Ausbau: Lebensgefahr bei Freileitungen für die Straßenbeleuchtung in Fredersdorf befürchtet
Ab und an überschlägt er sich sprachlich in seinem Erzählen über die aktuelle Situation. Das ist seiner Aufregung geschuldet und aus seiner Sicht dem Unverständnis, dass diese Situation Mitte August immer noch so gefährlich ist wie im Juni. Damals wies er zum ersten Mal darauf hin, dass eine Leitung mitsamt dem Isolator aus Porzellan nicht mehr am Holzmast befestigt sei, sondern als Spielball des Windes gefährlich über dem Gehweg hin und her schaukelte. „Wenn man sich das überlegt, darunter sind Kinder zur Schule gegangen oder auch ältere Fredersdorfer“, sagt Arndt mit vorwurfsvollem Blick. „Und da hat nicht viel gefehlt, denn so taufrisch sind die Kabel nicht mehr, wie man auch sehen kann“, fügt er hinzu.
Blanke Drähte in der Luft
Sehr kritisch sieht er es, dass die Leitungen direkt durch die Kronen der Straßenbäume verlaufen. „Ohne die würden die Leitungen vermutlich herunterfallen“, sagte ein Anwohner mit einer ganzen Portion Galgenhumor. Bei Regenwetter könnte es zudem zu Überschlägen kommen, so dass sich Benutzer des Gehweges in Lebensgefahr befinden, sagt Arndt. Die Leitungen sind nicht etwa isoliert, sondern es sind blanke Drähte. Der Stromfluss, der naturgemäß den Weg des geringsten Widerstands sucht, kann bei Berührung und ungünstiger Konstellation von seinem vorbestimmten Weg abweichen. „Gefahr ist im Verzug, das ist lebensgefährlich“, kommentiert Arndt.
Tatsächlich sieht die ganze Anlage in der Bruchmühler Straße sehr marode aus. Die vorwiegend Holzmaste sind sehr faserig und stellen selbst schon eine Gefahr dar, bei einer Berührung Splitter zu hinterlassen. Beim kurzen Dagegenlehnen, ohne Kraft aufzuwenden, wackeln einzelne Masten beängstigend stark. Zudem sind überall Flickstellen zu sehen, die keinen sicheren Eindruck vermitteln. Seile, die Maste unter mechanischer Spannung halten sollen, hängen schlaff herab.
Bereits im Juni hatte Arndt ein Anwohner angesprochen, ob diese Leitungen denn überhaupt noch in Betrieb seien, so marode wie die Anlage aussieht. „Die Lampen leuchten, also ist Strom drauf“, antwortete Arndt und informierte die Gemeindeverwaltung. Im Juli bat er den Obermeister der Elektroinnung Oderland, Hanno Büttner, um Rat, der wiederum bei einem Ortstermin die Hände über den Kopf zusammenschlug. "Bei Nässe kann die Spannung Richtung Erde fließen, da ist Gefahr im Verzug. Durch die langen Leitungswege lösen auch die Sicherungen verzögert aus. Es muss unbedingt etwas geschehen“, forderte er.
Wiederum wandte sich Arndt an die Verwaltung, doch bis Anfang August tat sich nichts, was ihn veranlasste, eine Strafanzeige zu stellen: „Lebensgefahr für Mensch und Tier durch stromführende unisolierte Freileitung ...“ Den Gefahrenbereich weitete er auf das gesamte Ortsgebiet aus, da er auch noch anderswo ähnliche Probleme sah.
Auf Anfrage der MOZ äußerte sich Bürgermeister Thomas Krieger: „Mit unserem Dienstleister für die Straßenbeleuchtung, Firma Elektro Schmidt, und mit dem Planungsbüro Henschel & Pangert wurde die Situation vor Ort schon vor Wochen besprochen. Beide haben den Vorgang bestätigt, der uns über Jahre begleitet: bei Regen und Sturm schlagen die beiden Seile, Phase und Nullleiter, zusammen, es gibt einen Kurzschluss und die Beleuchtung ist aus. Die von Herrn Arndt prophezeite Gefahr, Ableitung über den Baum, ist den beiden Gesellschaften theoretisch bekannt, allerdings kann sich niemand an einen derartigen Vorfall erinnern, da hierfür mehrere Bedingungen und Umstände gleichzeitig erfüllt sein müssten. Zudem wird der Baum, durch den die Leitung führt, in regelmäßigen zeitlichen Abständen so beschnitten, dass eine dauerhafte Berührung Baum/Leitung ausgeschlossen ist.“ Er räumte jedoch ein, dass man in diesem Bereich mit dem Baumschnitt zu lange gewartet hätte.
Abschaltung gefordert
Baumschnitt reicht aber Arndt nicht, so marode sei die Anlage. Eine Abschaltung sei unumgänglich, bis die Freileitung gesichert oder durch Erdkabel ersetzt sei, das will Arndt auch weiterhin verfolgen. Krieger hält dagegen, dass die Bruchmühler Straße 2023 erneuert werde und dann auch die Straßenbeleuchtung modernisiert wird. So lange muss mit Freischnitt und Reparaturen der Strom oberirdisch fließen. „Der Fußweg ist in einem Zustand, der bei völliger Dunkelheit Gefahren birgt“, sagt Krieger zu einer Abschaltung der Beleuchtung.


