Kunst und Corona: Hartz-IV statt goldener Zeiten im Oderbruch

Die Corona-Hilfen Brandenburgs nützen den im Oderbruch lebenden Künstlern wenig. Ihnen fehlen Verkaufsmöglichkeiten wie die Kunst-Loose-Tage. Der Neu-Manschnower Bildhauer Alexander Birkholz (r.) war im Vorjahr erstmals dabei.
Johann MüllerEigentlich hatte das Land Brandenburg auch für sie Soforthilfe angekündigt. Doch jetzt sind viele Anträge in der Schwebe.
„Wir haben hier ein Problem“, sagt Mario Eska. Das Mitglied der Linken im Kreistag hat einen großen Freundes- und Bekanntenkreis in der Kulturszene. Kreative gebe es gerade im Oderbruch sehr viele, erklärt er. „Wir haben hier zahlreiche Musiker, aber auch Bildhauer, Töpfer, Maler und Schweißer“, fügt er an. Für seine Künstler werde das Oderbruch ja auch geschätzt von Ausflüglern, die beispielsweise bei den Kunst-Loose-Tagen im Mai stets mehr als 30 Ateliers und Werkstätten besuchen können.
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Absatzmärkte brechen weg
Über den Winter waren viele aktiv. Nun seien aber die Märkte und auch die Dorffeste weitestgehend abgesagt, bei denen Umsatz gemacht werden könnte. „Die meisten sind Soloselbstständige, die wenigsten haben Web-Shops“, so Mario Eska weiter. Genau für diese Berufsgruppe stellte die Landesregierung Mitte März Hilfe in Aussicht. Doch mittlerweile seien die Richtlinien geändert worden, was zu Sorgen und Nöten führt. Darauf will Mario Eska aufmerksam machen.
Einer von den Betroffenen ist ein Musiker. Er spielt in verschiedenen Bands, will aber seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, um Neid-Debatten zu umgehen. Er kennt das Gros der Künstler im Oderbruch. „Viele haben mittlerweile Hartz-IV beantragt, dabei waren die Aussichten anfangs ganz rosig.“ Doch von goldenen Zeiten sei man weit entfernt.
Die Soforthilfe des Landes sprach am 24. März noch vom Ausgleich des Verdienstausfalls. Dafür konnte Geld beantragt werden. Doch mit der Neuregelung der Richtlinie – und Übergabe der Auszahlung an den Bund – bekommen Solokünstler nur noch Geld für Betriebsausgaben wie Mieten von Räumen oder Auto-Leasingraten. „Kaum einer im Oderbruch hat doch ein Leasing-Auto, die meisten leben auch in alten Häusern“, so der Musiker. Alle würden Privatautos fahren, somit habe das Angebot über die Investitionsbank des Landes Brandenburg den Künstlern nichts gebracht. Wer Geld erhalten habe, müsse es zurückzahlen. Der Musiker hat sich gefügt und Hartz-IV beantragt. „Ich habe keine Aussicht auf einen Job, damit wird wenigstens die Wohnung bezahlt“, sagt er frustriert.
Wirtschaftsminister bleibt hart
Es gebe auch viele Künstler, die vor Corona schon kein Hartz-IV wollten, fügt Mario Eska an. „Sie wollen sich nicht in ihrer Freiheit beschneiden lassen und Gängeleien ausgesetzt sein. Die werden es jetzt auch nicht beantragen, auch wenn die Vorgaben dazu gelockert sind.“ Somit bleibe nur der Griff in die Rücklagen. Viele denken, den Künstlern gehe es gut. „Das ist bei Weitem nicht so“.
Daher habe der Kreistagsabgeordnete die Situation auch schon mit der Kreistags-Chefin Bettina Furtunato besprochen. Linke und Grüne im Landtag fordern die Rückkehr zur Zahlung des Verdienstausfalls. Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) bleibt hart, sieht Hartz-IV als machbare Lösung an.
Für eigene Förderprogramme habe die Landesregierung derzeit keine Spielräume.
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