Gefräßige Gäste: Fischer wollen Kormoran-Kontrolle
Der Kormoran liebt Fische. Ein Tier verspeist täglich etwa ein Pfund davon. Bei mitunter Hunderten Tieren bringt das vor allem die Fischereibetriebe in Existenznot. Sie fordern ein Kormoran-Management, um den Bestand künftig zu regulieren.
Der schwarzgefiederte Fisch-Liebhaber galt noch vor einigen Jahrzehnten als gefährdet. Der Kormoran ist europaweit geschützt, hat sich im Bestand mittlerweile prächtig erholt. Langsam wird er für Fischereibetriebe zur Plage. „Wir wirtschaften in einem Naturpark“, sagt Stefan Timm, Inhaber der Fischerei in Altfriedland. „Das heißt, wir dürfen so gut wie nichts gegen den gefräßigen Räuber unternehmen. Das schmälert unsere Erträge schon erheblich, zumal wir im Sommer in Spitzenzeiten bis zu tausend Tiere auf unseren Teichen haben.“
Die Jungfische des Altfriedländers tummeln sich derzeit in sicheren Winterbecken. Zäune und Netze schützen davor, dass die Kormorane schon jetzt „ernten“. Hinzu kommen noch andere Fresslustige wie die Reiher oder Fischotter. „Im vergangenen Jahr haben wir aus dem zum ersten Mal aufgelegten Fonds des Landes einen kleinen Ausgleichsbetrag erhalten“, berichtet Stefan Timm. Der decke zwar nicht alle Verluste, sei aber ein erster Schritt. 260 ha Teiche bewirtschaftet der Fischer. Es werde immer schwerer, da die Erträge sinken, sagt er. Das Unternehmen könne sich nur noch zwei Mitarbeiter leisten. An Azubis sei gar nicht zu denken.
„Unsere Beruf wird aussterben“, sieht es Thomas Müller, Geschäftsführer der Schlaubefisch e.G. In Märkisch-Oderland und Oder-Spree bewirtschaftet das Unternehmen 270 ha. Er ist überzeugt, dass in den nächsten Jahren die ersten Fischteiche verschwinden und damit auch das üppige Nahrungsangebot für viele geschützte Tiere wie eben den Kormoran. „Er wird auf Seen ausweichen, aber die sind natürlich nicht so ergiebig“, weiß Müller. Die Kormorane aus den Kolonien rund um Altfriedland räubern auch kräftig in Falkenhagen und Lietzen. In den Teichen in Oder-Spree sehe es nicht besser aus. Auch Thomas Müller bekam 2018 Geld aus dem neuen Ausgleichsfonds. Die Verluste hatte er im Antrag auf 54 000 Euro beziffert, er erhielt den Maximalzuschuss von 30 000 Euro. Müller sieht die Zahlungen zwiespältig. Sie seien nur eine scheinbare Hilfe, denn der Fischer rechne schließlich mit dem Jungbesatz. Wird der weg gefressen, beginne man wieder vorn vorn. „Wir brauchen dringend ein Kormoran-Management“, sieht es der Fischer. Andere Nationen wie Dänemark würden zeigen, wie es trotz europäischer Schutzauflagen gehen kann. Geburtenkontrolle sei ein wichtiger Weg. In Dänemark würde ein Teil der Eier aus den Nestern entnommen.
Andreas Fischer von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises kennt die Sorgen der Fischer. Und auch das mitunter komplizierte Verfahren, um Verluste erstattet zu bekommen. „Die Unternehmen müssen einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden nachweisen“, sagt er. „Den in Zahlen konkret nachzuweisen, ist schwierig.“ Die Kormoranverordnung des Landes lasse auch Abschüsse zu, aber eben nicht in Schutzgbieten. Von den 2018 im Land abgeschossenen Kormoranen wurde nicht ein einziger in Märkisch-Oderland registriert. „Möglich sind Einzelanträge beim Landesumweltamt“, so Fischer. „Wir als Landkreis sind keine Verordnungsgeber.“ Möglicherweise müsste die Kormoranverordnung, die vor zehn Jahren erlassen wurde, überprüft werden.

