Park bei Seelow: 1,3 Millionen Euro für Wollup ‒ was dort geboten wird

Der Park Wollup lädt wieder ein: Blick von der Plattform auf Guts- und Gärtnerhaus. Der Park ist auch für Familien ein schönes Ausflugsziel.
Ulf GriegerWer Geschichte, Natur und Kultur im Oderbruch kompakt und auf unterhaltsame Weise erleben will, kommt um einen Besuch im Park der Domäne Wollup nicht herum. Am 1. Mai wird dort gefeiert, was seit dem schweren Sturm 2017 mit Bürgerfleiß und EU-Förderung erreicht wurde. Die Gemeinde Letschin und der Ortsbeirat Steintoch laden von 14 bis 18 Uhr zur Wiedereröffnung ein.
Drei Kanonenschüsse der königlich-preußischen Festungesartillerie zu Cuestrin erinnern daran, dass Kronprinz Friedrich 1730 von seiner Festungshaft in Küstrin aus in die Domäne Wollup geschickt wurde, um Ökonomie und Verwaltung zu lernen. Dort hatte der spätere „Alte Fritz“ als junger Mann erkannt, welche Potentiale das Oderbruch bietet.
Barrierefreie Erkundungen vom Park bei Seelow
Beim Festprogramm treten die Sportler der Akrobatikgruppe Letschin auf und die Sängerin Stefanie Wedell erfreut die Gäste, nach dem sie bereits am Vorabend in Letschin beim „Tanz in den Mai“ dabei war. Die Hauptattraktion jedoch ist der Park selbst. Der kann sowohl zu Fuß als auch vom Wasser aus erkundet werden. Im Zuge der rund 1,3 Millionen Euro teuren Sanierung sind Wege angelegt und Brücken gebaut worden, die einen nahezu barrierefreien Parkspaziergang ermöglichen. Bestens geeignet also, um mit Kinderwagen, Rollator oder Dreirad auf Erkundungstour zu gehen. Zur Eröffnungsfeier am 1. Mai werden mobile Toiletten aufgestellt und es kann auf dem Gutshof-Areal geparkt werden.

Wasserwelten der Domäne: Wollup lässt sich auch mit einem Paddelboot erleben.
Ulf GriegerDie Firma IWT Frankfurt Oder will es auch ermöglichen, dass man per Boot auf den Wasserläufen gondeln kann. Denn die meisten Brücken lassen sich durchfahren, sagt Letschin Bauamtsleiter Martin Wiese, für den das die erste große Parksanierung war. Es spreche auch nichts dagegen, wenn man von der Plattform oder der ehemaligen Pferdeschwemme am "Schlossufer" mit dem Stand-up-Paddle auf das Wasser geht, so Wiese. Das Wasser stammt vom Brauergraben, der seit einigen Jahren auch durch den Park fließt, verhindert, dass die Flussläufe austrocknen und vermodern.

Arbeitseinsatz am Gärtnerhaus Wollup: Parkretter und Vereinsmitglieder haben den Garten am Schloss wieder hergerichtet.
Ulf GriegerDen Letschinern war es gelungen, die Parksanierung als Teil des EU-Programmes „Von Park zu Park– mit Theodor Fontane Schätze des Natur- und Kulturerbes entdecken“ aufnehmen zu lassen. Rund eine Million Euro aus dem Interreg-Progamm VA standen für die Umgestaltung zur Verfügung. Wobei ein Teil für Gutachten für Natur- und Denkmalschutz verwendet werden musste. Martin Wiese ist aber recht zufrieden mit der Umsetzung der Pläne. Der um 1815 angelegte Park wurde nicht in eine bestimmte Epoche zurückgesetzt, sondern enthält jetzt maßgebliche Elemente der verschiedenen Gestaltungsphasen. Behutsam wurden die, 1852 vom Gartenarchitekten Eduard Neide angelegten, Sichtachsen wieder hergestellt und Gehölze, wie die alten Eichen, wieder erlebbar gemacht.
Parkretter und Verein kümmern sich um den Park
Der Park ist aber vor allem ein Familienpark geblieben. Viele der Letschiner und Steintocher, die nach dem schweren Sturm 2017 mithalfen, die Sperrung aufzuheben, indem das Bruchholz beseitigt wurde, sind auch heute noch aktiv dabei, das Kleinod zu verschönern. So kamen sie auch kürzlich zum Arbeitseinsatz am Gärtnerhäuschen, zu dem der Verein „Domäne Wollup“ aufgerufen hatte. „Wir kümmern uns in Wollup um die Heimatstube im Speicher und haben ein Auge auf den Gutspark in sowie auf die zahlreichen Baudenkmale im Ort“, sagt Vereinsvorsitzende Nadine Lootze. Der Verein hat aktuell 43 Mitglieder, die sich auch um den Kulturerbeort Speicher Wollup kümmern. Dort wurde beim Arbeitseinsatz eine Bar eingerichtet.
Die Gemeinde Letschin hat auch das einstige Gärtnerhaus samt Ställen erworben. In dem Haus am Schlossgarten war auf Initiative der langjährigen Bürgermeisterin Ruth Schwetschke einst auch eine Ausstellung über Johann Gottlieb Koppe und seine Zuckerfabriken zu sehen. Ob die wieder dort gezeigt werden kann, ist noch ungewiss. „Im letzten Jahr konnten wir mit der Gemeinde Letschin und der Unteren Denkmalbehörde eine Sicherung des stark beschädigten Gärtnerhauses erreichen. Unser Traum ist es, in naher Zukunft das Gärtnerhaus wieder nutzen zu können“, sagt Nadine Lootze. Sie erinnert sich gern an die Kaffeetafel, die es dort mal gab: Da konnten die Dorfbewohner einfach kommen und den schönen Platz unter den Bäumen und das Beisammensein genießen.
Mit großer Spannung werden am 1. Mai ganz besondere Gäste erwartet. Martin Wiese verrät, dass Mitglieder der Familie Koppe nach Wollup kommen werden. Mit dabei ist auch eine 97-Jährige des Kienitzer Familienzweiges, die Wollup einst als Gastkind erlebt hatte. Möglicherweise kann diese Zeitzeugin noch einiges zur Gutsgeschichte beitragen. Die Historie steht aber auch im Mittelpunkt der GPS-Tour, die im Rahmen des EU-Projektes für die drei Teilnehmerorte Küstrin-Kostrzyn, Letschin-Wollup und Slonsk-Sonnenburg entstanden ist und für die man sich die nötigen Informationen per QR-Code im Internet herunterladen kann.

Gärtnerhaus Wollup: Mit Hilfe des Landkreises MOL konnte bereits ein Giebel gesichert werden.
Ulf GriegerDie Geocaching-Route „Mit Theodor Fontane von Park zu Park“ führt auf eine Spurensuche nach Geschichten über den Dichter Theodor Fontane und die Landschaft und Zeit vor ca. 150 Jahren, in der er lebte. Zwischen Buckow im Naturpark Märkische Schweiz, dem Landschaftspark Wollup, dem Stadtpark in Kostrzyn nad Odrą und Słońsk am Rande des Nationalparks „Ujście Warty“ (Warthemündung) findet man 31 verschiedene Caches und taucht ein in vielfältigste Naturgebiete und eine reichhaltige Kulturgeschichte ein, heißt es auf der Webseite.

