Partnerschaft Brandenburg-Polen
: Wie Schloss Trebnitz Länder neu verbinden will

Schloss Trebnitz bei Seelow übernimmt erweiterte Aufgaben als Polen-Partnerschaftsbeauftragter von Brandenburg. Das ändert sich und das sind wichtige Vorhaben 2026.
Von
Thomas Berger
Trebnitz
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Der Beirat des Partnerschaftsbeauftragten Darius Müller (links) ist ebenfalls in neuer Zusammensetzung berufen. Er tritt einmal pro Jahr zusammen.

Der Beirat des Partnerschaftsbeauftragten Darius Müller (links) ist ebenfalls in neuer Zusammensetzung berufen. Er tritt einmal pro Jahr zusammen.

Thomas Berger
  • Schloss Trebnitz übernimmt erweiterte Aufgaben als Brandenburgs Polen-Partnerstelle.
  • Neu ist der Zuständigkeitsbereich: fünf polnische Partnerregionen im Grenzraum.
  • Müller und Antoniewicz führen das Amt im Zeitraum 2026 bis 2028 weiter.
  • 2026 sollen „Beruflicher Dialog“ und „Agrar-Dialog“ fortgesetzt werden – ein Jugendforum ist geplant.
  • Stationäres Büro in Trebnitz sowie fünf mobile Büros in Polen koordinieren die Vorhaben.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Seit 2016 ist der Bildungsverein Schloss Trebnitz bei Seelow mit seinem Leiter Darius Müller der Partnerschaftsbeauftragte des Landes Brandenburg für Polen. Bereits vor 35 Jahren wurde der deutsch-polnische Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit unterzeichnet. In Brandenburg hat dieses Anliegen sogar Verfassungsrang.

Zwar war das Verhältnis der beiden Nachbarn dies- und jenseits der Oder auf politischem Parkett in jüngerer Zeit nicht immer ganz harmonisch und von einigen Herausforderungen geprägt. Mit vielfältigen Kontakten und bei zahlreichen Kooperationen in den Bereichen Kultur, Bildung, Verwaltung befinde man sich aber auf einem guten Weg, wurde im Müncheberger Ortsteil Trebnitz bilanziert.

Anlass dieser Bestandsaufnahme mit Ausblick war im Beisein von rund 150 Gästen der offizielle Auftakt der neuen Amtsperiode: Auch für den Zeitraum 2026 bis 2028 nehmen Darius Müller und seine Stellvertreterin Magdalena Antoniewicz die Aufgabe für weitere drei Jahre wahr. Während sich die partnerschaftlichen Kontakte bislang auf Großpolen fokussierten, ist die zentrale Neuerung eine räumliche Ausdehnung des Zuständigkeitsbereiches.

Schloss Trebnitz: Nun für fünf Regionen in Polen zuständig

Denn nunmehr laufen in Schloss Trebnitz sämtliche Fäden für alle fünf polnischen Partnerregionen im Grenzraum zusammen. Für die Wojewodschaften Westpommern, Niederschlesien, Masowien und Lubuskie bedeutet dies die Integration bestehender und den Aufbau neuer Partnerschaftsstrukturen.

„Diese Erweiterung kommt zur richtigen Zeit“, betonte Brandenburgs Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke (SPD). Es gehe darum, „Zusammenarbeit zu vertiefen und Verständnis zu verstärken“. Ein Gedanke sei dabei Leitmotiv: „Partnerschaft gewinnt an Kraft, wenn sie durch persönliche Begegnungen getragen wird.“

Die deutsch-polnische Partnerschaft hat für Brandenburg größte Bedeutung, sagte Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke.

Die deutsch-polnische Partnerschaft hat für Brandenburg größte Bedeutung, sagte Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke.

Thomas Berger

Und dafür, betonten auch andere Rednerinnen und Redner, sei gerade die Bildungsstätte Schloss Trebnitz mit vielen Kinder- und Jugendprojekten, aber auch zunehmenden Austausch erwachsener Akteure der passende Ankerpunkt im wachsenden Netzwerk. Liedtke mahnte, die die Neugier auf den anderen dabei nie zu verlieren.

