Museumstag bei Seelow
: Schatzkammer Küstrin-Kietz – was dort geboten wird

Zum 30. Jahrestag der Neugründung des Vereins für die Geschichte Küstrins wird das Museum neu eröffnet. Das macht es so besonders.
Von
Ulf Grieger
Küstrin-Kietz
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Vor der Neueröffnung: Die vor 30 Jahren eingerichtete Ausstellung über die Stadt Küstrin im Kulturhaus Küstriner Vorland wurde neu gestaltet.

Vor der Neueröffnung: Die vor 30 Jahren eingerichtete Ausstellung über die Stadt Küstrin im Kulturhaus Küstriner Vorland wurde neu gestaltet.

Andy Steinhauf

Der auf den Fundamenten des 1901 gegründeten Vereins für die Geschichte Küstrins 1994 neu entstandene Verein gleichen Namens hat mit Helfern eine große Kraftanstrengung vollbracht: Die Ausstellung zur Geschichte der Festungsstadt, die vor 30 Jahren zunächst ihren Standort in der Gemeindeverwaltung hatte und seit vielen Jahren im Kulturhaus Küstriner Vorland zu sehen ist, wurde komplett überarbeitet.

Der „Internationale Museumstag“ am Sonntag, 19. Mai, ist Anlass für den Verein, das umgestaltete Museum zum 30. Jubiläum feierlich neu zu eröffnen. „Zusammen mit dem Kulturhaus-Personal und den ortsansässigen Vereinen laden wir am Sonntag ab 10 Uhr zu einer hoffentlich für viele Besucher attraktiven Veranstaltung ein. Vor dem Kulturhaus findet parallel ein Flohmarkt statt“, lädt Vize-Vereinsvorsitzender Andy Steinhauf ein. In dieser Ausstellung werden viele der Schätze, die die rund 54 Vereinsmitglieder über 30 Jahre in der Archivkammer zusammengetragen hatten, nun erstmals auch für die Öffentlichkeit präsentiert. Die Info-Tafeln wurden überarbeitet und teils auch neu erstellt. Einige Themen, die zuvor etwas unterbelichtet waren, kommen jetzt stärker zur Geltung. Das 1232 erstmals urkundlich erwähnte Küstrin war ein bedeutender Verkehrsknoten sowie ein Handels- und Gewerbestandort. Es wird gezeigt, wie sich das entwickelt hat.

Rückblick auf 1994: Die Ausstellung hatte vor 30 Jahren ihren Standort im Gemeindeamt Küstrin-Kietz.

Rückblick auf 1994: Die Ausstellung hatte vor 30 Jahren ihren Standort zunächst im Gemeindeamt Küstrin-Kietz.

Andy Steinhauf

Die Geschichte dieser Stadt war aber auch immer ein Politikum. Zu DDR-Zeiten war der Name „Küstrin“ als Inbegriff für den preußischen Militarismus verunglimpft worden und wurde aus dem öffentlich Sprachgebrauch getilgt. Aus Küstrin-Kietz war bis 1992 Kietz geworden.

Die Festungsstadt der Anderen

Im kommenden Jahr jährt sich die Zerstörung und Teilung der Stadt an Oder und Warthe zum 80. Mal.  Seit der Wende hatten die Einwohner von Kostrzyn und von Küstrin-Kietz aber rund drei Jahrzehnte Zeit, aufeinander zuzugehen. Über die generellen Schwierigkeiten dabei beschreibt Karolina Kuszyk in ihrem Buch „Die Häuser der Anderen“. Auch wenn es die offizielle Ideologie im sozialistischen Polen war, dass die „vormals deutschen Gebiete“ lediglich „wiedererlangt“ wurden, konnte es doch nicht über die Fremdheit der Geschichte zwischen 1232 und 1945 und ihrer Zeugnisse hinwegtäuschen. Erst „50 Jahre nach Kriegsende begannen die Polen das ‚deutsche Pompeji‘ auszugraben. Ein Teil deutscher Geschichte tritt wieder an das Licht der Öffentlichkeit. Straße für Straße kam zum Vorschein“, heißt es auf der Internetseite des Vereins.

Neue Info-Tafeln in Küstrin-Kietz: Vereinsvorsitzender Martin Rogge und sein Stellvertreter Andy Steinhauf bei der Umgestaltung der Ausstellung.

Neue Info-Tafeln in Küstrin-Kietz: Vereinsvorsitzender Martin Rogge und sein Stellvertreter Andy Steinhauf bei der Umgestaltung der Ausstellung.

Uli Pschewoschny

Zwei Museen zur Geschichte der geteilten Stadt

Seit vielen Jahren gibt es in Kostrzyn das Festungsmuseum der polnischen Stadt, und zugleich in Küstrin-Kietz die Ausstellung des deutschen Vereins. Die Zusammenarbeit zwischen dem polnischen Museum und dem deutschen Verein ist in den Jahren enger geworden, bestätigt Andy Steinhauf. „Sie war aber immer gut“, betont er. So wie in Kostrzyn deutsche Geschichte reflektiert wird, zeigt die Ausstellung in Küstrin-Kietz auch die Geschichte Kostrzyns in den vergangenen knapp 80 Jahren.

Bereits am Samstag, 18. Mai, führt der Verein die traditionelle Gedenkveranstaltung zur Schlacht um Küstrin an den Kriegsgräberstätten auf dem von Vereinsmitglied Uli Pschewoschny gepflegten Friedhof Kietz und neben der ehemaligen Schule durch. Beginn ist um 14 Uhr auf dem Friedhof Kietz.

Neue Ausstellung im Kulturhaus Küstriner Vorland: Zum Museumstag am 19. Mai findet um 10 Uhr die feierliche Eröffnung statt.

Neue Ausstellung im Kulturhaus Küstriner Vorland: Zum Museumstag am 19. Mai findet um 10 Uhr die feierliche Eröffnung statt.

Andy Steinhauf