Bootshaus: Firmen beklagen offene Rechnungen vom Ruderverein Rüdersdorf

Der Ruderverein Kalkberge Rüdersdorf hat einigen Firmen nicht die kompletten Schlussrechnungen für den Anbau am Bootshaus beglichen und prüft noch die Unterlagen. Einen Rechtsstreit wolle man nicht, heißt es aus dem Verein.
Uwe Spranger/MOZGerade in der jetzt schwierigen Zeit sei man auf diese Zahlungen angewiesen, um selbst Mitarbeiter und Material bezahlen zu können, argumentiert beispielsweise ein Trockenbauer. Er hoffe, dass der Verein seinem guten Ruf gerecht werde und die Zahlungen erfolgen, sagt der Handwerker.
Ebenfalls betroffen ist Planer Wolfgang Baier aus Hennickendorf. In seinen Händen lag die Bauüberwachung für den Anbau, der vor allem der behindertengerechten Erschließung des Sportkomplexes dient. Denn Rüdersdorf ist anerkanntes Kompetenzzentrum Rudern mit Behinderung des Bundesverbandes. Für Sportler mit Handicap entstanden Sanitär– und Umkleideräume, wurde ein Fahrstuhl eingebaut, so dass man nun barrierefrei alle Ebenen erreicht — Ufer, Straße und Dachgeschoss im Bootshaus. Wie Baier sagte, seien die Schlussrechnungen gestellt, habe er alle überprüft, seien sie sämtlich „sauber und ehrlich“. Offenbar habe der Verein nun aber Probleme, weil alles so teuer geworden sei, vermutet er. Der abschließende Prüfbericht des Statikers sei mittlerweile da und bescheinige, dass alles in Ordnung sei, und auch einen Nachtrag zum Bauantrag, weil mit den Höhen etwas nicht stimmte, habe er noch gefertigt, obwohl zwischenzeitlich die Querelen begannen. „Ich will ja nicht, dass das Haus vom Bauordnungsamt gesperrt wird“, sagt der Hennickendorfer. Nach seinen Worten ist die Sache mittlerweile „kurz vor dem Gericht“. Er wolle das nicht, hoffe, dass es eine Einigung gibt. Bisher gebe es die nicht, nur die Aussage, dass man sich bis Ende April verständigen wolle, erzählt er.
Ein Jurist ist eingeschaltet
Auch der Vorstand des Rudervereins betont, dass man es nicht auf einen Rechtsstreit anlege. Man habe aber einen Juristen eingeschaltet, denn es gebe „Unstimmigkeiten“, wie es Vorsitzender Heinz Bischoff und Vize Jürgen Eisner bezeichnen. Man sei in der Klärung, sagen sie und versichern, dass der RRVK „auftragsgemäß keinen Cent schuldig geblieben“ sei, alle in den Vergaben fixierten Summen beglichen habe. Auch sie machten auf die immense Verteuerung gegenüber ersten Ansätzen aufmerksam. Statt zunächst angenommenen 330 000 Euro sei man letztlich bei mehr als 800 000 Euro gelandet und trotz aufgestockter Fördersumme müsse der Verein einen Großteil der Kosten über einen Kredit finanzieren. Als 2019 die 600 000–Euro–Marke überschritten wurde, seien die Kassenprüfer eingeschritten, berichten die beiden. Manche Prüfungen von Schlussrechnungen dauerten an.
Hätte man vorher gewusst, wie sich die Kosten entwickeln, hätte man vom Vorhaben Abstand genommen, sagt die Vereinsführung rückblickend. Womöglich hätten auch Richtlinien zu der heutigen Situation beigetragen. So hätten zwei andere Planungsbüros aus der Region für das Projekt fast doppelt so hohe Kosten geschätzt wie das Hennickendorfer. Das erhielt aber gemäß Vergabevorschriften für öffentlich geförderte Bauvorhaben den Auftrag.
Unterdessen sind auch die mit Spendengeldern eines Unternehmens ausgebauten Räume im Dach möbliert, Lift und Rettungstreppe abgenommen. Man hoffe, dass in Kürze ein Para–Ruderer, der sich noch für Olympia qualifizieren könnte, wieder ins Training einsteigen kann.