Signal
: Weckruf zum Dorf-Jubiläum

Viele Gäste sind der Einladung des Krugbergvereins zur Baumpflanzaktion im Friedenswald nach Werbig gefolgt.
Von
Ines Weber-Rath
Werbig
Jetzt in der App anhören

Pflanzen für den Frieden: Mitglieder des Werbiger Krugbergvereins haben am Sonnabend mit prominenten Gästen zum Auftakt der 775-Jahr- Feier des Dorfes im Friedenswald eine Eberesche gepflanzt. Der Verein pflegt den Wald mit Seelower Gymnasiasten.

Johann Müller

Von einer „großartigen Aktion“ und dem „ungewöhnlichen Auftakt eines Dorffestes“ war am Sonnabend Vormittag auf dem Werbiger Krugberg die Rede. Dort hinauf waren fast 100 Gäste der Einladung des örtlichen Krugbergvereins gefolgt. Dessen Vorsitzender Karsten Kaethner begrüßte die Besucher im 1991 angelegten Friedenswald zum Auftakt der 775-Jahr-Feier des zur Stadt Seelow gehörenden Oderbruchdorfes.

Man nutze das Wochenende nach dem Tag der Befreiung, um mit dem Pflanzen eines Baumes im Friedenswald ein Signal des Friedens in die Welt zu senden, so Kaethner. Der Schirmherr der Jubiläumsfeier, Seelows Bürgermeister Jörg Schröder, begrüßte Ehrengäste wie Brandenburgs Staatssekretärin für Wissenschaft, Forschung und Kultur Ulrike Gutheil, Landrat Gernot Schmidt, den CDU-Bundestagsabgeordneten Hans-Georg von der Marwitz und die Landtagsabgeordnete Bettina Fortunato (Die Linke).

Jugendliche drehen Dokfilm

Das Einpflanzen der jungen Eberesche, die Reden der Ehrengäste und das Aufsteigen weißer Friedenstauben – alles wurde via Kamera, sogar von einer Drohne aus von Jugendlichen dokumentiert. Sie sind Teilnehmer der diesjährigen Jugendbegegnung Seelower Gymnasiasten mit Schülern der Brester Schule Nr. 7 und ihrer Lehrerin Galina Walentinowna Kawaljowa im Schloss Trebnitz. Sie drehen einen Dokumentarfilm über das Friedenswald-Projekt. Heute wird im Friedenswald im polnischen Gorzyca ein weiterer Baum, ein Ginkgo, gepflanzt. Der dritte Friedenswald wurde in Brest/Belarus, angelegt. Der Friedenswald bei Moskau ist abgebrannt.

Bettina Fortunato übergab den Jugendlichen und ihren Betreuern, darunter die Seelower Lehrerinnen Petra Wilpert und Petra Dräger,  einen symbolischen Scheck über 1000 Euro. Damit will der Verein der Bundestagsfraktion der Linken den Jugendaustausch fördern.

Jörg Schröder erinnerte in seiner Ansprache an das "sinnlose Schlachten“ zum Beginn des sowjetischen Sturms auf Berlin im April 1945 auf den Seelower Höhen. Die Kulturlandschaft des Oderbruch sei damals faktisch zerstört worden, so der Bürgermeister, der sagte: „Das darf auch nach 74 Jahren nicht vergessen werden, damit es sich niemals wiederholt!“

Ulrike Gutheil lobte die Initiatoren der Aktion aus dem Werbiger Krugbergverein, die Schüler und alle, die dazu beitragen, „die Erinnerung an das dunkle  Kapitel deutscher Geschichte wach zu halten“. Auf dem Krugberg gehe „die Saat der Verständigung auf“, so die Vertreterin der Landesregierung. Friedenswälder bezeichnete sie als „Gegenentwurf zum Versuch, Gras drüber wachsen zu lassen“. In der gegenwärtigen, konfliktgeladenen Situation in der Welt brauche es Signale wie dieses aus Werbig, so Gutheil.

Landrat Gernot Schmidt, selbst Werbiger, begrüßte die Gäste aus Belarus auf russisch, bevor er an die Geschichte des Friederswaldes auf dem Krugberg erinnerte: Die Werbiger Gemeindevertreter wollten 1991 ein Symbol für den Frieden als ihren Beitrag zur deutschen Einheit schaffen, sagte der einstige Bürgermeister des Dorfes. Er hatte die Idee von Politikern und Künstlern wie Eberhard Grashoff und Ben Wargin mit umgesetzt.

Marwitz erbittet Wahl für Europa

Er habe die Einweihung des Friedenswaldes damals als lernender junger Rückkehrer miterlebt. Denn seine Eltern hätten nicht über das Geschehen zum Kriegsende reden wollen, berichtete der Friedersdorfer Hans-Georg von der Marwitz. „Wer nichts weiß, muss alles glauben“, so der Bundestagsabgeordnete. Er bezeichnete Europa als „Schild des Friedens und der Freiheit“ und warb dafür, zur Wahl zu gehen und für Europa zu stimmen.

Zum Lied „Unsterbliche Opfer“, auf der Trompete gespielt vom Gorgaster Marcus Müller, wurde die Eberesche eingepflanzt. Karla Czerny vom Krugbergverein verlas die Grüße des Vorsitzenden des Deutsch-Russischen Forums, Matthias Platzeck. Werbigs 775-Jahr-Feier geht am 15. Juni weiter.

Infotitel

Hier beginnt der Infotext fett danach wieder normal⇥Autor XXX