Rundgang: Osterimpressionen aus dem Oderland
Der Umsatz war nicht mit dem der Vorjahre vergleichbar, stand oft nicht einmal im Mittelpunkt. Manch Inhaber öffnete, um vor allem den Einheimischen eine Freude zu machen und sich auch selbst etwas abzulenken von der aktuellen Misere. Das war mitunter zugleich Gradmesser dafür, wie es in den nächsten Tagen weitergehen könnte.
Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.
Ausflügler waren natürlich unterwegs, aber längst nicht in den Massen, die angesichts des strahlenden Frühlingswetters zu erwarten gewesen wären. Und sie waren, wenn sie zum Beispiel aus Berlin kamen, nicht immer gern gesehen. Das spiegelte sich auch in den sozialen Medien wider. Die Hauptstädter sollten besser zu Hause bleiben, hieß es da. Einer von ihnen konterte allerdings: „Deswegen fahrt Ihr auch alle nach Berlin zum Einkaufen.“ Zwei Frauen stellten derweil fest, dass viele Berliner in ihren Gärten gewesen seien, mit Besuch sogar, und befürchteten, dass die aktuellen Einschränkungen auch deshalb noch verlängert würden.
Dass nicht gerade wenig Leute unterwegs waren, war angesichts teils voller Parkplätze vor Wanderzielen, Badestellen oder Bootszugängen an der Oder zu sehen. Da waren zahlreiche Papierkörbe bereits am Karfreitag voll, manchmal war der Müll auch am Straßenrand nicht zu übersehen.
Der Sonnabend wurde häufig noch für Besorgungen genutzt und Einzelhändler dürften zum Abend aufgeatmet haben, die nächste Woche in Corona-Zeiten überstanden zu haben. Viele Regale, insbesondere die von Drogerie- und Hygieneartikeln, waren erneut leer gekauft. „Vor ein paar Tagen sah es hier aber schlimmer aus“, hieß es unter anderem in einem Einkaufsmarkt in Letschin und schwang die Hoffnung mit, dass sich die Nachfrage weiter normalisiert.
Andernorts ging es bereits deutlich ruhiger zu. Wobei – das Knattern der Motoren, etwa der Modellflugzeuge zwischen Gottesgabe und Neufriedland – war an der Landesstraße nur nicht zu hören. Motorboote machen natürlich ebenfalls Krach, aber die Oder ist lang und breit genug, um andere nicht zu stören.
Offene Kirchen am Wegesrand
Wer auf Tour war, staunte hier und da, dass Kirchen geöffnet waren, darunter in Dolgelin. „Wir haben gemeinsam überlegt, was wir statt eines Gottesdienstes machen können, wie wir reagieren als Dorfgemeinschaft“, schrieb Heike Schulze dazu an die Redaktion. Und weiter: „Wir nutzen unsere Dorfmitte = unsere ,Kirchruine unter Dach’ als Ort, um einen offenen Ort für Andacht oder Gebet zu bieten. Wir haben ja eh noch keine Türen. Und auch keine Fenster.“
Die „Einladung mit Abstand“ sei an Dolgeliner verteilt worden. „Karfreitag waren nur das Kreuz, Kerzen und Gebete vorhanden. Ab Samstagabend kamen Blumen, Bilder und einiges mehr dazu – ein Gemeinschaftswerk von vielen ohne gemeinsames Treffen.“
Barbara Brunat vom Erlenhof in Kienitz meldete sich ebenfalls per E-Mail: „Alle unsere Muttertiere haben inzwischen gelammt. Bis auf eine Ausnahme, denn Lotte ist schon 15 Jahre alt und schaut dem munteren Treiben nur zu.“ Zwölf Lämmer toben demnach auf der Weide hinter dem Blockhaus. Es sei herrlich dem flinken Gewusel zuzuschauen. „Nur der krönende Abschluss, unser Lämmerfest, fällt leider aus“, bedauerte Barbara Brunat später am Telefon.
Trotzdem werde an diesem Dienstag wieder geschlachtet, wie immer bei Andreas Herter in Neubarnim, erzählte sie. Wer frisches Fleisch, Grillwürste und Schinken haben möchte, sollte am besten anrufen. Wer Beispiele ihrer „Handarbeitswut“ sehen wolle, könne auf die Internetseite schauen.
Eiersuche oder auch Eiertrudeln kamen am Ostersonntag in den Familien wohl nicht zu kurz. Das machte das fröhliche Kinderlachen und -lärmen, das aus zahlreichen Gärten drang, nur allzu deutlich. In Trebnitz hatte der Ortsbeirat, unterstützt durch die Senioren, wieder geschmückte Eimerchen mit Naschereien für einen gemeinsamen Spaziergang im Park vorbereitet. Auf den wurde aus Sorge um mögliche Begegnungen verzichtet, die 30 Kinder im Ortsteil aber dennoch beschenkt.
Nur Ermahnungen
Auch deshalb seien die Spielplätze gesperrt, erklärte Robert Nitz, Fachbereichsleiter Innere Verwaltung der Stadt Seelow, bei einem Rundgang mit den Revierpolizistinnen Beatrice Ortmann und Cäcilia Sommerfeld. In Neulangsow und Werbig habe man am Sonnabend die Schilder erneuern müssen, berichtete er und fügte hinzu, dass sich das Virus ja auch auf Flächen hält. „Wohl alles eine Familie?“, fragte er kurz darauf vier Jugendliche, die an der Bushaltestelle der Grundschule in der Straße der Jugend saßen.
Wieder wird deutlich, dass die jungen Leute wie auch Ältere die Regeln meist kennen, und sich doch nicht immer daran halten. Trotz manch unpassender Antwort bleibt es wie schon in und um Lebus mit Eyleen Franke aus dem dortigen Ordnungsamt bei Ermahnungen. Picknicken sei zurzeit nun mal nicht erlaubt, auch nicht für Angler.
Zeichen der Hoffnung wollten Robert Parr und Josefine Soltau am Sonntagvormittag aus der Seelower Kirche senden. Das lief technisch nicht ganz ruckelfrei, aber ein Teil ist auf der neuen Internetseite www.kirche-seelow.de zu sehen.





