Abgehängt: Bus fährt nicht in Hönow

Sie können lange warten: Waltraud Gühlsdorf, Margot Feierabend und Christian Klahr sitzen im Wartehäuschen der Linie 941. Es ist nur wenige Schritte von den Wohnungen der beiden Seniorinnen entfernt.
Margrit Meier/MOZChristian Klahr lässt nicht locker. Der Ortsvorsteher von Hönow nutzt jede Chance, über sein größtes Ärgernis, den Bus, zu sprechen. Besser gesagt den Nicht–Bus 941. Denn seit dem Fahrplanwechsel im Dezember rollt durch Hönow Am Grünzug keines dieser Fahrzeuge mehr. Ursache dafür ist eine eigentlich, findet Klahr, gute Idee, die aber in Riesenfrust umgeschlagen ist. Zumindest bei ihm, Waltraud Gühlsdorf (83), Margot Feierabend (81) und 350 weiteren Senioren und Anwohnern, die per Unterschrift ihre Linie 941 zurückhaben wollen.
Alle 20 Minuten in die City — mit diesem Slogan starteten die drei Nachbargemeinden Neuenhagen, Hoppegarten und Fredersdorf–Vogelsdorf zum Bus–Fahrplanwechsel in eine neue Ära. Ihre Idee: Wenn die Busse wie die S–Bahnen alle 20 Minuten fahren, können die Ein– und Auspendler aufs eigene Fahrzeug verzichten. Um dieses Mehr an Bussen zu bezahlen, greifen sie tief ins kommunale Portmonee. Die Idee war gut, doch geopfert wurde dafür die Linie 941, eine Direktverbindung zwischen Seniorenwohnanlage und U–Bahnhof Hönow.
Schon im Dezember, zum medienwirksamen Start dieses Projektes, war Christian Klahr dies aufgefallen. Schon damals hat er protestiert. „Ich verstehe überhaupt nicht, dass das hier von der Politik scheinbar keinen interessiert. Hier wird eine komplette Seniorenwohnanlage einfach vom öffentlichen Personennahverkehr abgeschnitten. In Hönow leben rund 3000 betagte Männer und Frauen“, ärgert er sich.
Eine davon ist Margot Feierabend. Von ihrer schmucken seniorengerechten Wohnung aus sieht sie das verwaiste Buswartehäuschen in der Straße Am Grünzug. Es ist nur 40 Schritte vom Hauseingang entfernt. Doch all diese bequeme Nähe nützt ihr nichts. „Ich muss seit Dezember wie viele, viele andere weite Wege laufen. Das ist sehr anstrengend und schwer in meinem Alter“, erzählt sie. Vor allem, wenn es regnet oder schneit, sind die Senioren hilflos der Nässe ausgeliefert. Denn wer sich am Rollator festhalten muss, hat keine Hand frei für den Regenschirm.
Erst beim Rewe hält ein Bus der Linie 943. Allerdings gibt es dort keine richtige Haltestelle, sondern wurde ein Autoparkplatz dafür annektiert. Was bedeutet, dass der Ein– und Ausstieg sehr hoch ist. „Zu hoch“, beklagt Waltraud Gühlsdorf.
Gemeinsam haben die drei ihre Forderungen formuliert. Sie wollen den Bus der Linie 941 zurück. Oder einen ähnlichen, der aber durch die Straße Am Grünzug fahren muss. Er sollte möglichst länger fahren, also von 8 bis 18 Uhr. Zudem an Sonnabenden, dann können ihn auch Angehörige der Senioren nutzen, die im Stift versorgt werden. Christian Klahrs nächste Idee: Die Bürgermeister–Kandidaten zu einem öffentlichen Gespräch einladen. Thema: Buslinie 941.