Angehende Schauspielerin: Lara-Antonia Heine: „Ich möchte auch einen Oscar haben“

Premiere: Lara-Antonia Heine mit ihrem Spielpartner Joshua Brooks in dem Stück Some Girls, das sie mit einer Freundin produziert hat und das in LA an zwei Abenden aufgeführt wurde.
PrivatFrau Heine, Sie haben im englischen Bath eine Ausbildung zur Musicaldarstellerin gemacht, studieren gerade Schauspiel an der New York Film Academy in Los Angeles. Warum nicht Jura, BWL oder Politik?
Seit ich vier war, habe ich Ballett getanzt, mit acht hatte ich erstmals Gesangsunterricht. Und mit 14 habe ich mit Shakespeare angefangen. Getan habe ich das also irgendwie schon immer. Ich erinnere mich noch genau an den Moment, in dem ich beschlossen habe, Schauspielerin zu werden. Mit 13 habe ich die Oscars geschaut – und mir diese ganzen Reden angehört. Und dann bin ich zu meiner Mum gegangen und habe gesagt, okay, ich werde Schauspielerin, ich möchte auch einen Oscar haben.
Sie haben das Melanchthon-Gymnasium in Hellersdorf besucht, eine musikalisch und künstlerisch orientierte Schule. Hat das geholfen?
Ja, vom Gymnasium wurde meine Leidenschaft im letzten Schuljahr extrem gefördert. Ich habe dort mein Abitur in einer Schnellläuferklasse mit 16 gemacht – mit Darstellender Kunst als einem meiner Hauptfächer. Nach dem Unterricht wurde ich von meinen Eltern zum Gesangsunterricht gefahren, hatte Tanz- und Schauspielunterricht und am Wochenende Aufführungen. Das war mein Wochenalltag. Für mich war es immer wichtiger, zu meinen Trainingseinheiten zu gehen als zur Schule.
Woher kam der Ehrgeiz?
Für mich war dieser Weg schon immer so ausgelegt. Dazu muss man sagen, dass ich vier Brüder habe. Einen Juristen, einen Polizisten, einen Professor für Biologie und einen Arzt. Ich habe alles andere immer um mich herum gehabt – es hat mich aber nie wirklich gereizt, das zu machen, obwohl ich es bewundere.
Warum Ausbildung und Studium im Ausland?
Nach dem Abitur habe ich mich an der Universität der Künste in Berlin für das Fach Musical beworben. Dort bin ich auch bis in die letzte Runde gekommen. Sie haben fünf Mädchen aufgenommen, ich war leider auf dem sechsten Platz. Nach einem Jahr Musical-Studium an einer privaten Schule habe ich es noch mal versucht, bin aber gleich in der ersten Runde rausgeflogen. Dann sagte ich mir, gut, ich gehe nach England.
Warum gerade England?
Das war einfach eine Idee, die ich so hatte. Ich habe mir Schulen herausgesucht, sie meinen Eltern vorgelegt und die Schulen angeschrieben. Meine Lehrer in Berlin haben mich gefilmt, damit ich eine DVD von mir einschicken konnte. Dann habe ich ein Teilzeit-Stipendium fürs Bath Dance College bekommen und bin dahin gegangen.
Wie ging es weiter?
Nach einem Jahr intensivem Musical-Training habe ich mich schwer verletzt. Mein Kreuzband und Meniskus waren gerissen, mein Schienbein gebrochen. Ich habe es lange vor mir hergeschoben, zum Arzt zu gehen. Dann wurde ich operiert und hatte aber trotzdem den Ehrgeiz, meine Ausbildung zu Ende zu machen. Jedoch wollte ich nach diesen Erfahrungen England erst einmal verlassen und habe mich unter anderem an der New York Film Academy beworben. Die ist es dann geworden.
Heute arbeiten Sie als Musicaldarstellerin und Schauspielerin in Los Angeles, wo die Film Academy einen Standort hat. Das klingt wie ein Mädchentraum. Ist es das wirklich?
Ja, am Ende, wenn man auf der Bühne und vor der Kamera steht und wirklich in diesem Job arbeitet, dann war es alle Tränen und allen Schweiß wert. Aber der Weg dahin ist natürlich nicht so glamourös, wie es im Film „Fame – der Weg zum Ruhm“ oder anderen Filmen dargestellt wird.
