Quappendorf: Quappendorfer wollen mit Miniflitzer in die Fernsehshow
Die Quappendorfer sind immer für Überraschungen gibt. Jetzt wollen sie ins Fernsehen. Die Trödel–Show „Bares für Rares“ mit Horst Lichter flimmert täglich über den Bildschirm. So manche Kuriosität wechselt da den Besitzer.
„Bei uns gibts die auch“, ist Mario Eska überzeugt. Noch als Quappendorfer Ortsvorsteher — er wurde in der Stichwahl zum neuen Bürgermeister von Neuhardenberg gewählt und gibt deshalb das Amt in der heute Abend stattfindenden Ortsbeiratssitzung ab — hat er mit einem Helferteam das diesjährige Dorffest vorbereitet. „Bei uns ist es immer klein und gemütlich“, erklärt der Quappendorfer. Es sei die Idee enstanden, die Einwohner mal suchen zu lassen, ob sie auch Rares auf Dachböden, in Scheunen oder Kellern haben.
Vier Exponate sind zusammen gekommen. Als erstes fällt den Festgästen natürlich das Mofa von Harald Ehling ins Auge. Nur auf den ersten Blick scheint es wegen seiner geringen Größe ein Gefährt für Kinder zu sein. Doch der Mini Roller „Mars“ aus italienischer Produktion, Baujahr 1973, ist sehr wohl ein richtiges Mofa. Harald Ehling hat es über seinen Sohn, der in Husum (Nordfriesland) lebt, vor eineinhalb Jahren bekommen. „Mit zwei weiteren Mofas. Ich mag Zweiräder. Mein Bruder will sich aus zwei Mofas eins zusmamen basteln“, erzählt er. Den dritten Mini–Roller sollte eigentlich seine Frau fahren. Aber irgendwie werde das nun nichts. Deshalb würde er sich auch davon trennen, sollte sich in der Show ein Liebhaber finden.
Uralte Bauernmalerei
So wie auch Mario Eska seine uralte Bauernmalerei für den Einzug in die Fernsehshow abgeben würde. Über ebay habe er mal einen Tresen ersteigert und da seien diese vier Holzbilder dabei gewesen, berichtet er. Auf robusten Holztafeln ist der einfache Bauer in allen vier Jahreszeiten zu sehen. Vom wem die Malereien stammen, weiß niemand. Ungewöhnlich sind sie allemal.
Das Modell einer Dampfmaschine passt ebenfalls in die Rubrik „ungewöhnlich“. Die Dampfmaschine sollte nach diesem Modell einst in großer Ausführung im Sägewerk der Kienitzer Mühle eingebaut werden. Auf Umwege kam sie durch verwandtschaftliche Beziehungen über Zechin zur Familie Lehmpfuhl nach Quappendorf. Es ist nicht belegt, ob die Dampfmaschine tatsächlich nach diesem Modell, das man leicht wegtragen kann, gebaut wurde.
Viertes Exponat ist eine Musiktruhe aus den 60er Jahren, gebaut einst von der Firma Peter. Sogar das TKO–Prüfsiegel klebt noch an der Truhe. Es ist ein DDR–Produkt, obwohl auch von den älteren Festbesuchern niemand mit der Firma Peter etwas anfangen kann. Nach gemeinschaftlicher Abstimmung wird entschieden, dass sich die Quappendorfer mit allen vier Exponaten bei der Show bewerben. „Wir lassen uns überraschen“, so Eska.
Der Notar und der Erbe
Überrascht haben er sowie Rolf Ignaz und Dieter Arndt aus Altfriedland die Festgäste mit noch einer Aktion. „Wir wollten den Bogen zum Oderbruchtag in Neutrebbin spannen“, erklärt Mario Eska. Die Männer führen unter Moderation von Dieter Arndt einen Dialog zum Thema Kulturerbe Oderbruch. Ein Bürger (Mario Eska) erkundigt sich beim Notar (Rolf Ignaz), ob er das Erbe seines Opas Fritz ausschlagen könne. Der Notar erinnert ihn, dass es sich um guten Ackerboden handle. „Von dem aber auch schon ein Kolonist kaum satt wurde“, entgegnet der Erbe.
Der Disput geht hin und her, was dann mit dem Erbe passiere. Der Staat würde begünstigt und der könnte das Land vielleicht gebrauchen, um mit Verweis auf den Klimaschutz ein Feuchtgebiet zu schaffen. Der Staat wolle schließlich nicht teure Schöpfwerke und Anlagen unterhalten. Dem sei Opas Jahrhunderte alte Erbe letztlich schnuppe. Der Bürger kommt ins Grübeln. Er wolle auf keinen Fall, dass Opas Land unter Wasser steht, der Ackerbau verschwindet. Und ja, er habe schon Heimatgefühle. Letztlich unterschreibt er doch, nimmt seine Erbschaft an. Und geht mit dem Trost des Notars, dass er ja nicht allein erbt. Das Oderbruch sei schließlich eine große Gemeinschaft, in der ständig jemand das Gut der Vorfahren erbt.