Gregor Beyer sagt „Tesla-Tempo“ bei Partnerschaftspflege zu

Im Brandenburger Kabinett hat die Zuständigkeit für die deutsch-polnische Partnerschaft zwischen verschiedenen Ministerien gewechselt. Der Leiter der zuständigen Fachabteilung Europa ist nun ein in Trebnitz alter Bekannter: Gregor Beyer, noch bis vor einiger Zeit einer der Beigeordneten in der Kreisverwaltung Märkisch-Oderland. Er freue sich als Gast über dieses Heimspiel, denke persönlich gern an verschiedene Aktivitäten an diesem Ort zurück, so Beyer.

Er unterstrich: „In den brandenburgisch-polnischen Beziehungen ist Tesla-Tempo gefragt.“ Sollte es einmal Schwierigkeiten geben, werde er sich nach einem Anruf Müllers, gegebenenfalls zusammen mit Landrat Gernot Schmidt (SPD) als seinem früheren Chef, dafür einsetzen, Hürden schnellstmöglich aus dem Weg zu räumen.

Vieles lasse sich für die vier anderen Partner von der erfolgreichen Kooperation mit Großpolen lernen, hob dessen Vizemarschall Wojciech Jankowiak rückblickend hervor. Jugendaustausch, Landwirtschaft, Transportfragen und Raumplanung seien seit 2017 besondere Ankerpunkte des Miteinanders gewesen, doch werde diese Liste um neue Elemente stetig fortgeschrieben.

Tatsächlich sollen 2026 vor allem zwei Erfolgsformate eine Fortsetzung erfahren, kündigte Magdalena Antoniewicz an: der „Berufliche Dialog“, der etliche schulische Akteure dies- und jenseits der Oder verbindet, und der „Agrar-Dialog“. Ein Jugendforum sei geplant, auch für eine deutsch-polnische „Meet Week“ laufen die Vorbereitungen an.

Zusammenarbeit mit der BTU Cottbus-Senftenberg und der Uni in Poznan

Was den Bereich Kultur betrifft, werde es Kunstresidenten ebenso geben wie ein deutsch-polnisches Malerei-Pleinair. Gewissermaßen den Auftakt bildet die gerade eröffnete und noch bis 6. September in den Räumen des Gustav-Seitz-Museums auf dem Campus Schloss Trebnitz laufende Ausstellung „Figuracja – polnische Skulptur bei Seitz“ mit ausgewählten Werken einiger der bedeutendsten polnischen Bildhauerinnen und Bildhauer von den 1940er Jahren bis heute.

Die schon laufende Zusammenarbeit mit der BTU Cottbus-Senftenberg und der Uni in Poznan, wozu im Dezember ein Treffen beider Gruppen geplant ist, soll um Kontakte zur Uni Stettin erweitert werden. Auch der Aufbau eines neuen Netzwerks mit dem Namen „Herrenhaus – Palast – Schloss“ als touristischer Ort und Teil des Kulturerbes in der Grenzregion hat schon begonnen. Für die Koordination aller Aktivitäten, wozu ebenso Studienreisen der Landesregierung und Fachtagungen gehören, werde es das stationäre Büro in Trebnitz und fünf mobile Büros in Polen geben.

Musikalischer Gruß von Liedermacher Rolf Zuckowski

„In der Zusammenarbeit ist eins plus eins oft mehr als nur zwei“, sagte Malgorzata Rosalska von der Adam-Mickiewicz-Universität Poznan. „Dass uns die Sprache trennt, bedeutet nicht, dass wir andere Menschen sind“, merkte Waldemar Witkowski, Vorsitzender des Bildungsausschusses im polnischen Senat, an. Deshalb ist für Martin Kremer, Generalkonsul der Bundesrepublik in Breslau, so wichtig, „dass wir das große Interesse, das es bei den Nachbarn gibt, immer wieder aufgreifen – es ist ein Schatz“.

Liedermacher Rolf Zuckowski, der mit seiner Stiftung auch in Trebnitz Kinderprojekte umsetzt, war extra aus Hamburg gekommen.

Liedermacher Rolf Zuckowski, der mit seiner Stiftung auch in Trebnitz Kinderprojekte umsetzt, war extra aus Hamburg gekommen.

Thomas Berger

Genau dies setzt schon bei den Jüngsten an. Extra aus Hamburg angereist war Liedermacher Rolf Zuckowski, der mit seiner Stiftung „Kinder brauchen Musik“ pro Jahr mit ein bis zwei Projekten in Trebnitz zu Gast ist. „Lieder, die wie Brücken sind, (…) ob sie uns tragen, liegt an uns allein“, heißt es in einem Text, den er mitgebracht hatte.