Wie muss man sich Ihr jetziges Leben vorstellen?
Der Tagesablauf variiert. Aber wenn ich eine Woche mit Schule und Filmdrehs habe, dann bin ich wirklich von sechs Uhr morgens bis Mitternacht auf den Beinen.
Nebenbei haben Sie vor Kurzem mit einer Freundin ein Stück produziert…
Das war eine total spannende Erfahrung. Natürlich hatte das keiner von uns beiden jemals vorher gemacht. Es ist relativ kompliziert. Wenn man wie wir ein Stück aufführen will, das von jemand anderem geschrieben ist, muss man Broadway anschreiben und die Rechte bekommen. Du musst dann zuerst ein Theater buchen, damit du weißt, an welchem Termin du das Stück aufführen willst und damit du es bewerben kannst. Die Rechte an dem Stück bezahlst du pro Nacht, außerdem geht Geld ans Theater.
Das Stück hieß Some Girls, geschrieben von Neil La Bute. Der Hauptcharakter ist kurz davor, zu heiraten und besucht vier seiner Ex-Freundinnen und versucht, alte Fehler wieder geradezubiegen.
Woher kam das Geld?
Wir mussten relativ viel sammeln, was gut geklappt hat. Es war eine sehr interessante Erfahrung, dass diesmal nicht wir vorsprechen mussten, sondern andere Leute bei uns vorgesprochen haben. Wir waren Regisseure, Produzenten und Schauspieler in einem.
Waren Sie zufrieden?
Wir hatten ein ganzes Wochenende, an dem unser Stück gelaufen ist. Das Problem in LA ist, dass es nicht wirklich eine Theater-Stadt ist. Es ist schwierig, dort ein Theater vollzubekommen. Aber es lief gut. Unser Theater hatte 60 Sitzplätze. Die erste Nacht war es halbvoll, die zweite Nacht ausverkauft.
Sie berichten in den nächsten Wochen für uns über Ihre Erfahrungen im Showbusiness. Was können Sie anderen jungen Frauen und Männern mit auf den Weg geben?
Meine wichtigste Erfahrung ist, dass es okay ist, abgelehnt zu werden. Und dass es nichts Persönliches ist. Als ich Ablehnungen von Schulen und Jobs bekommen habe, war ich immer relativ traurig und habe mich gefragt, ob ich nicht dieses oder jenes hätte besser machen können. Die Wahrheit ist, dass es nichts gibt, was du tun kannst, außer du selbst zu sein, wenn du zum Casting gehst. Es gibt so viele Faktoren, die da hineinspielen. Je schneller man das versteht, desto mehr Spaß kann man daran haben.
Bleibt bei all dem Stress überhaupt noch Zeit für Kontakt mit Ihrer Familie in Hoppegarten?
Wegen der Zeitverschiebung und weil ich so spät ins Bett gehe, rufe ich meine Mama immer an, bevor ich ins Bett gehe – sie steht dann gerade auf. Mit ihr telefoniere ich jeden Tag, mit meinem Papa einmal die Woche. Aber er bekommt ja von meiner Mama auch immer Informationen aus erster Hand.
Zur Person
Lara-Antonia Heine ist in Hoppegarten aufgewachsen, hat dort die Gebrüder-Grimm-Grundschule besucht und ihr Abitur am Melanchthon-Gymnasium in Berlin gemacht. Am Bath Dance College in England ließ sie sich zur Musicaldarstellerin ausbilden, ist nun Berufskünstlerin für Gesang, Tanz und Schauspiel. Derzeit studiert sie Schauspiel im sechsten Semester an der New York Film Academy am Standort Los Angeles. In Großbritannien und den USA habe sie in den vergangenen Jahren das Glück gehabt, "so etwas wie einen Mädchentraum leben zu können", erzählt sie. Über ein paar ihrer Erfahrungen, die sie bisher in der Film- und Showbranche gemacht hat, wird sie in den kommenden Wochen in der MOZ in einer kleinen Serie unter dem Titel "Von Hoppegarten nach Hollywood" berichten.⇥mst