Energie sparen im Winter: Stromverbrauch deutlich senken – was LED und Duschköpfe bewirken

Viele Backöfen haben jetzt Hochkonjunktur. Auch beim Backen lässt sich Energie sparen.
Florian Schuh/dpaEs ist die Zeit der Lichterketten in Räumen, auf Balkonen und in Gärten – auch in Brandenburg. „Wenn Sie noch Jahre alte Lichterketten entdecken, werfen Sie sie weg und kaufen Sie sich LED-Lichterketten mit Stromanschluss. Das spart Energie und ist nachhaltiger. Im Übrigen kommen Lichterketten mit Batterien insgesamt 300 Mal teurer.“ Joshua Jahn ist in seinem Element.
Der Projektleiter Energieberatung ist dabei, „Energiesparhäppchen“ in einem Webinar aufzuzeigen. Er arbeitet sich in einer virtuellen Wohnung von Raum zu Raum. Und lenkt den Blick auf alte Glühbirnen in Lampen und deren überfälligen Austausch durch LED. Denn diese würden den Energieverbrauch um 80 Prozent senken und hätten mit 100.000 Stunden eine hundertfach längere Lebensleistung, erfährt der Zuhörer.
Kühlschrank ist der größte Stromfresser
Joshua Jahn zeigt eine Grafik, aus der die Anteile des Energieverbrauchs in einer Wohnung hervorgehen. Mit 18 Prozent stehen Kühlschrank und Gefrierfächer bzw. -truhen an der Spitze, am anderen Ende findet sich mit vier Prozent die Waschmaschine, mit sechs Prozent der Geschirrspüler. Bei Letzteren hätte sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan, sagt der Energieberater. Wer bei Gefrierfächern sparen will, entfernt regelmäßig die Eisschichten. Das senke den Energieverbrauch um 15 Prozent.
Bis zur nächsten Küchen-Umplanung kann ein weiterer Hinweis warten: Sollte sich der Kühlschrank aktuell neben dem Backofen oder am Fenster befinden, ist ein neuer Platz angebracht. Je kühler die Umgebungstemperatur, desto weniger Strom zieht das Gerät, erklärt Joshua Jahn.
Energiepreise bleiben auf hohem Niveau
Hat Energiesparen noch die Bedeutung wie vor einem Jahr, als die Preise explodierten und Gas- und Ölvorräte schrumpften? „Ja, denn die Preise bleiben ja relativ hoch. Zu schauen, wo man sparen kann, schont weiterhin den Geldbeutel und ist gut für die Umwelt, weil eben noch viel fossile Energie verwendet wird“, umreißt der Verbraucherschützer.
Welche Themen Aha-Effekte erzeugen
In der Arbeit der Verbraucherzentrale hält der hohe Beratungsbedarf bei den Themen PV-Anlage und Heizungstausch an. Das zeigt sich auch in den Webinaren mit 50 bis 100 Teilnehmern, in Hochzeiten waren es über 200. Beim Thema „Energiesparhäppchen“ liegt sie bei etwa 25 Zuhörern. Auch wenn vieles bekannt scheint: Es gibt sie, die Aha-Effekte. Joshua Jahn nennt zwei. „Wir hören tatsächlich immer wieder, dass Leute ihre Zimmer nicht warm bekommen, obwohl die Heizung voll aufgedreht ist. Und dann stellt sich heraus, dass vor der Heizung Möbel stehen“. Im Übrigen betrage der Anteil von Raumwärme etwa 70 Prozent am Energieverbrauch eines Haushaltes, 16 Prozent fallen auf Strom, 14 Prozent auf Warmwasser. Jedes Grad im Raum weniger spare etwa sechs Prozent Heizenergie.
Was ein Sparduschkopf bewirkt
Überraschen würde auch viele Verbraucher der Effekt eines Sparduschkopfes, Perlators/Perlstrahlers oder Durchflussbegrenzers. Damit fließen fünf bis sieben Liter Wasser je Minute aus dem Hahn, ohne die Sparmaßnahme sind es etwa zwölf, bei großen Duschköpfen sogar 15 Liter je Minute. Wer wissen will, wie groß der Verbrauch bei ihm ist, lässt eine Minute lang Wasser in einen Eimer fließen und wiegt ihn dann, erklärt Joshua Jahn. Wiegt der Eimer zehn Kilo, liege der Durchfluss bei 10 Liter je Minute.
