Unmittelbar unter dem Eindruck der verheerenden Zerstörungen im Ahrtal hatten Seelows Bürgermeister Jörg Schröder und sein Rathausteam am 20. Juli auf dem Seelower Markt eine Spendenaktion gestartet. Davon, wie stark die Spendenbreitschaft und der Wille zur Solidarität von da ab in der Kreisstadt waren, berichtete Jörg Schröder am Freitag seinem Kollegen, dem Sinziger Bürgermeister Andreas Geron.

Spenden für Hochwasser-Opfer aus Seelow

Spendenkonto: Stadt Seelow, IBAN: DE96170540402008253123; Verwendungszweck: Sammelspende der Stadt Seelow für Hochwasser-Opfer 2021
Hochwasserhilfe der Seelower für die Sinziger: Seelows Bürgermeister Jörg Schröder zeigt seinem Amtsbruder Andreas Geron in der Videokonferenz den Scheck über die Seelower Spendensumme, die der Stadt Sinzig überwiesen wurde.
Hochwasserhilfe der Seelower für die Sinziger: Seelows Bürgermeister Jörg Schröder zeigt seinem Amtsbruder Andreas Geron in der Videokonferenz den Scheck über die Seelower Spendensumme, die der Stadt Sinzig überwiesen wurde.
© Foto: Ulf Grieger

Beeindruckender Bericht von der Hochwasser-Katastrophe

Geron zeigte an Hand von Fotos, das gesamte Ausmaß der sowohl materiellen als auch psychischen Folgen der Katastrophe. „Wir Bürgermeister im betroffenen Gebiet bemühen uns, dass die Flutopfer wenn möglich auch eine Therapie ihrer erlittenen Traumata bekommen“, so der Bürgermeister des 18.000-Einwohner Städtchens, in dem die Ahr in den Rhein mündet und das bislang auch vom Tourismus gelebt hatte. Mittels eines Stadtplans zeigte Geron, dass auch der Katastrophenschutz nicht mit einer solchen Flutwelle an der Ahr gerechnet hatte. Es wurden Stadtgebiete beiderseits der Ahr überschwemmt, die als hochwassersicher selbst bei einem 200-jährigen Hochwasser galten.
Klärwerk weggespült: Die Sinziger müssen nun nach einem hochwassersicheren Standort suche, um diese wichtige Einrichtung wieder aufbauen zu können.
Klärwerk weggespült: Die Sinziger müssen nun nach einem hochwassersicheren Standort suche, um diese wichtige Einrichtung wieder aufbauen zu können.
© Foto: Ulf Grieger

Klärwerk für 130.000 Einwohner weggespült

Eine große Sorge gilt der Wiederherstellung der öffentlichen Versorgung. Trinkwasser haben die Sinziger jetzt wieder. Allerdings sei die Warmwasserversorgung weggebrochen, weil alle Heizungen in den überflutet Bereichen unbrauchbar sind. Das Klärwerk, das für 130.000-Einwohner-Werte gebaut wurde, ist praktisch unbrauchbar. Das Abwasser läuft, mechanisch gereinigt, in die Ahr und in den Rhein ab. Die Abfallsentsorgung wird zum Teil durch private Firmen übernommen. In einer Woche hat das Müllaufkommen das 27-fache der gesamte Jahresmenge der Stadt erreicht. „Wobei unter Müll das unbrauchbar gewordene Eigentum der Bürger zu verstehen ist, das ihnen lieb und wert war“, machte Michael Geron deutlich. Er selbst habe seine über 45 Jahre gesammelte Kollektion seltener Gesellschaftsspiele verloren.
Muss wieder abgerissen werden: die neue Schulmensa der Kleinstadt.
Muss wieder abgerissen werden: die neue Schulmensa der Kleinstadt.
© Foto: Ulf Grieger

Stadion praktisch verschwunden

Über lange Zeit habe man sich im Stadtparlament darüber gestritten, ob das Stadion, das an der Ahr liegt, eine Tartanbahn bekommen soll. Nun war die Entscheidung dafür gefallen. Doch die Flutwelle räumte das gesamte Stadion ab. Das nun wieder schmale Flüsschen hatte zum Höhepunkt der Flutwelle eine Breite von 900 Metern erreicht. Auf Fotos ist zu sehen, dass dicke Baumstämme, von der Flut mitgerissen, auf Autos zum liegen kamen. Auch die Stelle, auf der das neue Feuerwehrgerätehaus gebaut werden sollte, gibt es nicht mehr. Die vierspurige Brücke der Bundesstraße 9, die erst vor kurzem saniert worden ist, und auf der 25.000 Fahrzeuge täglich passierten, ist wieder unbrauchbar. Die Sporthalle, die nach dem berühmten Sohn der Stadt, dem Radsportweltmeister Rudi Altig, benannt ist, ist komplett verwüstet. 2,80 Meter hoch stand das Wasser dort. Und nicht zuletzt muss die neue Schulmensa, die noch gar nicht eingeweiht war, nun wieder abgerissen werden.

Bewegende Einzelschicksale

Der Bürgermeister berichtete von bewegenden Einzelschicksalen. Und den quälenden Sorgen der Menschen, die zum Teil noch nicht wissen, wie es weitergeht. Denn Elementarversicherungen haben nicht alle. Weshalb Geron dringend anmahnt, dass solche Versicherungen auch mit Unterstützung der Politik verpflichtend eingeführt werden müssten. Bislang gibt es nur wenige Versicherungen, die sich darauf einlassen.
Hilfe für Hochwasser-Opfer Spendenaktion in Seelow gut besucht

Seelow

Spendenkommission prüft Anträge Betroffener unkompliziert

Mit bewegenden Worten dankte Michael Geron den Seelowern für ihre Spenden. Es gibt in der Stadt Sinzig eine Spendenkommission, die die Anträge der Betroffenen unkompliziert prüft und die Gelder nach Bedürftigkeit ausreicht. Jörg Schröder erklärte, dass die Seelower Spendenaktion fortgesetzt wird. Gerade angesichts der Tatsache, dass viele Betroffene ohne Heizungen der kalten Jahreszeit entgegen gehen, will er sich nach einer Woche wieder nach der Lage in der Stadt zu erkundigen. Und er sprach den Wunsch nach persönlichen Kontakten zwischen den beiden Städten aus, der von Michael Geron ebeneso herzlich erwidert wurde. Zumal man mit Seelows Partnerstadt Moers ohnehin eine Verbindung habe, die den Sinzigern mit einer Drehleiter der Feuerwehr geholfen hat.
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