Krasse Katze bei Seelow
: Lilly aus Manschnow überrascht die Familie

Katze Lilly aus Küstriner Vorland ist für die MOZ.de-Aktion „Krasse Katzen“ neun Tage mit GPS-Tracker unterwegs gewesen. Wo es sie hingezogen hat.
Von
Ulf Grieger
Manschnow
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Ziemlich beste Freunde: Katze Lilly hat mit den beiden Hunden des Hofes bei Seelow, Betty (4) und Lara (11) ein scheinbar eine gutes Verhältnis. Aber die Auswertung des Trackers offenbart eine Überraschung.

Ziemlich beste Freunde: Katze Lilly hat mit den beiden Hunden des Hofes bei Seelow, Betty (4) und Lara (11) ein scheinbar ein gutes Verhältnis. Aber die Auswertung des Trackers offenbart eine Überraschung.

Ulf Grieger

Seit nun schon zehn Jahren lebt die Katze Lilly bei Stefanie Bratke und ihrem Freund in der schmalen Friedhofstraße von Manschnow . Sie setzt ihr Frauchen immer wieder so in Erstaunen, dass Stefanie Bratke sich entschlossen hat, Lilly für die Aktion „Krasse Katze“ anzumelden.

Um die Frage zu klären: „Wo streift Lilly nachts umher?“, wurde Lilly vom 1. bis 11. Juli mit einem Tracker ausgerüstet, der ganz genau aufgezeichnet hat, wo die Katze auf der Jagd ist und wie es ihr geht. Das Ergebnis hatte auch Stefanie Bratke zum Teil überrascht.

Ausflüge bis zur Alten Oder und B1 befürchtet

Denn sie hatte befürchtet, dass ihre unternehmungslustige Katze nachts weitere Ausflüge etwa zur viel befahrenen B1 oder zur Alten Oder unternimmt. Ganz gewiss aber hatte sie vermutet, dass sich Lilly gerne auf dem Friedhof und am Heyengraben herumtreibt, der an der Friedhofstraße in einem unterirdischen Rohrsystem mündet, das die Ortslage Manschnow unterquert.

Doch Lilly hat offensichtlich ein überschaubares, abgerundetes Revier. Selten ist sie in der Trackerzeit weiter als 100 Meter vom Haus weg gewesen. Ein leeres Grundstück nördlich des Gehöftes von Stefanie Bratke gehört zu den Lieblingsorten der Katze. Dort hält sich Lilly täglich längere Zeit auf.  Doch das war für Frauchen keine große Neuigkeit. Viel überraschender ist aber doch die Tatsache, dass Lilly den eigenen Hof nahezu völlig meidet. Wie eine Insel ragt das Areal, auf dem die beiden Hunde Betty (4) und Lara (11) leben, auf den Aufzeichnungen der am meisten bestreiften Gebiete heraus. Ob Lilly der viel beschworenen Freundschaft zwischen den beiden Hunden und ihr doch nicht so traut?

Misstrauen überwiegt: Trotz scheinbarer Freundschaft zwischen den Hunden und Lilly meidet die Katze nachts meist den Hof.

Misstrauen überwiegt: Trotz scheinbarer Freundschaft zwischen den Hunden und Lilly meidet die Katze nachts meist den Hof.

Ulf Grieger

Vielleicht geht sie ganz nach dem Motto „nachts sind alle Katzen grau“ einem Konflikt aus Missverständnissen heraus dann doch eher aus dem Wege.

Und auch die schmale Friedhofstraße selbst ist eine Reviergrenze. Nur sehr selten ist sie auf den Grundstücken jenseits der Straße. Möglicherweise haben nicht so gut befreundete Katzen dort ihre eigenen Reviere. Stefanie Bratke hatte schon erklärt, dass Lilly zu den kleinsten Katzen dieses Wohngebietes gehört. Lilly nutzt die Straße eigentlich nur, um von dort aufs Fensterbrett des Wohnzimmers zu kommen, wo ihr dann meist Einlass gewährt wird, wenn sie lange genug hineingestarrt hat.

Lillys kleines Revier: Von einigen Streifzügen abgesehen, hält sich die Katze in der Manschnower Friedhofstraße fast ausschließlich auf den unmittelbaren Nachbargrundstücken auf.

Lillys kleines Revier: Von einigen Streifzügen abgesehen, hält sich die Katze in der Manschnower Friedhofstraße fast ausschließlich auf den unmittelbaren Nachbargrundstücken auf.

Frank Lorenz

Wandertag zur Druckerei Paulus&Partner

Ganz anders auf den Grundstücken im Süden. Dort befinden sich ebenfalls Lieblingsorte der Glücks-Katze. Dort gibt es wilde Wiesen, auf denen sie offensichtlich besonders gern ist. Doch mit den Grundstückgrenzen dieser Nachbaren endet dann auch das kleine Revier von Lilly. Es gibt lediglich regelmäßige Ausflüge in die etwas weitere Umgebung, bei denen sich die Katze jedoch nicht länger aufhält. Die weiten Felder im Osten ihres Reviers werden ebenso gemieden wie die große, parkartige Manschnower  Friedhofsanlage im Südwesten.

Mit einer markanten Ausnahme allerdings: Am 5. Juli hatte Lilly offenbar ihren Wandertag. Da stromerte sie ab 17.33 Uhr los und marschierte eine Stunde lang quer über den gesamten Friedhof. Dann stattete sie der Druckerei von Paulus&Partner eine Visite ab, und kehrte in weitem Bogen nach Hause zurück. Gleich zweimal überquerte die dabei den Heyengraben. Das war immerhin eine 230 Meter lange Wanderung nach Süden. Die Gründe dafür sind unbekannt. Nach Norden hingegen wandert Lilly nie viel weiter als 50 Meter vom Wohnhaus. So kommt sie auch nicht in die Gefahr, der B1 zu nahezukommen.

Heyengraben an der Freidhofstraße: Das Gewässer wird dort in ein Tunnelsystem unter Manschnow  geleitet. Lilly war im gesamten Trackerzeitraum nur einmal dort unterwegs.

Heyengraben an der Freidhofstraße: Das Gewässer wird dort in ein Tunnelsystem unter Manschnow geleitet. Lilly war im gesamten Trackerzeitraum nur einmal dort unterwegs.

Ulf Grieger

Mit dem Tracker Lilly besser kennengelernt

Im gesamten Zeitraum, in dem Lilly mit dem Tracker ausgestattet war, war die Katze 3,6 Stunden aktiv. 14 Stunden wurden als Ruhezeit angezeigt. Sowohl tags als auch nachts hat sie geschlafen. Unterwegs war sie nicht schnell, durchschnittlich 1,23 Kilometer pro Stunde, und hat täglich eine Strecke von 4,2 Kilometern zurückgelegt

Für Stefanie Bratke war die Tracker-Phase eine spannende Zeit, wie sie erzählt. „Lilly brauchte aber eine Weile, ehe sie sich an das ungewohnte Halsband gewöhnt hatte“, sagt sie. Sie freue sich darüber, dass sie ihr Tier in der Zeit noch viel besser kennenlernen konnte. Eine Zeit, in der wegen des Schichtdienstes ihres Freundes auch fast immer jemand zu Hause gewesen sei. Deshalb überlege sie nun, sich auch einen Tracker anzuschaffen, um Lilly weiter bei ihren Streifzügen zu beobachten.