Jubiläum
: Schau über Hugo Simon im Schweizerhaus eröffnet

Im Schweizerhaus wurde die neue Ausstellung „Hugo Simon - Vom roten Bankier zum grünen Exilanten“ eröffnet.
Von
Ingo Mikat
Seelow
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  • Gemeinsame Besichtigung der neuen Simon-Ausstellung im Schweizerhaus: Graf Grother (von links), Marion Krüger, Dr. Sebastian Giesen, Gernot Schmidt, Prof. Dr. Rafael Cardoso und Dr. Anna-Dorothea Ludewig betrachten die Tafeln.

    Gemeinsame Besichtigung der neuen Simon-Ausstellung im Schweizerhaus: Graf Grother (von links), Marion Krüger, Dr. Sebastian Giesen, Gernot Schmidt, Prof. Dr. Rafael Cardoso und Dr. Anna-Dorothea Ludewig betrachten die Tafeln.

    Cornelia Mikat
  • Sensation: Die neu erworbene Gartenplastik "Hirsch-Eber" kehrt nach Seelow zurück.

    Sensation: Die neu erworbene Gartenplastik "Hirsch-Eber" kehrt nach Seelow zurück.

    Cornelia Mikat
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Zum Höhepunkt des Jubiläumsjahres zur 100-jährigen Gründung der Simonschen Anlagen hat der Heimatverein „Schweizerhaus Seelow“ eine neue Ausstellung über Hugo Simon eröffnet. Der Bankier, Landwirt, Kunstmäzen und sozial orientierte Politiker gehörte mit seinem gesellschaftlichen und politischen Wirken zu den markanten Persönlichkeiten des geistigen Lebens der Weimarer Republik.

1919 erwarb er das Areal des Seelower Schweizerhauses und begann seine Vorstellungen von einem ökologisch und sozial geführten Musterlandwirtschaftsgut mit zahlreichen Mitarbeitern umzusetzen. Nach der Machtergreifung der Nazis 1933 musste Hugo Simon wegen seiner jüdischen Herkunft und seiner politischen Stellung in der Gesellschaft – er vertrat pazifistischen und sozialistischen Positionen zugeneigte Überzeugungen –  mit seiner Familie bis nach Brasilien fliehen.

Arbeit des Vereins gewürdigt

Zur Eröffnung der neuen Ausstellung begrüßte die Heimatvereinsvorsitzende Marion Krüger, nicht nur die drei Ausstellungsgestalter - die Kuratoren Dr. Anna-Dorothea Ludewig vom Moses Mendelssohn Zentrum in Potsdam, den Urenkel Hugo Simons, Prof. Dr. Rafael Cardoso, sowie Julia Volkmar vom Studio for Spatial & Graphic Design, sondern auch zahlreiche Förderer und Sponsoren. Zu ihnen gehörten der Staatssekretär Thomas Kralinski, Landrat Gernot Schmidt, Vize-Bürgermeister Jörg Krüger, Dirk Riekers als Vorstandsmitglied der Sparkasse sowie das Vorstandsmitglied Graf Grother und der Geschäftsführer Dr. Sebastian Giesen von der Hermann-Reemtsma-Stiftung. Marion Krüger erinnerte an in den vergangenen Jahren bei der Wiederherstellung des Schweizerhauses und des umliegenden Areals von zahlreichen Vereinsmitgliedern und Helfern sowie Unterstützern geleistete umfangreiche Arbeit. Im 100. Jubiläumsjahr der Simonschen Anlagen konzentriere sich der Verein mit zahlreichen Veranstaltungen verstärkt auf die Wiederbelebung der geistig-kulturellen, künstlerisch-ambitionierten Traditionen des Mustergutes.

Nach brieflichen Kontakten besuchte Rafael Cardoso, der Urenkel Hugo Simons, 2013 das erste Mal Seelow.  2017 beschrieb er die Arbeit des Seelower Heimatvereins mit folgenden Worten: „Vor vielen Jahren wurde hier in Deutschland etwas Wertvolles zerstört. Diese Zerstörung hatte einen teuren Preis. Die Wunden dauern viele Jahrzehnte, um zu heilen. Das machen wir jetzt, wenn wir das Vermächtnis Hugo Simons ehren.“ Und sie fügte im weiteren Verlauf ihrer Rede hinzu: „Diese Ausstellungseröffnung ist mehr als nur das Präsentieren der Fakten und Fotos. Es ist das Ergebnis des Zusammenwachsens von lange getrennten Lebensläufen und Schicksalen. Sie ist aus meiner Sicht auch eine Antwort auf die Fragen und Probleme der Gegenwart. Die eigene Geschichte zu kennen ist wichtig, um Antwort auf die Fragen der Gegenwart zu haben.“

Mahnung für heutiges Handeln

Sebastian Giesen lobte wie auch Staatssekretär Thomas Kralinski und Landrat Gernot Schmidt, das Engagement der Mitglieder des Heimatvereins für die Wiederbelebung des Areals des Schweizerhauses und das Erinnern an seinen Gründer. Dabei hob Kralinski die überregionale Bedeutung der Arbeit des Heimatvereins hervor. Schmidt mahnte vor dem Schweizerhaus, bei heutigem Handeln und  Entscheiden stets die katastrophalen kulturzerstörerischen Folgen von Intoleranz und falsch verstandenem Patriotismus und Nationalismus zu bedenken.

Schließlich gab Anna-Dorothea Ludewig eine Einführung in die Ausstellung, die zuvor schon in Berlin in der Brasilianischen Botschaft viele Besucher anzog. Dabei erklärte sie: „ Aus dem Exil in Brasilien sind wir mit Hugo Simon also zurück nach Berlin gereist und nun stehen wir hier – in Seelow, in Hugo Simons Schweizerhaus und damit an einem authentischen Ort, seinem – davon bin ich jedenfalls überzeugt – Lieblingsort.“

Großplastik Hirsch-Eber

Parallel zur Ausstellungseröffnung präsentierte Marion Krüger einen von ursprünglich mehrere Güssen einer einst im Park aufgestellten Gartenplastik. Von dem von Hugo Meisel und Arthur Storch 1921 geschaffenen "Hirsch-Eber" existierten nur noch Bruchstücke. Dank der Unterstützung der Hermann-Reemtsma-Stiftung und der Stiftung der Sparkasse Märkisch-Oderland sowie dem Entgegenkommen  des Kunst & Auktionshauses Ruef aus Landshut konnte der Verein die wertvolle und einzigartige Skulptur erwerben. Für die Finanzierung ihres Kaufes sind, wie Marion Krüger erklärte, jedoch noch 4000 Euro offen. Dafür werden Spenden gesammelt. ⇥igo