„Viele glauben ja, Solaranlagen auf dem eigenen Dach lohnt sich nicht mehr.“ Das hat Thomas Gottschalk, der Ingenieur wohnt seit drei Jahren in Döbberin, vielfach erfahren. Deshalb hatte er in diesem Jahr die Initiative ergriffen, und die Döbberiner zur Informationsveranstaltung eingeladen. Vertreter von 17 Haushalten des kleinen Dorfes im Amt Lebus kamen zu ihm in den Garten. Bei dreien funktioniert die Anlage bereits. Bei fünf wird es noch im September so weit seit. Und die Nachfragen häufen sich.
Friedemar Schreiber und Thomas Gottschalk installieren bei Nachbarn  in Döbberin Solaranlagen
Friedemar Schreiber und Thomas Gottschalk installieren bei Nachbarn in Döbberin Solaranlagen
© Foto: Privat
Mit seiner Firma, die er inzwischen verkauft hat, hatte Gottschalk in den verfangenen Jahren Kunden in Gebieten zu Strom verholfen, wo keine zentrale Versorgung möglich war. Vor allem in afrikanischen Ländern wie Kenia, Tansania, Nigeria und Ruanda hatte er Kunden, insgesamt rund 130.000 Haushalte, die nun eine Versorgung mit Strom dank Solaranlagen haben. Das war noch gewinnorientiert. Inzwischen arbeitet er für Acces to Energy, eine gemeinnützige Gesellschaft, die in Afrika und Indien gemeinnützig Solarenergie-Projekte realisiert.
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Youtube Nachbarschaftshilfe bei der Solaranlagen-Installation

„Früher dachte man nicht, dass so eine Solaranlage finanzierbar ist“, sagt eine Nachbarin in dem Video, das die Döbberiner über ihr Nachbarschaftsprojekt angefertigt haben. Dies schon mit dem Gedanken, dass sich ihre Erfahrungen rasch verbreiten und das Modell Schule macht. „Hier gab es schon jemanden, der schon lange eine Solaranlage hatte. Aber bei unseren Treffen erzählte er, dass ihn noch nie jemand im Dorf nach seinen Erfahrungen gefragt hatte“, so Gottschalk. Das werde sich nun ändern.
Die gesetzlich festgelegte Grenze bei der Solarstromerzeugung liegt bei zehn KW-Spitzenleistung. Deshalb haben die Döbberiner auch nicht komplett ihre Dächer mit Solarplatten belegt. In etwa acht Jahren habe sich die Investition, sie liegt zwischen 4 - und 8000 Euro, bereits amortisiert, erklärt der Solarfachmann. Möglich sie das durch die gesunkenen Preise für die Module. „Besser kann man sein Geld nicht anlegen“, sagt Gottschalk.
Das gemeinschaftliche Entwickeln der einzelnen Vorhaben und das ebenso gemeinsame Umsetzen bis zum ersten Stromdurchfluss hatte die Dorfgemeinschaft zusammenwachsen lassen, ist der Initiator überzeugt. Überzeugt ist er auch davon, dass in der dezentralen Stromerzeugung die Zukunft liege. Er schwärmt von seinem Elektroauto, mit dem er nach Berlin zur Arbeit pendelt. „Den Strom dafür erzeuge ich praktisch selbst“, weist er auf das Dach des ehemaligen Gasthaussaales von Döbberin, in dem er wohnt.
Am 14. September lädt Thomas Gottschalk Vertreter von Kommunen und Verwaltungen zur Diskussionsveranstaltung unter dem Motto „Kommunale Wertschöpfung und Biodiversivität in Solarparks“ ins Schloss Neuhardenberg ein. Ab 9 Uhr geht es um die Themen Energiewende, kommunale Wertschöpfung und Biodiversität. Im Anschluss wird der Neuhardenberger Solarpark auf dem Flughafen besucht.