„Wir hatten die Mittel beantragt, wussten aber nicht, dass es Lottomittel sind“, zeigte sich Thomas Drewing, Vorsitzender des Geschichts- und Heimatverein Gusow-Platkow am Donnerstag überrascht vom Geldsegen. Das Kulturministerium unterstützt den Aufbau der Ausstellung im Seelower Geschichtsbehnhof mit 25.000 Euro aus Lottomitteln des Landes Brandenburg. Der Verein freut sich, war doch bislang kein Geld für die Inneneinrichtung der Ausstellung geplant. „Etwas Geld haben wir aber auch schon aus dem Soforthilfeprogramm für Heimatsmuseen bekommen“, so Drewing.
Bahnhof Seelow Mark:  Thomas Drewing, Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins Gusow-Platkow ist glücklich über die Förderung.
Bahnhof Seelow Mark: Thomas Drewing, Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins Gusow-Platkow ist glücklich über die Förderung.
© Foto: Ulf Grieger

30 Jahre Alltagsgeschichte

Geplant ist eine Ausstellung über den Alltag in der Oderregion zwischen 1930 und 1960. Kulturministerin Manja Schüle erklärte dazu: „Was für ein interessantes Konzept! Geschichte von der Vor- bis zur Nachkriegszeit wird im ,O-Ton‘ aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt. Aus der Vielfalt der Erfahrungen und Wahrnehmungen entwickelt sich so ein sehr lebendiges Bild von regionaler Geschichte. Auf diese Weise entsteht im ehemaligen Seelower Bahnhofsgebäude ein neu- und einzigartiges Heimatmuseum. Das Ausstellungsprojekt leistet nicht nur einen maßgeblichen Beitrag zur historisch-politischen und kulturellen Bildung sowie zur Stärkung der regionalen Identität, sondern auch zum Kulturtourismus im Land. So sind die Lottomittel bestens angelegtes Geld.“
Seelower Bahnhof: Die Ausstellung wird mit der Gedenkstätte und dem Schweizerhaus ein Ensemble bilden.
Seelower Bahnhof: Die Ausstellung wird mit der Gedenkstätte und dem Schweizerhaus ein Ensemble bilden.
© Foto: Ulf Grieger

Perspektivwechsel zur benachbarten Gedenkstätte

Die Ausstellung im Geschichts-Bahnhof Seelow soll die Geschichte(n) der Vor-, Kriegs- und Nachkriegsjahre aus Sicht der Menschen in der Oderregion anhand von Originalzeugnissen und Erlebnisberichten erzählen. Gegenüber dem etablierten Gedenken an die Schlacht um die Seelower Höhen im April 1945 nimmt die Ausstellung einen Perspektivwechsel vor: Es soll eine ‘Geschichtswerkstatt‘ entstehen, in der die Schicksale unterschiedlicher Gruppen dokumentiert werden: Einheimische, Zwangsarbeiter, Flüchtlinge, Soldaten. Der Schwerpunkt liegt auf der Darstellung des Alltagslebens in der Region zwischen 1930 und 1960 – basierend auf Erfahrungen von NS-Regime, Krieg, Flucht, Wiederaufbau und Sozialismus.

Ausstellung im Emnpfangsgebäude des Bahnhofs

Der 2004 gegründete Geschichts- und Heimatverein Gusow-Platkow ist Kooperationspartner des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum bei der Ausbildung ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger sowie Mitglied im Tourismusverein Neuhardenberger Land. Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Seelow wurde 1877 eröffnet. Im Jahr 2015 hat die Stadt Seelow das von der Deutschen Bahn nicht mehr genutzte Haus erworben und dem Geschichts- und Heimatverein Gusow-Platkow zu Ausstellungszwecken zur Verfügung gestellt.

Millionenprojekt zur Sanierung

Das Empfangsgebäude des Seelower Bahnhofs hat durch seine Sanierung viel von seinem originären Charme zurückbekommen. Ermöglicht wird das durch die rund 1,2 Millionen Euro, die für die Maßnahme als Teilprojekt des EU-Fördervorhabens „Stätten der Erinnerung“ aus dem Interreg Va fließen. Das Gebäude an der Oderbruchstrecke RB 60 zwischen Eberswalde und Frankfurt hatte seine Schönheit Jahrzehnte lang hinter hässlichen Graffiti verstecken müssen. 1987 wurden nördlich Toiletten angebaut. Diese wurden nun ebenso abgerissen wie der Stellwerksanbau. Nach der Wende war alles in den Dornröschenschlaf gefallen. Bereits 2013 wurde das Umfeld verschönert. Im Jahr darauf kaufte die Kreisstadt das Gebäude. Europa-Staatssekretärin Anne Quart hatte im Mai 2018 die Fördermittelbewilligung für das EU-Projekt, an dem auch Kostrzyn/Küstrin und Slonsk/Sonnenburg teilnehmen, überbracht. 3,8 Millionen Euro schwer ist das Vorhaben. Die drei Kommunen müssen jeweils einen Eigenanteil von 15 Prozent tragen.