Vergleiche auf co2online-Portal
Auf dem Portal https://www.co2online.de heißt es dazu, dass die Armatur bei einem Durchfluss von über zehn Liter je Minute nicht sparsam sei. Ein Durchlaufbegrenzer koste etwa zwei Euro. Sein Einsatz oder der anderer Spargeräte (Duschköpfe kosten etwa 20 Euro) kann je nach Haushaltsgröße oder Wassererwärmung bis zu 100 Euro sparen, heißt es auf dem Portal, auf das auch Jahn verweist.
Haben Sie schon Plätzchen und Stolle gebacken und dafür laut Rezept den Ofen vorgeheizt? Auch darauf lässt sich verzichten, selbst wenn es schwerfällt. Man müsse dann zwar die Backzeit verlängern, aber wenn man gleichzeitig Minuten vor Ende der Backzeit den Herd ausschaltet und die Restwärme nutzt, lassen sich dennoch einige Euro sparen, erklärt der Energieexperte.
Das Thema Stand-by bleibt wichtig
Winter und Adventszeit laden gerade zu mehr Fernsehen/Streaming oder Computerspielen ein. Auch hier hat Joshua Jahn mehrere Tipps: Wer die Helligkeit an den Geräten herunterstellt, senkt den dafür nötigen Energieverbrauch und spart die Hälfte der Kosten. Wer Mehrfachsteckdosen nutzt, sollte den Schalter bei längerem Nichtbetrieb ausschalten, und auch ein Bildschirmschoner sei wenig Geldbeutel-freundlich. „Für die Beleuchtung des Bildschirms wird ständig Energie benötigt.“
Auch sein Plädoyer gegen den Standby-Modus von Fernseher und Konsole fällt eindeutig aus: „Der Stromverbrauch ist höher, als wenn die Geräte in Aktion sind. Es gibt zwar eine EU-Norm für den Energieverbrauch im Standby-Modus, aber es gibt Ausnahmen für Geräte, die mit dem Internet verbunden sind. Und weil diese ständig zum Beispiel updaten, bleibt der Stromverbrauch hoch“, erklärt der Projektleiter.
Wer wissen will, wie viel seine Geräte verbrauchen und ob das viel ist, der muss Zeit investieren. Zum Beispiel in das regelmäßige Ablesen des Verbrauchs. Strommessgeräte, die man kaufen oder ausleihen kann, liefern exakte Angaben zu den einzelnen Geräten. Über Strom- und Heizspiegel, die online verfügbar sind, lässt sich der eigene Verbrauch einordnen. Die Verbraucherzentrale bietet einen Kühlschrankrechner, ebenso Orientierung über EU-Energielabel. Auch www.co2online.de hat verschiedene Vergleichschecks. „Nach zehn Jahren lohnt es sich oft, über den Austausch von Geräten nachzudenken“, weiß Joshua Jahn. Wer also noch etwas Praktisches zu Weihnachten sucht ...
Nächstes Webinar am 18. Dezember, Anmeldung; weitere Informationen
Weitere Energiespartipps
►Wer wissen will, ob seine Fenster dicht sind, klemmt ein Blatt Papier in das geöffnete Fenster. Lässt sich das Blatt im geschlossenen Zustand leicht herausziehen, lohnt es sich, Abdichtungen zu kaufen. Manchmal reiche auch ein zusammengerolltes Handtuch gegen die Zugluft – und man weist den Vermieter auf den Mangel hin.
►Eco-Programme: In vielen Haushalten bleiben sie unberücksichtigt, weil das Wasch- oder Geschirrspülprogramm sehr lange dauert. „Gespart wird gerade über diese Länge“, weiß Joshua Jahn. Das Wasser werde über die Eco-Programme nicht so stark erhitzt wie im Programm angegeben, der Reinigungseffekt sei dennoch da. Joshua Jahn vergleicht es mit dem Autofahren: „Wer langsamer fährt, hat einen geringeren Benzinverbrauch, kommt aber ebenfalls ans Ziel.“ Empfohlen wird dennoch, einmal im Monat die Geräte mit einem 60-Grad-Programm zu bedienen, um Keime abzutöten.
►Bei Heizungen lohnt es sich nicht, die Heizung auf 5 statt auf 3 zu stellen: Der Raum würde dann auf bis zu 28 Grad statt 20 Grad erwärmt. Oft werde vergessen, rechtzeitig wieder herunterzustellen, der Raum heizt sich zu sehr auf.



