Amtsjubiläum: In der Kutsche zur Prüfung
Ist es Sonntagnachmittag in Klosterdorf, kann es vorkommen, dass am Haus des ehrenamtlichen Bürgermeisters überraschend eine Kutsche hält. Kann es sein, dass der samt Frau zum Einsteigen genötigt wird. Kann es sein, dass es durch einen seltsam halbleeren Ort geht, weil die andere Hälfte der Klosterdorfer längst am Dorfteich an festlich dekorierten Tischen sitzt und ihr Oberhaupt erwartet.
Sechs, acht Vereine, Gruppen geben dem größten der vier Oberbarnimer Ortsteile das Gepräge. Sportverein und Feuerwehr, Kita mit Förderverein, die lebhafte Seniorenrunde, der Heimatverein, die Mitstreiter aus dem ÖkoLeA–Projekt oder die übers Dorf hinaus bekannten Klosterbrüder und Landkätchen machen Klosterdorf zu einem lebendigen liebenswerten Heimatort.
Fast überall hat Bürgermeister Lothar Arndt schon mal „Staub gewischt“ und mit jedem als lang gedienter Orts–Chef auch zu tun gehabt. Dass sie nun aber auf der Festwiese sitzen und seiner harren, obwohl er nicht Geburtstag hat und es auch nicht August ist, also Teichfest–Zeit, das gibt Arndt dann doch zu denken.
Angelika Strohbach bleibt es überlassen, ihn über den Festanlass aufzuklären. Die nimmermüde „Chefin“ der Seniorencrew und langjährige Gemeindevertreterin hat „das Jubiläumsjahr von Lothar“ nicht vergessen: Einer musste es ja machen, damals, als der letzte Vorgänger im Amte zu DDR–Zeiten nicht mehr verfügbar war. Lothar machte und die Klosterdorfer ließen ihn machen.
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„Er hat vieles auf den Weg gebracht“, schallt Angelika Strohbachs Stimme aus dem Mikrofon, „und er hat mit uns gefeiert. Letztes Jahr gab es für ihn für sein Tun die Verdienstmedaille des Landes.“ Und etwa 30 Jahre nach der erstmaligen Kooptierung zum Gemeindevertreter wählten Klosterdorfer und Oberbarnimer den nun aus dem Berufsleben ausgeschiedenen und eigentlich amtsaufgabewilligen Mittsechziger mit deutlicher Mehrheit erneut zu Bürgermeister und Ortsvorsteher.
30 Jahre – und kein bisschen müde? Das wollen die örtlichen Akteure aber bewiesen haben. Als Angelika Strohbach mit der Idee der Überraschungsfeier am Teich kommt, lässt sich kein Verein lange bitten und sich etwas einfallen. Es funktioniert sogar ohne Generalprobe! Wie also wird ein ehrenamtlicher Bürgermeister „auf Herz und Nieren“ bzw. Funktionstüchtigkeit geprüft?
Er kann seine Lebensdaten verfolgen und Einspruch erheben. Doch die Seniorentruppe – vollendet ausgestattet mit Kinderwagen, Tretroller, Brottasche, Zuckertüte, Halstuch, Unterlagen und Mappen für Abitur und Studium von Informationstechnik und Ökonomie — hat mit Ehepaar Hildebrandt sogar ein früheres Brautpaar zu Demozwecken dabei. Nix zu beanstanden, auch nicht der kleine Schnaps statt der Baby–Nuckelflasche.
Auch Amtskette und Sheriff–Stern nimmt Arndt auf dem Thron vor dem Teich wenig klaglos entgegen. Er schafft es, fünf Haifisch–Knirpse aus der Kita einzufangen, zeigt Torgefühl als Fußballer und beweist in Feuerwehrklamotten, dass Knotenkunde zu unlösbaren Verbindungen führen kann. Spätestens, als es mit den Klosterbrüdern auch musikalisch wird, singt nicht nur Lothar Arndt mit „Ich bin ein Dorfkind und darauf bin ich stolz“. „Respekt“, sagt Zaungast und Amtsdirektor Marco Böttche, „dass eine Gemeinde so einen Bürgermeister hat und so ein Bürgermeister so eine Gemeinde.“



