Seelower Höhen: Gedenken an die Kriegsopfer in Seelow fällt wegen Corona kleiner aus

Auf dem städtischen Friedhof in Seelow: Landrat Gernot Schmidt, Staatsekretärin Jutta Jahns-Böhm, die Bürgermeister Michael Böttcher und Jörg Schröder sowie Bettina Fortunato (v. l.) an einem Mahnmal, das an deutsche Gefallene erinnert.
Anett ZimmermannDenn: In diesen Tagen jährt sich die Schlacht um die Seelower Höhen, mit der die Rote Armee den Kampf um die Befreiung Berlins einleitete, zum 75. Mal. Sie kostete mehreren Zehntausend Menschen das Leben. Ursprünglich hatte der Landkreis eine gemeinsame Gedenkveranstaltung mit ökumenischem Gottesdienst und Kranzniederlegungen zur Erinnerung an diese letzte große Schlacht des Zweiten Weltkriegs geplant. Doch dann kam die Corona-Krise. So wurde nun in kleinerer Runde der Opfer gedacht.
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Verpflichtung für heute
„Uns war es wichtig, dass wir hier präsent sind“, sagte Staatssekretärin Jutta Jahns-Böhm und zugleich Bevollmächtigte des Landes Brandenburg beim Bund. Die Gedenkstätte in Seelow sei eine immerwährende Erinnerung an den grausamen Krieg und seine unzähligen Opfer. „Das Gedenken an die gefallenen Soldaten der Roten Armee sollte uns zugleich Verpflichtung zu einer guten Zusammenarbeit mit Russland heute sein.“
Gernot Schmidt konnte auch den russischen Botschafter in der Bundesrepublik, Sergej Netschajew, an der Gedenkstätte begrüßen. „Heute ist ein wichtiger Tag – trotz Corona“, sagte der Landrat. Das im Mai vorgesehene Open-Air-Konzert mit dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt und Dimitri Schostakowitschs Leningrader Sinfonie soll, so Schmidt, im September nachgeholt werden.
Und Netschajew kündigte an, dann gern wiederzukommen. Er dankte für die Organisation des Gedenkens auch in kleinerem Rahmen und ebenso für die Pflege der Gräber der Sowjetsoldaten. In Brandenburg werde das Andenken an die Gefallenen bewahrt wie in keinem anderen Bundesland, lobte der Botschafter und wünschte den Anwesenden vor allem eines: „Bleiben Sie gesund.“ Frieden, Verständigung und Aussöhnung müssten immer auf der Tagesordnung stehen.
Monika Fischer und weitere Mitglieder des Seelower Stadtverbands der Linken hatten rote Rosen auf einzelne Gräber gelegt. „Normalerweise machen wir das immer am 8. Mai in den Gemeinden“, sagte sie, aber der 75. Jahrestag der Schlacht um die Seelower Höhen, die drei Tage dauerte, sei ein besonderer Anlass. Auch die 69-Jährige kennt den Krieg nur noch aus Erzählungen.
Gekommen waren zudem Bettina Fortunato – die Landtagsabgeordnete der Linken lebt in Seelow und ist Vorsitzende des Kreistags –, Vertreter des Vereins Zeitreise Seelower Höhen, des Philatelistenclubs und des Schweizer Hauses. Neben Seelows Bürgermeister Jörg Schröder ließ es sich dessen Letschiner Amtskollege Michael Böttcher nicht nehmen, an der stillen Zeremonie teilzunehmen. „Letschin wurde bereits am ersten Tag der Schlacht eingenommen“, erinnerte er und verwies auf die erste Veranstaltung des Landkreises, die am 31. Januar in Kienitz und ebenfalls im Beisein des Botschafters stattgefunden hatte.
Sträuße auch in Letschin
„Diese Zusammenarbeit wollen wir gern fortsetzen“, sagte Böttcher und wollte später noch Sträuße an den Obelisken in Letschin und Groß Neuendorf, die an gefallene Sowjetsoldaten erinnern, aber auch auf dem Friedhof und auf dem Anger in Letschin niederlegen. Auf Letzterem werde mit einer Friedenstaube aller Opfer von Krieg und Gewalt gedacht.
Zuvor ging es noch auf den städtischen Friedhof, wo sich die Gräber von Zivilisten, Zwangsarbeitern und Wehrmachtsangehörigen befinden. „Wir trauern selbstverständlich auch um die deutschen Gefallenen und die vielen Zivilisten und Zwangsarbeiter, die der letzten Phase des Krieges sinnlos zum Opfer fielen“, so Jutta Jahns-Böhm. „Die Schlacht um die Seelower Höhen mahnt uns eindrücklich, die Erinnerung an Gewalt, Unterdrückung und Diktatur wachzuhalten, um Freiheit, Demokratie und Frieden für die Zukunft zu sichern.
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Weitere Veranstaltungen
Wegen der Corona-Krise sind weitere Veranstaltungen zum Gedenken an die Ereignisse vor 75 Jahren abgesagt worden, darunter der für Sonnabend vorgesehene Friedenslauf. Seelows Bürgermeister Jörg Schröder will an dieser Idee jedoch festhalten. Als geeignet hält er den 1. September. Denkbar seien eine Veranstaltung auch in Zusammenhang mit dem Weltkindertag und die Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendfreizeitzentrum "FRIZZ" in Seelow. Darüber müsse man sich in den nächsten Tagen verständigen. Die Vorbereitungen für das Stadtfest würden ebenfalls aufgenommen.⇥azi