitglied des Deutschen Jungvolks (Pimpf) ausgebildet worden war. Sein Jungzugführer war Rudi Vogt. Der spätere Lehrer an der Kietzer Schule hatte vor Jahren auf Nachfrage von der Kriegsverherrlichung berichtet, mit der die Nazis auch die Küstriner Kinder reif für den „Heldentod“ gemacht hatten. Horst Herrmann wuchs in schlichten Verhältnissen auf. Sein Vater arbeitete bei der Baufirma Seefeldt, die Mutter war Hausfrau. Um die Familie zu unterstützen, trug Horst Herrmann das „Oderblatt“ aus. Aus dieser Zeit kannte er sämtliche Adressen und Winkel zwischen Altdrewitz und Kietzer Busch.
Als 14-Jähriger erlebte Horst Herrmann vor 81 Jahren, wie Küstrin in Asche fiel. Und damit nicht nur die Heimatstadt. Für den Pimpf, der unter seinem Jungvolkführer dem „Dritten Reich“ eingeschworen war, brach eine Welt zusammen. Er war ein Pimpf vom Fähnlein 1/140. Im Kino Apollo in Küstrin-Neustadt gab es an den Sonntagvormittagen Jugendfilmstunden, bei denen der Krieg verherrlicht und die Jugend zum Kampf aufgerufen wurde.
Die Deutsche Wochenschau berichtete nur über die siegreichen Erfolge, aber von den Greueltaten wurde keine Silbe erwähnt, berichtete er schon vor vielen Jahren. „Mit dem Oderblatt brachte ich mancher Familie Freud und Leid ins Haus. Der Krieg hat unsere Stadt zerstört, weil viele zu spät aufgewacht sind und keiner so richtig hingehört hat“, mahnt Herrmann, der sich dann beim Aufbau der DDR engagiert hatte und auf dem großen Grenzbahnhof Küstrin-Kietz eine Vertrauensstellung inne hatte.

Initiatoren der Nominierung für das Europäischen Kulturerbe-Siegel: Frank Schütz, (Golzow), Horst Wilke (Neulietzegöricke), Michael Böttcher (Bürgermeister Letschin), Norbert Kaul (Letschin), Gudrun Wendt (Oderbruch-Stiftung), Tobias Hartmann (Oderbruch-Museum) - von links - auf dem Oder-Deich.
Michael AnkerOderbruchfahne als Zeichen des Zusammenhalts
Die Rückkehr der Kronprinzen-Tafel nach Küstrin (Kostrzyn) soll die weitere deutsch-polnische Zusammenarbeit im Oderbruch befestigen. Nach dem Unfalltod von Wolfgang Bartsch im vorigen Jahr hatte sich Letschins Bürgermeister Michael Böttcher mit den Erbinnen, Sylvia Grund und Ines Bartsch, in Verbindung gesetzt. Er sei schon immer davon überzeugt gewesen, dass diese Kronprinzen-Tafel dahin gehört, wo sie herstammt: in die Altstadt von Küstrin-Kostrzyn, so Böttcher. Die Letschiner Delegation, zu der auch Vizebürgermeister Martin Wiese gehörte, übergab an Kostrzyns Bürgermeister Dr. Andrzej Kunt Fahne und Wimpel der Europäischen Kulturerbe-Region Oderbruch. Denn neben den historischen Lebuser, Angermünder und Oberbarnimer Teilen gehört dazu auch der Neumärkische Teil mit seiner einstigen Landeshauptstadt Küstrin.








